Schulkinder in Unterhaching: Um maximal 895 Meter verlängert sich ab 2014 der neue Schulweg zur Stumpfwiese – für viele Kinder wird er aber auch kürzer. Foto: Michel

Schulwege in Unterhaching: „1,5 Kilometer sind absolut zumutbar“

Unterhaching - Droht auf der Stumpfwiese ein Verkehrschaos durch Eltern, die ab 2014 ihre Kinder mit dem Auto zur neuen Grund- und Mittelschule kutschieren?

Dieses Szenario schüren im Internet auf MerkurOnline unermüdlich einige Kritiker des neuen Schulstandorts. Und liegen damit womöglich falsch.

Die Debatte über einen angeblich zu langen Schulweg löst bei Peter Hopp, dem Rektor der alten und (noch) in der Fasanenstraße beheimateten Schule, Kopfschütteln aus. „Als ich klein war, bin ich viereinhalb Kilometer in die Schule gelaufen“, erinnert sich Hopp. „Aber um solche Distanzen geht es in Unterhaching gar nicht.“ Um herauszufinden, von welcher Weglänge die Rede ist, hat unsere Zeitung am Dienstag den Fußweg vom alten zum neuen Schulstandort via S-Bahn-Unterführung am Carl-Orff-Weg haargenau ausgemessen - mit einem GPS-Gerät. Ergebnis: Die Distanz beträgt exakt 895 Meter. Um maximal diese Distanz verlängert sich also der Schulweg für jene, die nördlich oder nordöstlich der bisherigen Fasanenschule wohnen. Laut Bürgermeister Wolfgang Panzer sind das zehn Prozent der Schüler (für die Schulweglänge trotzdem deutlich unter zwei Kilometern bleibt). Für alle anderen bleibt der Schulweg gleich lang oder wird sogar kürzer.

„Auch ein Erstklässler kann 1,5 Kilometer zur Schule gehen. Das ist absolut zumutbar“, findet Panzer. Der Elternbeiratsvorsitzende Andreas Windorfer stimmt zu: „Die Länge des Schulwegs kann kein nachteiliges Argument für Schüler und Eltern sein. Auf dem Land müssen die Kinder allein ein bis zwei Kilometer zum Schulbus laufen - und wir machen uns Gedanken über maximal 895 zusätzliche Meter?“ Für Windorfer liegt das Problem „in einer leider verwöhnten Gesellschaft“. Sein Appell an die Eltern: „Nicht dauernd vom Verkehrschaos sprechen, sondern es vermeiden! Wir reden davon, wie wir Kinder weg vom PC und aus der Stube locken - die paar hundert Meter Bewegung auf dem Schulweg sind sicher nicht zuviel.“ Aus medizinischer Sicht bestätigt das auch der ehemalige SPD-Gemeinderat und Allgemeinarzt Dr. Walter Hirschmann, allerdings mit Einschränkungen: „Kinder können selbst zwei oder drei Kilometer Schulweg bewältigen - wenn sie gesund und gut ausgerüstet sind! Behinderte Kinder haben ein Problem. Und solche, bei denen sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter keine hochwertige Regenbekleidung fürs Kind leisten kann.“

In einem anderen Punkt sind sich Windorfer und Panzer derweil einig: „Die Länge ist nicht das Problem, sondern die Sicherheit.“ Panzer schwebt ein möglichst autofreier Schulweg ohne die Querung gefährlicher Straßen vor. Dafür sei der Standort Stumpfwiese ideal, an Details gelte es nun zu feilen. So ist angedacht, die Passage zwischen Bahn-Unterführung (Carl-Orff-Weg) und Sportpark zu teeren, den Weg besser zu beleuchten, im Winter zu räumen zu streuen, mit Schulweghelfern für zusätzliche Absicherung zu sorgen et cetera. All diese Aspekte sollen im Dialog mit Eltern und Schülern bis Dezember 2013 so optimiert sein, dass es kein Schulwegproblem gibt.

Martin Becker

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