Seit Oktober 2018 dem Verfall preisgegeben ist die ehemalige Tennisanlage.
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Seit Oktober 2018 dem Verfall preisgegeben ist die ehemalige Tennisanlage.

Prozess vorm Landgericht: Tennisclub Unterhaching fordert Ablöse von früheren Verpächtern

Schwierige Suche nach einem Zeitzeugen

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Statt um Sport geht es auf den verwaisten Tennisplätzen an der Ottobrunner Straße in Unterhaching mittlerweile um Rechtsstreitigkeiten. Der TC Unterhaching streitet mit den Eigentümern um eine Ablöse.

Unterhaching - Auf dem 22 000 Quadratmeter großen Areal an der Ottobrunner Straße in Unterhaching verhindern Sperrgitter und der Hinweis auf Videoüberwachung den Zutritt. Die letzten Tennisbälle sind hier am 30. September 2018 geflogen – seitdem ist das Areal, 49 Jahre lang die Heimat des Tennisclubs Unterhaching, nach einem Streit mit der Eigentümerfamilie und der Kündigung des Pachtvertrags (wir berichteten) verwaist.

Beweisaufnahme vor dem Landgericht beginnt

Statt um Sport geht es mittlerweile um Rechtsfragen: Unter dem Aktenzeichen 31 0 18880/19 streiten sich der Verein und die Eigentümer um die Ablöse für errichtete Tennisanlagen; auf der Basis eines Gutachtens fordert der TC Unterhaching 430 000 Euro. Vor dem Landgericht München I begann nach dem Prozessauftakt im Juni 2020 gestern die Beweisaufnahme.

Nach Auffassung von Rechtsanwalt Sebastian Weber, der den TCU vertritt, geht es maßgeblich um zwei Fragen. Erstens: Welche Anlagen hat der Verein errichtet? Zweitens: Was sind sie wert? Im Pachtvertrag, erläutert Weber, sei die Ablöseverpflichtung explizit vereinbart. Und ein vom TCU beauftragter Sachverständiger hat 430 000 Euro als Sachwert festgestellt.

Tennisplätze sind 20 Jahre alt und inzwischen marode

An dieser Summe allerdings zweifelt Miteigentümerin Barbara Sigl, die ihre Interessen von Rechtsanwalt Günter Kupka vertreten lässt. „Die Anlagen sind teils über 20 Jahre alt und inzwischen marode – dafür soll ich den Neupreis zahlen?“, warf sie nach dem zweiten Verhandlungstag die Grundsatzfrage auf. Laut Kupka geht es überdies darum: Hat der inzwischen verstorbene Verpächter Korbinian Kastner, bis zum Zerwürfnis mit dem Verein im Jahr 2001 dort aktives Mitglied, den vom TC Unterhaching veranlassten Baumaßnahmen überhaupt zugestimmt?

All dies will Richterin Julia Baumgärtel an den nächsten Verhandlungstagen (mindestens zwei wird es noch geben) herausfinden. Im Rahmen der Beweisaufnahme befragte sie am Dienstag Hans-Jürgen Herion (70), seit 1993 Mitglied im TCU und seit 2009 dessen Schatzmeister. Er berichtete anhand ihm vorliegender Unterlagen von Kostenangeboten für die 1977 fertiggestellte Tennishalle, von Förderungen durch den Bayerischen Landessportverband (1989) und Baufirmarechnungen (1990) für zwei Sandplätze sowie weiteren Fördermitteln und einem Bankdarlehen für den Bau acht weiterer Plätze (1992). All diese Investitionen, zudem die Parkplatzzufahrt, seien in der Buchhaltung einer damit beauftragten Steuerkanzlei dokumentiert.

Hat der Verpächter dem Bau der Anlagen zugestimmt?

„Aber“, wollte die Richterin wissen: „Hat der Verpächter alldem zugestimmt?“ Die Unterschrift von Korbinian Kastner fand sich im Sitzungssaal 6 des Landgerichts München I nur auf einem Bauantrag von 1989 für zwei Tennisplätze und ein Gerätehaus. Ferner kam die Frage auf: Was war Sanierung, was Ersterstellung?

Antworten darauf konnten weder der TCU-Vorsitzende Michael Lettl noch Club-Vize Andreas Munschke, die als Vereinsführung nur formell angehört und nicht als Zeugen vernommen wurden, liefern. Gesucht wird nun ein Zeitzeuge, der die Anfänge aus dem Jahr 1969 kennt und auch die Vereinbarungen der Folge-Jahrzehnte.

Zeitzeuge soll befragt werden

Diesen Zeitzeugen gibt es: den Ehrenvorsitzenden des TCU, Urban Meister. Doch der 84-Jährige ist schwer erkrankt – und das Risiko einer Corona-Infektion im Justizpalast erscheint ihm zu hoch. Weil von seiner Aussage das weitere Verfahren abhängt, soll der TCU innerhalb von drei Wochen eruieren, ob es beispielsweise möglich wäre, Urban Meister bei sich zuhause als Zeitzeugen von der Richterin vernehmen zu lassen. Ebenso könne der Verein einen Alternativzeugen benennen.

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