Das Landratsamt hatte bereits vor einigen Wochen einen Vertrag mit dem Anbieter der Kontakterfassungs-Software „Darfichrein“ geschlossen. (Symbolbild)
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Das Landratsamt hatte bereits vor einigen Wochen einen Vertrag mit dem Anbieter der Kontakterfassungs-Software „Darfichrein“ geschlossen. (Symbolbild)

Digitale Testzertifikate und Impfpässe

Software-Offensive: Landkreis München will Standard bei Pandemie-Bekämpfung setzen

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Die Kreisbehörde sucht nach Lösungen für digitale Testzertifikate. Ein Pilotversuch läuft bereits im Testzentrum in Feldkirchen.

Landkreis – Übertragungsfehler von Corona-Daten soll es im Landratsamt künftig nicht mehr geben: Die Kreisverwaltung sucht deshalb nach einem einheitlichen Software-Standard für Testzertifikate, Kontakterfassung und Impf-Daten. Auf eine Offensive der Landesregierung will die Behörde nicht warten. Das macht den Landkreis zu einem Vorreiter in Bayern.

Das Landratsamt hatte bereits vor einigen Wochen einen Vertrag mit dem Anbieter der Kontakterfassungs-Software „Darfichrein“ geschlossen. Der Landkreis bezahlte dafür einen vierstelligen Preis. Das Programm ermöglicht mit QR-Code und Smartphone die Erfassung von Kontaktdaten, etwa vor einem Restaurant-Besuch. Die bisherige Zettelwirtschaft soll dadurch ersetzt werden. In dem Vertrag wurde eine Öffnungsklausel verankert.

Wenn sich der bayerische Freistaat für einen anderen Anbieter entscheidet, kann der Landkreis sofort auch das landesweite System benutzen. Zu diesem Fall ist es nun gekommen: Die Staatsregierung hat sich am Mittwoch für die App „Luca“ entschieden.

Landrat Göbel: einheitlicher Software-Standard wichtig

Noch wichtiger als eine Kontakterfassungs-Software ist aber ein einheitlicher Software-Standard auch für digitale Testzertifikate und Impfpässe, sagte Landrat Göbel am Donnerstag bei einem virtuellen Pressegespräch. Testzertifikate nach einem Coronavirus-Test sollten nach seinen Wünschen in den Testzentren erstellt und in einer App oder auf einem Ausdruck erscheinen. An der Einlasskontrolle, etwa vor einem Bekleidungsgeschäft, könnten Bürger so ein negatives Testergebnis oder einen vollständigen Impfschutz leichter nachweisen. Göbel hält diesen Schritt deshalb für so wichtig, weil es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch Geimpfte ohne Testung in Einrichtungen Zutritt hätten. „Dann bedarf es eines solchen Systems“, sagte Göbel.

Versuch Feldkirchen: Ziel ist, erprobten Standard allen Testzentren vorzugeben

Dazu hatte sich die Kreisverwaltung an das Kölner Start-up „Ubirch“ gewandt, das aktuell das System für einen digitalen Impfnachweis entwickelt. Mit Ubirch testet das Landratsamt in einem Pilotversuch die programmierte Schnittstelle am Testzentrum in Feldkirchen. Der Versuch läuft nach Angaben des Landratsamts „gut“. Ziel sei es, den erprobten Standard allen Testzentren im Landkreis vorzugeben und so Voraussetzungen für eine Teststrategie zu schaffen.

Wenn der Standard erfolgreich ist, könnte das ein Beispiel für eine bayernweite Anwendung sein.

Landrat Christoph Göbel (CSU) über die Entwicklung einer Software-Schnittstelle

Göbel: „Beispiel für eine bayernweite Anwendung“

Nach dem Willen des Landratsamts sollen die Software für Testzertifikate und der digitale Impfnachweis mit der Firma Ubirch entwickelt werden. Der Landkreis will dazu „zeitnah Kontakt zu den Entwicklern von Luca aufnehmen und darauf dringen, ebenfalls die Verarbeitung von Ubirch-Zertifikaten in das Verfahren einzubauen“, so die Kreisverwaltung.

Wenn die Entwicklung eines Standards im Landkreis erfolgreich sei, könnte er „Beispiel für eine bayernweite Anwendung“ sein, sagte Göbel. Einen ähnlichen Software-Standard gebe es aktuell nicht.

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