Harald Nottmeyer mit einer Kupferbeilklinge von etwa 3500 v.Chr
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Klein aber bedeutend: Harald Nottmeyer mit einer Kupferbeilklinge von etwa 3500 v.Chr. ArchivFoto: Robert Brouczek

Denkmalschutzbeauftragte kritisieren weniger Sorgfalt bei archäologischen Voruntersuchungen

Sorge um Unterhachings Bodendenkmäler

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Immer wieder wurden in Unterhaching bedeutende archäologische Fundstücke entdeckt. Die Denkmalschutzbeauftragten befürchten, dass das künftig seltener passiert.

Meist sind es Zufallsfunde. Wie ein über 5000 Jahre altes Kupferbeil oder Gräber aus der ersten Zeit der Bajuwaren. Zutage gefördert bei Bauvorhaben in Unterhaching, das auf eine über 5500 Jahre alte Ortsgeschichte zurückblickt. Einige der Funde waren so sensationell, dass ihnen die Archäologische Staatssammlung 2010 sogar eine eigene Sonderausstellung „Karfunkelstein und Seide“ gewidmet hatte..

Schon damals hieß es in Fachkreisen, weitere bedeutende Funde auf Unterhachinger Flur seien zu erwarten. Doch im Zuge von Siedlungsdruck und Nachverdichtung werden archäologische Voruntersuchungen mittlerweile in einigen Fällen offenbar nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt. Dem entgegensteuern mit einem „Antrag zum Schutz und zur Rettung von Bodendenkmälern“ wollen die fünf Denkmalschutzbeauftragten der Gemeinde (Stefan Zöllinger, CSU; Harald Nottmeyer, SPD; Alfons Hofstetter, FWU; Max Heiland, Grüne; Bernard Maidment, FDP) sowie Heimatpfleger Günter Staudter.

 „Insgesamt ist das Bewusstsein über Lage und Bedeutung möglicher Bodendenkmäler in der Einwohnerschaft und bei beteiligten Baufirmen nicht hinreichend präsent.“

Stefan Zöllinger

„Einige Bauvorhaben in der jüngsten Zeit haben gezeigt, dass sie oft sehr zügig vorangetrieben und nicht von archäologisch geschultem Personal begleitet werden“, erläuterte Stefan Zöllinger im Gemeinderat und nannte als Beispiel Aushubarbeiten auf dem Gelände des Kastnerhofes auf der Ostseite des Hachinger Bachs. „Dieses Areal liegt im typischen Erwartungsbereich für archäologische Funde im Kontext des alten Dorfs.“

Eine Analyse des Projekts im Nachgang habe gezeigt, dass die Karte eingetragener Bodendenkmäler im Bayern-Atlas unvollständig und somit „nicht geeignet als alleinige Bezugsquelle für etwaige Auflagen“ sei. Weil der tatsächliche Baubeginn weder dem Heimatpfleger noch den Denkmalschutzbeauftragten bekannt war, sei es nicht möglich gewesen, eine Besichtigung oder fachliche Begleitung der Baustelle zu organisieren. Zöllingers Eindruck: „Insgesamt ist das Bewusstsein über Lage und Bedeutung möglicher Bodendenkmäler in der Einwohnerschaft und bei beteiligten Baufirmen nicht hinreichend präsent.“

Deshalb beantragt das um Kulturschätze bemühte Sextett überparteilich auf Basis des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes, die Gemeinde möge eine „Erwartungszone für archäologische Funde“ definieren und diesen Sektoren bei Bauvorhaben erhöhte Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen. Ziel müsse sein, dass rechtzeitig vor Baubeginn Fachleute einen Blick auf den Baugrund werfen, der schon beim Abschieben behutsam betrachtet werden müsse. Harald Nottmeyer, der sich als Fördervereins-Vorsitzender auch ums Heimatmuseum kümmert, sagte: „Ich bin nicht bereit zuzuschauen, wie Bodendenkmäler unwiederbringlich in einer Baggerschaufel verschwinden.“

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