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Atmosphärischer Vorgeschmack aufs Derby: Der TSV 1860 München kommt nach Haching.

Gesperrte Osttribüne

Leere Ränge oder volle Hütte?

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Die Zeit wird knapp, schon während der Wiesn findet in der 3. Liga das Fußballderby zwischen der SpVgg Unterhaching und 1860 München statt. Das Problem: Im Unterhachinger Stadion sind 4500 der 15.000 Zuschauerplätze gesperrt.

Unterhaching – Peinlich wäre das schon, wenn während der Wiesn zig tausend Fußballfans in den Unterhachinger Sportpark strömen wollen, es aber nicht dürfen. Ein Szenario, welches dem träge dahindümpelnden Dauerthema Stadionsanierung neue Brisanz verleiht: 

Der Zufall will es nämlich, dass der Spielplan des DFB für den 25. oder 26. September das Drittliga-Derby zwischen der SpVgg Unterhaching und dem TSV 1860 München terminiert. Ein volles Stadion ist bei so einem Spiel, obendrein zur Wiesn-Zeit, normalerweise garantiert. Das Problem in Unterhaching: Seit Mai 2017 sperrt die Gemeinde die Osttribüne, 4500 Plätze müssten leer bleiben.

Eine minimale Setzung des Untergrunds – eine ehemalige Kiesgrube – hat für Risse im Tribünenbeton gesorgt, weshalb an der ein oder anderen Stelle Stolperfallen entstanden sind. Für die Gemeinde Grund genug, die Osttribüne dauerhaft gesperrt zu lassen: „Sicherheitsfragen haben Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen“, sagt Rathaus-Sprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. „Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass kein Zuschauer zu Schaden kommt.“

Sanierung für 2021 geplant

Auf der Prioritätenliste für kommunale Großprojekte steht die Stadion-Sanierung erst für 2021 auf der Agenda – im Rathaus setzte man bis dato darauf, dass die SpVgg so schnell nicht in die 2. Liga aufsteigt und die derzeitige Zuschauerkapazität von 10 500 Plätzen ausreicht. Doch diese Rechnung geht nun nicht auf: 1860 München wird so viele Fans mit nach Unterhaching bringen, dass das Stadion aus allen Nähten platzen wird – die 4500 Plätze der Osttribüne werden also schon drei Jahre früher benötigt als angedacht.

Fan: „Wäre eine Schande“

„Es wäre doch eine Schande für die Gemeinde Unterhaching, wenn die Osttribüne bei Heimspielen wieder leer bleibt“, schreibt Haching-Fan Franz Buchner in einer E-Mail an die Redaktion des Münchner Merkur. Er verweist darauf, dass außerden Münchner Löwen noch andere Traditionsvereine in den Sportpark kommen: nämlich die früheren Bundesligaklubs Eintracht Braunschweig (am ersten September-Wochenende) und der 1. FC Kaiserslautern (Anfang Dezember).

Um Bewegung in die Nicht-Sanierung zu bringen, feilt die SpVgg Unterhaching seit Oktober 2017 aneinem kühnen Plan: Der Verein will das Stadion auf der Basis von Erbbaurecht übernehmen und würde, wenn ein entsprechender Pachtvertrag zustande käme, unverzüglich die Osttribüne tauglich machen für die zuschauerträchtigen Spiele der nächsten Monate. Nach einem halben Jahr zäher Verhandlungen soll die Entscheidung darüber in der Gemeinderatssitzung am 18. Juli fallen.

„Wir sind mit Hochdruck dran an dem Thema“, sagt der Vizepräsident der SpVgg Unterhaching, Peter Wagstyl. Er hofft, bis zum 18. Juli alle Unklarheiten beseitigen zu können: „Es geht um einen Nachtrag zum Pachtvertrag, juristisch gibt es für beide Seiten noch Stolperfallen.“ Die Rathaus-Sicht klingt aus Hötzls Mund so: „Wir sind in intensiven Beratungen mit dem Verein. Ob und wann es zu einer Lösung kommt, wage ich nicht einzuschätzen.“

Wettlauf gegen die Zeit

Die SpVgg Unterhaching jedenfalls steht in den Startlöchern, die Tribüne selbst zu sanieren – eine Fachfirma ist schon auf Abruf engagiert. „Alle Schalensitze demontieren, Fugen reinigen und von Bewuchs befreien, Lücken ausgießen“, schildert Wagstyl die nötigen Arbeiten. Das Problem mit der Setzung hält er für überbewertet: „Nach unserer Einschätzung ist das eine ganz normale Sanierung, die ja auch vom TÜV abgenommen wird.“

Allerdings verrinnt mit jeder Woche, in der nichts passiert, die Zeit. „Unser Plan ist, das Braunschweig-Spiel als Testlauf zu nehmen und beim Derby gegen die Löwen Vollgas zu geben“, skizziert Wagstyl den Zeitplan für die Sanierung der Osttribüne. Mit der Gemeinde führe man „ordentliche Gespräche, wir sind auf einem guten Weg“.

Nun wird‘s öffentlich

Dass dieser Entscheidungsprozess transparenter gestaltet wird, dafür setzen sich jetzt die Grünen ein. Die haben diese Woche bei der Gemeinde einen „Antrag auf Öffentlichkeit“ gestellt; bislang wird das Stadionthema von den kommunalpolitischen Gremien stets nichtöffentlich behandelt. Daraus würden über unterschiedliche Medien „widersprüchliche Informationen“ an die Öffentlichkeit gelangen, was zu einer Verunsicherung der Bürger und Fans führe. Die hätten „ein Recht auf Transparenz“. Über den Antrag der Grünen befindet der Gemeinderat unmittelbar vor der Sitzung am 18. Juli.

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