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Etwa 120 Unterhachinger sind zur Bürgerversammlung ins Kubiz gekommen.

Bürgerversammlung Unterhaching

„Wir sind zugemüllt vom Autoverkehr“

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Lärmschutz an der A995, der Kreisverkehr an der Ottobrunner Straße und die neue Stellplatzsatzung: In der Unterhachinger Bürgerversammlung drehten sich viele Anfragen an Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) ums Thema Verkehr.

Unterhaching – Als die Ersten unter den rund 120 Interessierten das Kubiz gegen 22 Uhr verließen und jeder dachte, die Unterhachinger Bürgerversammlung sei so gut wie zu Ende, ging es doch noch in die Verlängerung. Eine Stunde lang hatte Bürgermeister Wolfgang Panzer zuvor schon diverse Fragen aus dem Auditorium beantwortet – das Saalmikrofon wurde gerade weggelegt, da schnellten noch drei Hände in die Höhe: weitere Anfragen. Und wieder ging es, nochmal eine Viertelstunde lang, um Verkehrsthemen.

In den gut anderthalb Stunden der offiziellen Verlautbarungen hatte sich der Neuigkeitswert zunächst, zumindest für regelmäßige Leser des Münchner Merkur, in Grenzen gehalten. Polizeichef Stefan Schraut zog ein Jahresfazit („Ein wenig mehr Einsätze, erheblich weniger Straftaten, ein bisschen mehr Unfälle“) und warnte anschaulich vor der aktuellen Betrügermasche „falscher Wasserwerker“, Vize-Landrätin Susanna Tausendfreund schilderte die Landkreis-Sicht zum Thema Flüchtlinge („Nicht mehr die Unterbringung steht im Vordergrund, sondern die Integration“), und Bürgermeister Panzer schließlich unternahm einen ausführlichen Streifzug durchs Gemeindegeschehen. Unter die Kategorie „bisher nicht bekannt“ fielen lediglich die Infos, dass am Muttertag 105 Damen gratis ins Freibad durften und von Krähen verdreckte Gräber auf Antrag der Friedhofsbesucher von der Gemeinde kostenlos gereinigt werden.

Aber dann ging es los. Catia Hilgart griff als Erste zum Saalmikrofon, legte ihre Bemühungen für einen Lärmschutzwall an der A 995 dar und präsentierte den Rücklauf ihrer Flugblattaktion: „Dies sollte der Gemeinde endlich Handlungsbedarf signalisieren!“ Panzer habe „50 000 Euro für ein Lärmschutzgutachten verschwendet und steht wieder mit leeren Händen da“, denn die Gemeinde-Aktion „80/80“ sei der falsche Weg und nur ein Lärmschutzwall die optimale Lösung. „Warum nach den Sternen greifen, wenn die Erde so nah ist?“, fragte Hilgart in Anspielung darauf, sich seitens der Kommune um den Erdaushub vom Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke zu bemühen. Zumal ein Erdwall entlang der Autobahn nicht nur vor Lärm, sondern auch vor Schadstoffbelastung schütze. Thomas Trützschler fand gar, der Autobahnlärm sei „so schlimm wie eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen“. Panzer sagte zu, er werde „das Meinige tun“, speziell an die Adresse von Catia Hilgart mahnte er aber auch: „Sie als Privatperson können alles erzählen, ich dagegen kann nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Ich poste nicht jedes Gespräch gleich auf Facebook, sondern ziehe das Verwaltungshandeln vor.“

Aber es ging nicht nur um Lärmschutz. Einen schriftlichen Antrag hatte Gunnar Stadtlander gestellt, später legte er mündlich nach. Sein Anliegen: die etwas komplizierte Verkehrssituation beim Kreisverkehr an der Ottobrunner Straße, der nur drei Äste hat und nach Norden „geschlossen“ ist. Anders als ein weiterer Antrag (auf eine Öffnung des Kreisverkehrs zur Grünau hin) wünscht sich Stadtlander keine Straße, sondern einen Weg für Fußgänger und Radfahrer – die müssten nämlich derzeit über den Bozaunweg ausweichen und würde wegen der Enge dort in bedrohliche Situationen gezwungen. Aus Sicht der Gemeinde lassen sich derzeit aber weder Weg noch Straße realisieren, weil man das Areal während der Baubetriebshofsanierung zur Auslagerung von Material und Fahrzeugen benötige.

Die neue Stellplatzsatzung (wir berichteten) stellte Thorsten Betz in Frage. Unterhaching sei „zugemüllt vom Autoverkehr“, nun werde man noch mehr Autos anziehen. Autos fördern oder Fahrräder? Panzer wirkte zerrissen: „Beide Seiten zerren an mir. Ich versuche, einen Mittelweg zu finden.“ Grundsätzlich, auch zur Forderung nach noch mehr Tempo-30-Zonen, sagte Panzer: „Eigentlich müsste man Unterhaching verkehrstechnisch komplett neu aufstellen, aber ich kann die bestehenden Straßen ja nicht abschaffen.“

Jenseits all der vielen Verkehrsfragen insistierte Günter Trotzek wegen der im August 2017 erfolgten drei Trinkwasserbohrungen im Perlacher Forst. Was denn da schief gelaufen sei, dass die Gemeinde zwar Heißwasser für Geothermie, aber kein Trinkwasser finde, wollte er wissen. Rathaus-Sprecher Simon Hötzl verwies auf ein „hydrogeologisches Gutachten“, das ergeben habe, dass das in 35 Metern Tiefe gefundene Grundwasser „bei Weitem nicht ausreicht, um Unterhaching zu versorgen“. Laut Panzer „liegt der Ball nun beim Landratsamt Garmisch-Partenkirchen“, das Unterhaching zur eigenständigen Trinkwasserversorgung zwingen will; sollte es keine Einigung geben, müsse man den Klageweg beschreiten.

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