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Eine Wärmebildkamera erkennt, ob sich jemand im toten Winkel befindet. Dann blinkt die Warnanlage gelb und gibt somit Auto- und Lkw-Fahrern ein Zeichen.

Pilotprojekt im Landkreis geplant

Gefahr im Toten Winkel: Neues System könnte Leben retten - doch nicht alle sind begeistert

  • VonAndreas Sachse
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Jährlich sterben hunderte Radfahrer im Toten Winkel auf Deutschlands Straßen. Ein neu entwickeltes System soll nun vor abbiegenden Lkw schützen. Doch es gibt auch Kritik.

Landkreis – „Bike-Flash“ heißt das Verkehrswarnsystem, das Radfahrer im toten Winkel vor abbiegenden Lkw schützen soll. Denn immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen oder gar tödlichen Unfällen. Die Freien Wähler (FW) wollen zehn dieser Anlagen im Landkreis erproben. Das Landratsamt würde mitziehen.

Gefahr im Toten Winkel: Kritik an Warnsystem für Radfahrer

Doch ob der Kreis-Verkehrsausschuss dem Vorschlag in seiner Sitzung am Donnerstag zustimmt, ist ungewiss. Denn nach Ansicht des Bund-Länder-Fachausschusses sind derlei Anlagen mit der Straßenverkehrsordnung nicht vereinbar: „Bike-Flash“ könnte mit anderen Verkehrseinrichtungen verwechselt werden, heißt es. Die Anlage würde Autofahrer irritieren.

„Ist das zu glauben?“ Vize-Landrat Otto Bußjäger (FW) vermag kaum zu fassen, mit welcher Begründung das neu entwickelte Sicherheitssystem abgelehnt wird. „So lange Abbiegesysteme in Lkw und Bussen nicht serienreif angeboten werden, müssen wir auf schwächere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Fußgänger und Skater unbedingt achten“, sagt er.

„Bike Flash“ als Schutz im Toten Winkel: So funktioniert das System

382 tote Fahrradfahrer wurden 2017 gezählt. 40 Prozent aller Fahrrad-Unfälle waren die Folge eines

So sieht die Warnanlange im Detail aus.

Abbiegemanövers. „Bike-Flash“ registriert Radfahrer im toten Winkel. Eine Wärmebildkamera löst ein blinkendes Warnzeichen an der Kreuzung aus. Fußgänger, Skater oder Roller-Fahrer sind durch die Anlage ebenfalls geschützt.

System für Rettung im Toten Winkel bereits getestet

Seit vergangenem November ist im niedersächsischen Garbsen die bundesweit erste „Bike-Flash“-Anlage in Betrieb. An der viel befahrenen Zufahrt zum Sortierzentrum des Online-Versandhändlers Amazon leistet das System offenbar gute Dienste. „Die dortige Bevölkerung ist der Ansicht, dass die Anlage einen sinnvollen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr leistet“, konstatiert Bußjäger.

Gefahr im Toten Winkel: System zum Schutz für Radfahrer soll aktiv werden

Das Landratsamt ist bereit, das neue System zu testen. Die Kreisverwaltung legt dem Verkehrsausschuss nahe, „Bike-Flash“ als Pilotprojekt zu starten. Gegenwärtig sucht man offenbar nach geeigneten Standorten.

Zehn „Bike-Flash“-Systeme hätten die Freien Wähler gern an viel befahrenen Kreuzungen im Landkreis installiert. Eine Anlage kostet 35 000 Euro. Trotz der aus FW-Sicht offenkundigen Vorteile des Sicherheitssystems ist unklar, ob „Bike-Flash“ sich durchsetzt. Das Bundesverkehrsministerium jedenfalls setzt auf eine einheitliche, europäische Lösung, die voraussichtlich nicht vor 2022 zu erwarten ist.  

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