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Trainingszentrum für Pflegekräfte: Hier simulieren Azubis den Arbeitsalltag

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Von: Martin Becker

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Übung macht den Pfleger: Doris Sander (l.) und Melissa Kaplan simulieren eine Pflegesituation.
Übung macht den Pfleger: Doris Sander (l.) und Melissa Kaplan simulieren eine Pflegesituation. © Martin Becker

Im neuen „Skills Lab“ der Caritas proben Auszubildende Situationen aus dem Arbeitsalltag.

Unterhaching – Übung macht den Meister, heißt es. Doch wenn das Üben in der Praxis nicht so einfach möglich ist wie in der ambulanten Pflege, weil sich dort jeder Fehler negativ auf die Patienten auswirken würde? Die Caritas hat für Auszubildende das „Skills Lab“ entwickelt, also ein Fahigkeiten-Labor. Dieser neuartige Lernort ist jetzt im Caritas-Pflegezentrum in Unterhaching vorgestellt worden.

Das „Skills Lab“ ist im Prinzip eine Art Trainingszentrum für Auszubildende in der ambulanten Pflege. In einem typischen Patientenzimmer simulieren die angehenden Pflegekräfte den Ernstfall. Aber nicht mit hilfsbedürftigen Menschen, sondern mit einer Pflegepuppe. Oder, da das Training stets in Zweier-Teams stattfindet, in gegenseitiger Rollenverteilung: Einer mimt den Patienten.

Durchgespielt werden konkrete Pflegesituationen, wie „das Anlegen eines Kompressionsverbands nach Pütter“ zur Behandlung von Venenerkrankungen. In das Rollenspiel greift zunächst niemand ein – vielmehr wird alles per Videokamera dokumentiert. Und anschließend analysiert.

Video-Analyse: Die simulierten Pflegesituationen werden aufgezeichnet und anschließend evaluiert.
Video-Analyse: Die simulierten Pflegesituationen werden aufgezeichnet und anschließend evaluiert. © Martin Becker

„Der Fokus liegt auf Kommunikation“, erläutert Caritas-Fachreferent Thomas Hartinger. In den Übungen, für die es kleine ausgefeilte Drehbücher gibt, werden Stressmomente simuliert. Beispielsweise, wenn ein „sperriger Patient“ eine Behandlung ablehnt und dabei auch mal etwas lauter wird. Andreas Klett, der die Rollenspiele dokumentiert, ergänzt: „Wie hat sich der Schüler in dieser Situation gefühlt, gäbe es Handlungsalternativen?“ Fragen wie diesen gehen die Schüler in der Selbstreflexion nach, wenn sie die Videoaufzeichnung ihrer Pflegeübung betrachten. „Es geht oft darum, kommunikative Türöffner zu finden“, sagte Andreas Klett. Das Training-Szenario wird mehrmals wiederholt, immer wieder ausgewertet. „Im dritten oder vierten Durchgang sieht man dann eine Steigerung.“

Oft sind es Kleinigkeiten: Wird der Patient freundlich mit seinem Namen angesprochen, sitzen die ersten Handgriffe? „Nuancen können manchmal den ganzen Tag retten“, weiß Thomas Hartinger. Hilfreich sei auch der Perspektivwechsel: „Wenn ein Schüler den Patienten spielt und hautnah spürt, wie es ist, wenn ihm der Joghurtlöffel zu unsanft in den Mund gesteckt wird.“

„Niemanden muss in diesem Rahmen etwas peinlich sein“

Dass die komplexen Pflege-Szenarien, egal ob der technische Verbandswechsel oder ein Toilettengang bei einem Adipositas-Patienten mit Urininkontinenz, im „Skills Lab“ trainiert werden können, hat für die Ausbildung diverse Vorteile. Das geschützte Labor-Umfeld mit Pflegepuppe gewährleistet, dass keine Auswirkungen auf reale Patienten entstehen. „Niemanden muss in diesem Rahmen etwas peinlich sein“, sagt Thomas Hartinger. Das fördere das individuelle Lernen, den Theorie-Praxis-Transfer, die berufliche Handlungskompetenz. Er spricht von einer „positiven Fehlerkultur“, die ständigen Analysen und Wiederholen „vermitteln die Handlungssicherheit für den realen Pflegefall“.

Für eine Demonstration schlüpfen die Caritas-Ausbildungsexpertinnen Doris Sander und Melissa Kaplan in die Rolle von Patientin und Pflegerin. Wie beispielsweise damit umgehen, wenn der Hinweis aufs schöne Wetter dadurch gekontert wird, dass die Patientin sich schämt, mit dem Gehwagerl auf die Straße zu gehen, und deshalb lieber in der Stube bleibt?

Das Skills-Lab-Team: (v.l.) Andreas Klett, Thomas Hartinger, Doris Sander und Melissa Kaplan
Das Skills-Lab-Team: (v.l.) Andreas Klett, Thomas Hartinger, Doris Sander und Melissa Kaplan © Martin Becker

Sechs bis acht Stunden dauert dieses Training, zu dem nicht nur Caritas-Azubis nach Unterhaching kommen, sondern auch von Kooperationspartnern wie Münchner Kliniken oder Pflegeschulen. „Es ist toll, was hier geschaffen wurde“, sagt Matthias Hilzensauer, bei der Caritas Kreisgeschäftsführer für den Landkreis. „Damit setzen wir ein positives Signal für die Ausbildung in Pflegeberufen. Diesen Ansatz habe ich mir seit Jahren gewünscht.“

Vom „Skills Lab“ profitieren alle: die Patienten, weil sie bestens geschulte Pflegekräfte erhalten; die Auszubildenden, weil sie in einem geschützten Rahmen lernen. Mittelfristig ist angedacht, das Trainings-Labor auszuweiten auf die Weiterbildung gestandener Mitarbeiter: Wertschätzende Workshops sollen deren Motivation steigern.

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