Hilfe für die Schwachen: Rosa Bauer aus Unterhaching wurde 91 Jahre alt. Foto: michel

Trauer um die Ehrenbürgerin Rosa Bauer

Unterhaching - Ehemalige Gemeinderätin stirbt am Heiligen Abend im Alter von 91 Jahren

Unterhaching - Vor ihrem sozialem Lebenswerk verneigt sich eine ganze Gemeinde: Unterhaching trauert um die Ehrenbürgerin Rosa Bauer, die am Heiligen Abend im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Ihr ganzes Leben lang hat sich Rosa Bauer für Kinder und die Ärmsten in der Gesellschaft eingesetzt. Für sie, die ihr einziges Kind früh verloren hatte, war diese Arbeit selbstverständlich. „Ich bin halt durch und durch ein sozialer Mensch“, hatte sie zu ihrem 85. Geburtstag gesagt, den sie im Kreise ihrer Familie, die extra aus London angereist war, und vieler Gemeindemitglieder feierte. Doch ihr außergewöhnliches Engagement ragte weit über ihre Bescheidenheit hinaus.

In Unterhaching war Rosa Bauer 24 Jahre lang Gemeinderätin und Sozialreferentin der SPD. Von 1984 bis 1990 saß sie zudem im Kreistag und war noch viele weitere Jahre als Beraterin der Sozialabteilung des Landkreises tätig. 1980 hatte sie in ihrer Heimatgemeinde darüber hinaus die Leitung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) übernommen: 19 Jahre arbeitete Bauer als Vorsitzende und baute die AWO Unterhaching zwischenzeitlich zum größten Ortsverein im Landkreis aus.

Die Gemeinde ehrte diesen enormen Einsatz im Januar 1998 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Die Laudatio hielt der damalige Dritte Bürgermeister Alfons Hofstetter, der auf Rosa Bauer das Motto der Friedensnobelpreis-Trägerin Mutter Teresa übertrug: „Den Kindern, den Armen, allen, die leiden und einsam sind, schenkt immer ein glückliches Lächeln“ - dieser Satz könnte auch von Rosa Bauer stammen, beendete Hofstetter seine Rede.

Dabei war die Geehrte selbst in den allerbescheidendsten Verhältnissen großgeworden und hatte viele Schicksalsschläge verkraften müssen. 1922 in Reintal bei Miesbach als fünftes Kind einer Bergmannfamilie geboren, verlor Rosa Bauer im Alter von nur elf Jahren ihren Vater, was die Familie in große Armut stürzte. Der Mutter stand damals mit fünf Kindern eine monatliche Rente von 31,90 Mark zur Verfügung.

Dass unter diesen Umständen eine besondere Berufsausbildung nicht möglich war, versteht sich von selbst: Nach dem Abschluss der Volksschule nahm Rosa Bauer eine Stellung als Haushaltshilfe an und heiratete 1946 ihren Mann Michael, der kurz zuvor aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. 1960 erhielt Bauer eine Anstellung in der Verwaltung des Miesbacher Krankenhauses, wo sie sich später zur Arzthelferin ausbilden ließ.

1967 zog das Paar nach Unterhaching und Rosa Bauer nahm eine Stelle als Arzthelferin bei Dr. Branko an, wo sie nebenher Ansprechpartnerin für die „tausend privaten Problemen der Kranken wurde“, wie Hofstetter in seiner Laudatio betonte.

Privat hatte Rosa Bauer nach dem Verlust ihres eigenen Kindes 1949 ein Pflegekind zu sich genommen und vier Jahre lang umsorgt. 1970 kam die Tochter dieses ersten Pflegekindes zu ihr, danach folgten weitere Pflegekinder.

Die vielleicht größte Tat in ihrem Leben war schließlich der selbstlose Einsatz für die kriegsverletzten Kinder des Jugoslawienkrieges, für den Rosa Bauer das Bundesverdienstkreuz erhielt. Dreieinhalb Jahre lang transportierte sie Hilfsgüter für ihre Hilfsorganisation „Kroatienhilfe“. Und sie baute ein Heim für taubstumme Kinder auf, für das sie mit der Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks damals eine Million D-Mark sammelte. „Unermüdlich war sie unterwegs, um Geld und Sachspenden zu erbitten“, erinnerte sich Hofstetter in seiner Laudatio von 1998. „Dass diese Hilfe ihre Schützlinge auch wirklich erreicht, kontrollierte sie persönlich, wobei sie nicht nur einmal in eine lebensbedrohliche Situation geriet.“ Doch die Hilfe für die Ärmsten und Schwächsten - und vor allem die Kinder war Rosa Bauer dieses Risiko immer wert.

(soh)

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