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Wollen sich nicht verlieren: (v.l.) die Schwestern Consortia (72), Ermenfrieda (79) und Eveli na (75) in der Kirche des Alten- und Pflegeheims St. Katharina Labouré.  

Pflegeheim St. Katharina Labouré

Altenheim-Neubau soll den Bund der Schwestern nicht zerreißen

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Schwester Evelinas Stimme wird leise, wenn sie über den geplanten Abriss und Neubau des Alten- und Pflegeheims St. Katharina Labouré (wir berichteten) spricht. Bis vor kurzem hat sie dort mit rund 30 weiteren Frauen des Ordens der Barmherzigen Schwestern gelebt. Fünf sind übrig. Der Rest ist wegen des Vorhabens weggezogen. Das belastet die Frauen.

Unterhaching – „Wir haben lange zusammengewohnt“, sagt Schwester Evelina (75). Immerhin gehe es den anderen in ihrem neuen Zuhause gut.

Der Tagesablauf der Frauen ist immer gleich. Um 6.30 Uhr versammeln sich Evelina, Ermenfrieda (79) und Consortia (72) mit Lioba und Gilla zum Morgengebet in der Kirche. Nach der Messe im Anschluss frühstücken die Schwestern gegen 7.30 Uhr. Dann gehen sie ihren Aufgaben in St. Katharina Labouré nach, bis sie den Tag mit einer Messe und dem Abendessen beenden. Seit Anfang des Jahres ist es ruhiger geworden in dem Altenheim, denn es soll neu gebaut werden. Dafür sind 18 Schwestern in andere Heime des Ordens umgezogen. Für Schwester Evelina ist es schwer, darüber zu reden. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin und Generalvikarin der Barmherzigen Schwestern vermisst die anderen.

Das rund 20 Millionen Euro teure Projekt ist nötig, weil der lang gezogene Haupttrakt des Heims nicht mehr zeitgemäß und brandschutzrechtlich fragwürdig ist. Der Umbau soll die Zahl der Pflegeplätze auf 96 erhöhen. In dieser Phase sollen die meisten der derzeit 75 Bewohner im Heim bleiben dürfen. Alle Schwestern aber sollten ausziehen – so der ursprüngliche Plan, sagt Heimleiter Christoph Kugler. Das hat er verhindert. „Es ist wichtig, dass sie da sind“, sagt er. „Die Schwestern schaffen eine besondere Atmosphäre.“

Jede, die wollte, durfte bleiben. Evelina, Consortia, Ermenfrieda, Lioba und Gilla wollten. Sie sind fit genug, die Bewohner zu besuchen, die Wäsche zu sortieren und sich um die Pfleger zu kümmern. Ihre 18 Mit-Schwestern, jede zwischen 71 und 99 Jahren alt, zogen aus Altersgründen weg. Nach Krailling im Landkreis Starnberg, Siegsdorf im Chiemgau und ins Pflegeheim St. Michael im Münchner Stadtteil Berg am Laim.

Das Alten- und Pflegeheim St. Katharina Labouré ist entstanden, nachdem der Ordensverband der Barmherzigen Schwestern das Areal an der Biberger Straße 8 im Jahr 1924 gekauft hat. 1967 weihte Julius Kardinal Döpfner das Haus als reinen Altersruhesitz für Schwestern ein. Danach verbrachten dort fast 30 Jahre lang nur Ordensschwestern ihren Lebensabend. Erst seit 1996 kümmern sich Pfleger auch um Senioren aus dem Ort und Umgebung. In diesem Jahr ist Schwester Ermenfrieda nach Unterhaching gekommen. Damals änderte sich viel. Von 1994 bis 1998 wurde St. Katharina Labouré renoviert.

Im Jahr 2000 zogen die Schwestern Evelina und Consortia ein. Schon als sie 13 Jahre alt war, habe sie in sich eine Berufung bemerkt, sagt Schwester Consortia. Sie spürte, dass sie kranken und alten Menschen helfen wollte. Fünf Jahre später trat sie in den Orden ein. „Einen Mann wollte ich nie“, sagt sie. „Kinder schon.“ Diesen Wunsch hat sie sich nie erfüllt. Stattdessen hat sie ihr Leben den Hilfsbedürftigen gewidmet. Zu ihren Aufgaben als Schwester gehört es, alte Menschen zu begleiten – bis in den Tod. Schwester Consortia spürt, wenn es einem Menschen schlecht geht, sagt sie. Auch wenn derjenige nicht bei ihr sei. „Wenn man sich lange kennt, entsteht eine besondere Verbindung.“ Deshalb wollen die Schwestern in Unterhaching in Kontakt bleiben mit den anderen 18 in Krailling, Siegsdorf und München. Sie besuchen sich gegenseitig und telefonieren auch. 

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