Vorfahrt für Radfahrer wie die 18-jährige Carmen aus Unterhaching auf dem Weg zur Fridays-for-Future-Demo: Die Gemeinde optimiert ihr Förderprogramm. 
+
Vorfahrt für Radfahrer wie die 18-jährige Carmen aus Unterhaching auf dem Weg zur Fridays-for-Future-Demo: Die Gemeinde optimiert ihr Förderprogramm. 

Geplante Finanzspritze für Radfahrer

Angst vor Schwindlern: Unterhaching bessert Radl-Zuschuss nach

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
    schließen

Bis zu 1000 Euro Zuschuss für jeden Unterhachinger, der ein Fahrrad kauft. So hat es sich die Gemeinde vorgestellt, doch so einfach ist es nicht. 

Unterhaching – Als die Nachricht durchsickerte, Unterhaching wolle über ein in dieser Form bundesweit einzigartiges Förderprogramm jährlich mit 100 000 Euro den Kauf von Fahrrädern subventionieren, egal ob neu oder gebraucht, standen im Rathaus die Telefone nicht mehr still. Viele Bürger wollten wissen: Wann geht’s los, wie kommt man ans Geld? Ganz so schnell läuft es nun nicht: Nach diversen Einwänden aller politischen Fraktionen verordnete der Gemeinderat eine Denkpause – die Verwaltung muss ihr „Programm zur Förderung des Radverkehrs im Sinne einer nachhaltigen Mobilität“ grundlegend überarbeiten.

„Die Leute haben Fahrräder, benutzen sie aber nicht“

Ein großer Kritikpunkt war die örtliche Fahrrad-Infrastruktur. „Wir brauchen mehr echte Radwege“, forderte Claudia Köhler (Grüne). Und, so Franz Felzmann (CSU), mehr Stellplätze an den Bahnhöfen: „Das derzeitige Chaos müssen wir vermeiden.“ Als Musterbeispiel nannte er die Stadt Offenburg, die ein „Rad-Haus“ mit dauerhaft mietbaren und diebstahlsicheren Boxen gebaut habe. „Wir müssen erst die Infrastruktur optimieren, bevor wir Fahrradkäufe fördern“, fand auch Florian Riegel (FDP). Ihm stimmte Hans Potschacher (Grüne) zu: „Die Leute haben Fahrräder, benutzen sie aber nicht.“ Harald Nottmeyer (SPD) indes sähe gern eine andere Reihenfolge: „Erst die Räder, dann die Radwege.“

Fahren die Bürger trotzdem mit dem Auto?

Zweiter Knackpunkt: der Mitnahme-Effekt. Dass Leute die Fördermittel also ins teure E-Mountainbike fürs Wochenende investieren, in Unterhaching aber weiterhin ihr Auto benutzen. „Jedes Förderprogramm trägt dieses Risiko“, sagte Stefan Lauszat von der Bauverwaltung. „Aber wenn wir das Mobilitätsverhalten ändern wollen, müssen wir das anstoßen.“ Das sah auch Peter Wöstenbrink (SPD) so: „Es ist ein mutiger Ansatz, um die Energiewende zu fördern.“ Und bei einem 100-Millionen-Euro-Haushalt könne Unterhaching 100 000 Euro schon verkraften.

Aus der Gemeinde: Kein Klimanotstand in Unterhaching - Hetze-Vorwurf gegen die Grünen

Angst vor Schwindlern

Der Missbrauchs-Gedanke kam aber auch in anderer Hinsicht auf. Beispielsweise könnte der eine Spezl dem anderen eine Quittung über einen angeblichen Verkauf eines gebrauchten Radls ausstellen – und beide würden sich die Förderung teilen. Wer kontrolliert das? Aus der Debatte nahm Lauszat die Anregung auf, ein Monitoring zu installieren, sowohl um die reguläre Nutzung zu kontrollieren als auch um Rückschlüsse aufs Radfahr-Verhalten zu gewinnen. Riegel regte an, das Geld alternativ lieber in MVV-Jahrestickets zu stecken und diese für einen Euro pro Tag zur Verfügung zu stellen.

„Wir als Verwaltung haben mit etwas Widerstand gerechnet, aber nicht mit so viel“, sagte Stefan Lauszat von der Bauverwaltung. „Aber die Anregungen sind sehr hilfreich.“ Das Förderkonzept soll nun überarbeitet und neu präsentiert werden. 

Aus der Gemeinde: Grundsteinlegung für neues Kinderhaus plus in Unterhaching

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwischen Zug und Bahnsteigkante eingeklemmt
Verletzungen am Bein und einen Nasenbeinbruch hat ein Mann aus Taufkirchen erlitten, als er am S-Bahnhaltepunkt Westkreuz beim Einsteigen in den Spalt zwischen S-Bahn …
Zwischen Zug und Bahnsteigkante eingeklemmt
Schock am Morgen: Mitarbeiterin entdeckt Feuer im Supermarkt - Brand vernichtet alle Lebensmittel
Einen erheblichen Schaden hat eine brennende Kühltruhe im Rewe-Markt in Ismaning verursacht. Alle Lebensmittel wurden vernichtet.
Schock am Morgen: Mitarbeiterin entdeckt Feuer im Supermarkt - Brand vernichtet alle Lebensmittel
Ohne Führerschein: Geparkte Autos demoliert
Ein 18-Jähriger hat am Sonntagmorgen in der Ludwig-Thoma-Straße in Grünwald mehrere Autos demoliert.
Ohne Führerschein: Geparkte Autos demoliert
Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt
Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt

Kommentare