Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

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Es war kein bewusster Diebstahl, sondern ein Missgeschick, sagt Waltraud Enzinger. Fast jeden Tag ist sie mit ihrem Rollator zum Einkaufen in den Edeka gegangen. 

Anzeige wegen Ladendiebstahls

Stammkundin (83) vergisst zu zahlen - Supermarkt erteilt Hausverbot

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Unterhaching - Waltraud Enzinger (83), Seniorin aus Unterhaching, hat in ihrem Stammsupermarkt vergessen zu zahlen - und nun Hausverbot erteilt bekommen. Sie ist fassungslos. 

Waltraud Enzinger (83) ist immer noch ratlos. „Ich hab gar nicht dran gedacht, dass ich noch nicht gezahlt habe. Ich weiß nicht, was in meinem Kopf los war.“ Jetzt hat sie eine Anzeige wegen Ladendiebstahls am Hals und Hausverbot im Edeka Simmel in Unterhaching. Dort war sie Stammkundin.

Mit Waren im Wert von rund 30 Euro in ihrer Einkaufstasche ist Waltraud Enzinger von einem Ladendetektiv nach den Kassen aufgehalten worden. Total perplex sei sie gewesen, sagt die alte Dame über diesen Moment. „Irgendwann kapiert man: Das war schon ich.“ Aber Diebstahl, mit Vorsatz – niemals. „Ich bin immer noch nicht ganz bei mir“, sagt sie noch Wochen nach dem für sie so peinlichen Vorfall. „Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man sein ganzes Leben lang unbescholten war – und auf einmal macht man so was...“

Die Ware habe sie natürlich nachträglich bezahlt, eine Strafe würde sie jederzeit akzeptieren – aber Hausverbot? „Jetzt darf ich nicht mehr rein, hat er g’sagt“, erzählt sei. Dabei ist der Markt der nächste für sie erreichbare. Als 83-Jährige mit Rollator nimmt Waltraud Enzinger, seit Herbst Witwe, gerne den nächsten Weg von ihrer Drei-Zimmer-Wohnung: Schräg gegenüber, die Straße hoch.

Ihr Sohn Roman (51) hat versucht, die Geschäftsleitung des Simmelmarktes davon zu überzeugen, dass seine Mutter nicht absichtlich gehandelt hat. „Völlig in anderen Gedanken abwesend“, sei ihr „ein für sie sehr peinliches Missgeschick unterlaufen“. Strafe und Anzeige, alles akzeptiert – aber das Hausverbot solle die Marktleitung doch bitte noch einmal überdenken und „gegebenenfalls aufheben“, schrieb Roman Enzinger.

Die Antwort kam prompt und unmissverständlich: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir nicht differenzieren können, aus welchen Umständen ihre Mutter den Markt verlassen hat, ohne die Ware zu bezahlen.“ Und deshalb gelte auch in diesem Fall die Regelung wie am Markteingang ausgehängt:

-Es wird eine Aufwandsentschädigung von 75 Euro fällig.

-Es wird ein Hausverbot erteilt.

-Es wird ein Strafantrag gestellt.

-Jeder Kunde erklärt mit dem Betreten der Einkaufsmärkte sein Einverständnis mit diesen Regelungen.

Laut Schilderung des Detektivs und laut den Videoaufnahmen habe die Kundin den Markt verlassen, ohne durch die Kassenzone zu gehen. An der Backstube habe sie ein Brot gekauft, dazu den Geldbeutel aus der Tasche geholt, in dem sich die andere Ware befunden habe. Danach habe sie Richtung Kasse geschaut, gewartet und den Markt verlassen. Ansonsten verweist die Revisionsabteilung von Simmel „auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft und des Gerichts, wie sie den Fall Ihrer Mutter weiter behandeln“.

Den Fall einer 83-Jährigen, vielleicht nicht mehr immer ganz konzentrierten alten Dame, die mit dem Rollator in ihren Stammladen trippelt. Künftig nicht mehr. „Jetzt mag ich auch nicht mehr hin“, sagt Waltraud Enzinger.

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