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Schafe eines Schäfers aus Siegertsbrunn grasen zwischen den Solarmodulen.

Solarpark an der A8

Strom mit „Dahoam-Garantie“

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Die ehrenamtliche Bürger-Energie Unterhaching verdoppelt ihren Solarpark an der A8 und kann jetzt 566 Haushalte mit lokalem Strom versorgen. 

Unterhaching – Natürlich, dahinter steckt jede Menge Idealismus. Strom mit „Dahoam-Garantie“ statt von irgendwoher. Doch die Visionäre der 2012 gegründeten Genossenschaft Bürger-Energie Unterhaching (BEU) sind keine einsamen Tüftler, die sich eine Photovoltaikanlage aufs Dach schrauben und damit den Strom für Waschmaschine oder Fernseher gewinnen. Nein, nach diversen größeren Einzelprojekten in und um Unterhaching hat die BEU jetzt ihren zweiten Solarpark in Betrieb genommen. Die beiden Anlagen an der A 8 liefern zusammen jährlich umweltfreundlichen Strom für 566 Haushalte. Eine beachtliche Dimension, wenn man bedenkt, dass die BEU ehrenamtlich organisiert ist.

„Die BEU hat unglaublich viel Fachwissen und Engagement gebündelt. Das sind Leute am Werk, die ihr Fach verstehen“, lobte Vize-Landrat Christoph Nadler (Grüne) bei der Inbetriebnahme des zweiten Solarparks. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) sah das ähnlich: „Ich bin sehr stolz auf die BEU, denn sie zeigt uns eindrucksvoll, wie die Energiewende au lokaler Ebene gelingen kann.“

Wettbewerbsumfeld wird immer schwieriger

Bei aller Freude über den erfolgreichen Mix aus fachlichem Knowhow und idealistischem Einsatz gab es bei der Inbetriebnahme aber auch kritisch-nachdenkliche Töne. „Das Wettbewerbsumfeld wird immer schwieriger“, sagte der BEU-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Geisinger. Bayernweit gebe es rund 100 Genossenschaften wie in Unterhaching, von denen aber nur noch etwa ein Viertel aktiv sei. Als Grund nannte Geisinger bürokratische und politische Hürden – auch Unterhaching bekam die zu spüren: Nach dem ersten Solarpark, der seit Mai 2018 Strom liefert, schrieb das Erneuerbare-Energien-Gesetz einen zeitlichen Abstand von zwei Jahren zur Inbetriebnahme der zweiten Anlage vor. Die Logik dahinter? Geisinger formulierte es „als Botschaft“ an die Politik so: „Wir haben bisher auf alle Fragen eine Antwort gefunden. Zum Glück verbietet uns niemand, intelligenter zu denken als die Entscheidungsträger in Berlin.“ In diesem Sinne plädierte auch Nadler für „deutlich mehr Unterstützung durch Bund und Land bei der Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen“.

Luftaufnahme vom Solarpark an der A8: Links die 2018 eröffnete und rechts die neue Anlage; dazwischen – der helle Container – die Reinjektionsstelle der Geothermie. 

Große Freiflächen-Photovoltaikanlagen als Ziel

Um konkurrenzfähig zu bleiben, müsse die BEU laut Geisinger neben kleinen und mittleren Anlagen sich auch große Freiflächen-Photovoltaikanlagen als Ziel setzen. Als Größenordnung nannte er das Zwanzigfache der beiden Unterhachinger Solarparks zusammen. „Wir wollen groß werden, in dieser Liga mitspielen“, sagt Geisinger. Um zu wachsen, bietet die BEU neuerdings Pachtmodelle für Firmen an und lokalen Energiebezug über Bavariastrom.

Ob all das noch mit einer ehrenamtlichen Mannschaft zu leisten ist? „Wir können sehr viel Idealismus auch fachlich ausdrücken – das unterscheidet uns von vielen anderen Genossenschaften“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schulze-Neuhoff. „Trotzdem sind wir keine Träumer, so wie jetzt geht es nicht ewig weiter.“ Ziel sei es deshalb, „sich ökonomisch nachhaltig so aufzustellen, dass wir die ehrenamtlichen sukzessive um bezahlte Kräfte ergänzen können“.

Schafe grasen zwischen den Solarmodulen

Die Grasflächen zwischen den Solarmodulen werden übrigens von Schafen beweidet, zuständig ist ein Schäfer aus Siegertsbrunn. Wolfgang Geisinger erzählt eine Anekdote von 2018: „Damals tauchte plötzlich ein Schaf an der Autobahn auf – unser Zaun war nicht gut genug.“ Daraus haben sie bei der BEU gelernt, die Schafe können nun nicht mehr ausbüchsen, sondern grasen verkehrssicher in den beiden Solarparks. Sehr zur Freude übrigens der Spaziergänger, die sogar „tierische Liebesbotschaften“ an den Zaun heften, wie Geisinger schmunzelnd berichtet.

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