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Vor allem Verkehrsthemen beschäftigten die Unterhachinger bei der Bürgerversammlung. 

Bürgerversammlung 

Verkehrter Verkehr in Unterhaching

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Lärmschutz, eine „Campingstraße“ im Ort, Traktoren in Fahrradstraßen, zugeparkte Gehwege: Ausschließlich um diverse Verkehrsthemen drehten sich die Fragen der Unterhachinger bei der Bürgerversammlung.

Unterhaching– Auf dem Weg ins Kubiz kam niemand an Catia Hilgart vorbei, auf dem Vorplatz hatte die 52-Jährige zwei Tische aufgebaut und für ihre Lärmschutz-Initiative weitere Unterschriften gesammelt. „Über 600 sind es schon“, berichtete sie später am Saalmikrofon. „Diese Resonanz motiviert mich, nicht locker zu lassen und weiterzumachen.“ Der Flüsterbelag auf der A 995, zuvor von Landrat Christoph Göbel (CSU) gepriesen, sei „minderwertig und abgenutzt“, er entfalte keinerlei Wirkung. Hilgart sah „die Gemeinde in der Pflicht, eine Lärmschutzwand zu bauen“. Ihr Appell an Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD): Er soll zügig einen „runden Tisch“ mit allen Entscheidungsträgern von Landratsamt, Innenministerium und Autobahndirektion organisieren.

Ums gleiche Thema ging es Andreas Ammersbach, der allerdings einen hörbar schärferen Ton anschlug und den Bürgermeister direkt attackierte. Die „Aktion 80/80“ der Gemeinden Unterhaching und Taufkirchen für ein Rund-um-die-Uhr-Tempolimit auf A 8 und A 995 sei „ein völlig sinnloses Ziel“, wetterte Ammersbach: „Da müssten Sie alle 50 Meter einen Blitzer aufstellen, sonst bringt das gar nichts.“ Ein Motorrad-Raser allein genüge, „und ich stehe nachts im Bett“. Der gescholtene Rathauschef Panzer entgegnete, es gehe immerhin um Steuergelder, die man einsetze: „Wenn ich mit Verkehrsschildern für 2000 Euro fast das Gleiche erreichen kann wie mit einer Lärmschutzwand für 15 Millionen Euro, ist das der bessere Weg.“ Mit der „Aktion 80/80“ wolle man politischen Druck auf die übergeordneten Behörden ausüben und die Lärmbelästigung mit Gutachten fundiert begründen. Ammersbach überzeugte das alles nicht: „So, wie Sie das handhaben, wird das die nächsten zehn Jahre nichts.“

„Campingstraße“ nervt Anwohner

Doch nicht nur der fließende, sondern auch der ruhende Verkehr ist für manchen Unterhachinger ein Ärgernis. Hartmut Joithe monierte, dass es in der Albert-Schweizer-Straße kaum mehr Parkplätze gebe: „Dort ist eine Campingstraße entstanden, in denen über Monate hinweg Wohnmobile und Wohnwagen geparkt werden.“ Panzer sagte, ihm seien die Hände gebunden, „denn jedes Fahrzeug, das für den öffentlichen Verkehr zugelassen ist, darf dort parken“. Wenn man mit Verbotsschildern für Campingmobile reagiere, würde dies einen Verdrängungswettbewerb in Gang setzen: „Dann stehen die Fahrzeuge nämlich mitten in den Wohngebieten.“ Für Anhänger – also auch Wohnwagen – gelte, anders als bei Wohnmobilen, zwar die 14-Tage-Regel, ergänzte Polizeichef Stefan Schraut. „Aber diese Regelung ist ein absolutes Pappschwert. Sie scheitert an praktischen Hürden, selbst wenn wir den Ventilstand protokollieren, werden die Anhänger halt um einen halben Meter verschoben – für die nächsten 14 Tage.“ Als etwaige Lösung kam spontan die Überlegung auf, in Unterhaching eine Art Campingparkplatz einzurichten, um eine zentrale Abstellfläche anzubieten und die regulären Parkplätze zu entlasten.

Fahrradstraße zweckentfremdet

Zweifel am Nutzen, dass die Oskar-von-Miller-Straße als Pilotprojekt zur Fahrradstraße gewidmet worden ist, hegte Peter Stocker. „Pro Stunden fahren da 70 bis 89 Autos hindurch, außerdem zehn bis 20 Lkw. Abends dann Traktoren oder Motorräder – die Kinder müssen mit ihren Fahrrädern immer wieder auf den Gehweg ausweichen.“ Damit der eigentliche Sinn ja wohl verfehlt? Bürgermeister Panzer erwiderte mit nüchternem Pragmatismus: „Es ist eine öffentliche Straße. Ich kann nicht verhindern, dass eine Straße als Straße genutzt wird.“ Die einzige Möglichkeit, motorisierten Verkehr zu vergrämen, bestehe darin, ein Tempolimit von zehn km/h anzuordnen.

Kein vorzeigbarer Radweg im Süden

Ebenfalls ums Radfahren ging es Josef Raufer. Leider war Landrat Göbel zu vorgerückter Stunde schon entschwunden, denn an den richtete der Unterhachinger seine Kritik: „Seit 40 Jahren warten wir auf einen gescheiten Radweg von Unterhaching über Taufkirchen nach Sauerlach. Dort gibt es keinen einzigen Radweg, der vorzeigbar wäre!“ Und, einmal am Mikrofon, wies Raufer noch auf ein anderes Problem hin: Vor der Kaffeerösterei „Supremo“ in der Kapellenstraße würden deren Kunden permanent den Gehweg zuparken und Fußgänger auf die Straße zwingen. „Die Kaffeerösterei ist eine Bereicherung für Unterhaching“, sagte Raufer, „aber sie befindet sich an der falschen Stelle.“

Fußweg bleibt weiterhin sumpfig

Für die Fußgänger setzte sich auch Franziska Kindmüller ein. Ob man den unglaublich sumpfigen Trampelpfad zwischen Flüchtlings-Unterkunft und Hachinger Bach, der Kapellenstraße und die Hachinger Haid miteinander verbindet, nicht komfortabler herrichten könne, wollte sie wissen. Ja, das würde man gern, sagte Panzer – ein eine Teilpassage liege auf einem Privatgrundstück, und eine Einigung lasse sich nicht erzielen: „Wir werden dieses Wegstücks nicht habhaft.“ Also bleibe es beim Sumpf.

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