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Konsequent in ihren Überzeugungen ist die ÖDP-Kandidatin Katharina Graunke.

Im Porträt: ÖDP-Bundestagskandidatin Katharina Graunke

Bei ihr geht „Mensch vor Profit“

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Vor der Bundestagswahl am 24. September porträtieren wir die Direktkandidaten.Diesmal: Katharina Graunke von der ÖDP – Akademikerin, politisch denkend und eine junge Frau. Die 35-Jährige ist eigentlich eine Traumkandidatin für politischen Nachwuchs. Allerdings kandidiert die Unterhachingerin für eine sehr kleine Partei.

Unterhaching Im Gespräch mit der promovierten Biologin ist schnell klar: Katharina Graunke geht es in ihrem Bundestagswahlkampf in erster Linie um Überzeugungsarbeit, nicht um ihre Politkarriere. „Sich immer nur beschweren und nichts machen, kann jeder.“ Sie will etwas bewirken. So kam es, dass die Unterhachingerin im November zur Bundestagsdirektkandidatin der ÖDP nominiert wurde. Ihr erster Schritt ins Rampenlicht.

Für ein Treffen schlägt die 35-Jährige das Wohlfühl-Café Calani in Unterhaching vor. Langer braunblonder Pferdeschwanz, locker geschnittene Kleidung, grüne Lederballerinas. Sie trinkt eine Apfelschorle. Auf den Plastikstrohhalm, der ungefragt serviert wurde, hätte sie lieber verzichtet. Katharina Graunke schafft schnell eine ungezwungene Gesprächsatmosphäre und spricht viele Themen an. „Mensch vor Profit“, diese kurze Gleichung aber ist ihre zentrale Botschaft.

Ihr Schwerpunkt ist die ökologische und nachhaltige Landwirtschaft. Im schwedischen Skara hat die gebürtige Münchnerin, die in Harlaching aufwuchs, ihre Doktorarbeit über die „Winteraußenhaltung bei Mutterkühen“ geschrieben. Anschließend forschte sie in Mecklenburg-Vorpommern als Projektleiterin im Leibniz-Institut in Dummerstorf über das Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere. Nach fast zehn Jahren in der Wissenschaft zog sie die Reißleine. „Ich habe mich gegen eine wissenschaftliche Karriere entschieden, weil es immer nur kleine Zeitverträge gibt.“

Spezialgebiet Landwirtschaft

Sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Zurück in Bayern zog sie mit ihrem Mann nach Unterhaching. Als Hundetrainerin ist sie beruflich im Großraum München unterwegs. „Ich wünsche mir, dass mehr Wissen in die Szene der Hundehalter kommt und weniger emotionalisiert wird“, sagt die Verhaltensbiologin. Mit Beiträgen auf ihrer Internetseite steuert sie Argumente bei.

Seit sechs Jahren ist sie Mitglied in der ÖDP. 2011 trat sie ein. „Ich war auf der Suche nach einer Partei, die wählbar ist.“ Im Kreisverband arbeitet sie als zweite Stellvertreterin des Vorsitzenden Bernd Knatz mit.

In ihrem Spezialgebiet, der Landwirtschaft, sieht sie viele Missstände, etwa bei der Massentierhaltung. „In vielen landwirtschaftlichen Betrieben wird das Futter importiert aus Südamerika. Umwelttechnisch ist das eine Katastrophe.“ Graunke will das Potenzial der Landwirtschaft zum Umweltschutz fördern. Auch Fleischexporte aus Deutschland nach Afrika lehnt sie ab: „Wir produzieren Unmengen Fleisch, für das wir uns dann zu fein sind, zum Beispiel Innereien, Backen, Füße. Die werden billig in afrikanische Länder exportiert, was dort den Markt kaputt macht. Kein Wunder also, dass die Menschen in Booten über das Mittelmeer zu uns kommen.“ Sie spricht mutig auch schwierige Themen an: „Wenn wir uns nicht um konsequent nachhaltige Landwirtschafts- und Umweltpolitik kümmern, wird es Ressourcenkriege geben“, sagt sie: „Es ist Zeit für echte Veränderungen.“

Katharina Graunke klingt konsequent. In ihrem Umfeld, versucht sie etwas zu ändern: „Jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel“, sagt sie. Sie erzählt, dass sie beim Einkaufen auf Produkte mit Plastikverpackungen verzichtet, wo immer es geht. Gern kauft sie auf dem Wochenmarkt ein. Neulich schrieb sie eine Beschwerde-Mail an ein Tee-Handelsunternehmen, weil die einzelnen Teebeutel neuerdings nicht mehr in Papier, sondern in plastikbeschichteten Tütchen verkauft werden. „Ich mochte den Tee sehr gern. Jetzt kaufe ich ihn nicht mehr.“

Chancen für Sitz im Bundestag gering

Beim Thema Verkehr fordert Graunke für den Landkreis mehr Tangentialverbindungen im S-Bahnnetz. Sie selbst legt „maximal 6000 Kilometer pro Jahr“ mit dem Auto zurück und nutzt fast immer die S-Bahn.

Eines ist ihr sehr wichtig: „Die ÖDP ist die einzige Partei, die keine Firmen- und Konzernspenden annimmt.“ Man sehe ja, wie die Politiker im Dieselskandal vor den Konzernen einknickten. „Ein Schauspiel ohne Worte. Da werden gesellschaftliche und gesundheitliche Schäden in Kauf genommen.“

Das große Rad dreht Katharina Graunke zwar nicht. Ihre Erfolgsaussichten für einen Sitz im Bundestag sind gering: „Irgendwo bei Null“, sagt sie und lächelt. Die Newcomerin hat auch keinen Platz auf der ÖDP-Landesliste. Trotzdem will sie im Bundestagswahlkampf „Präsenz zeigen“. Die Ökodemokraten im Landkreis sehen in der jungen Kandidatin ein politisches Talent mit Potenzial. Jetzt geht es darum, die Nachwuchspolitikerin bekannt zu machen, für die Landtags- und Bezirktagswahlen. „Es muss auch noch etwas anderes geben als CSU und SPD, die eigentlich dasselbe sind“, sagt sie selbstbewusst, „ich glaube, dass wir als Gesellschaft viel zu wenig Gegensätzliches gelten lassen.“

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