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Ein Osterdankeschön für die Helfer gab es von Erika Zöllinger. Zwei Mal die Woche beliefern die zwei Studenten, Korbinian Rausch (l.) und Sebastian Geigenberger die Unterhachingerin und ihren Mann mit Lebensmittel.

großes Engagement

Unterwegs mit den Einkaufshelfern

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Zwei Unterhachinger Studenten sind neun Stunden in der Woche auf Tour, um Risikopatienten zu versorgen. 

Unterhaching – Mit Einweghandschuhen hält Korbinian Rausch (27) die Stange des Einkaufswagens fest, in dem sich leere Taschen und Klappkörbe stapeln. Vor ihm wartet ein halbes Dutzend Männer und Frauen auf den Einlass in den Supermarkt, hinter ihm erstreckt sich die Schlange noch weitere 30 Meter, bis auf den Parkplatz des Unterhachinger Lebensmittelhändlers. „Am Wochenende ist es noch schlimmer“, sagt Sebastian Geigenberger (20). „Deshalb kaufen wir meistens unter der Woche ein.“

Die beiden Studenten und JU-Unterhaching-Mitglieder organisieren seit drei Wochen einen Einkaufsservice für ältere und vorerkrankte Menschen, für diese Gruppe ist eine Infektion mit dem Coronavirus besonders gefährlich. „Wir haben gesagt, dass wir irgendwas Sinnvolles machen müssen“, sagt Rausch, während er auf die Einkaufsliste in seiner Hand schaut. „Meine Oma ist auch Risikopatientin“, sagt der 27-Jährige. Ihm war sofort klar, dass er das Einkaufen für sie in der nächsten Zeit übernimmt. „So hat sich der Einkaufsservice ergeben.“ Mittlerweile besteht die Helfertruppe aus zehn bis zwölf Ehrenamtlichen. „Wir sind bunt gemischt“, sagt Geigenberger und nimmt mehrere Flaschen Milch aus dem Kühlregal. „Es sind vor allem Studenten, aber auch Schüler und Berufstätige dabei.“

Per Whatsapp bestellt Korbinian Rausch die Fleisch- und Wurstwaren am Vortag bei der Metzgerei Bauch.

Unterhachinger Metzger stellt sein Auto zur Verfügung

Das Prinzip ist einfach: Die Hilfsbedürftigen geben ihre Bestellung per E-Mail oder Telefon an die Ehrenamtlichen weiter. „Wir kaufen nicht nur Lebensmittel ein“, erklärt Geigenberger. Zu den Leistungen gehören auch Erledigungen in der Drogerie oder Apotheke. „Neben den Supermärkten kaufen wir auch beim Metzger Bauch ein“, sagt Rausch. Schon am Vortag bestellt der 27-Jährige per Whatsapp die gewünschte Wurst- und Fleischware. „Wir müssen die Päckchen nur noch abholen“, sagt Rausch durch seinen Mundschutz, den er während des Einkaufs und der Auslieferung trägt. Die Metzgerei hat den Ehrenamtlichen auch einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt. „Die waren total begeistert von der Idee“, sagt Geigenberger.

Mit bepackten Taschen gehen die zwei Studenten zum zehn Meter entfernten Obst- und Gemüsestand. Ein schneller prüfender Blick auf das Handy mit der Bestellungs-Email. „Fünf Tomaten bitte“, sagt Rausch zu Inhaber Manfred Haas. Der örtliche Metzger und Gemüseladen, sowie ein großer Edekamarkt im Industriegebiet gehören zum Standardprogramm, andere Supermärkte sind aber auch kein Problem für das Team. „Mir ist es Jacke wie Hose wo wir einkaufen“, sagt Rausch. „Hauptsache wir müssen nicht in fünf verschiedene Läden.“ Den ein oder anderen Extrawunsch erledigen die zwei Studenten aber gerne. „Eine Dame möchte nur das Katzenstreu vom Rossmann“, sagt Rausch mit einem Schmunzeln. „Man merkt die Dankbarkeit aber total, da fährt man auch gerne in einen weiteren Laden, um einen Wunsch zu erfüllen“, sagt Geigenberger.

Am Gemüsestand von Manfred Haas (r.): Neun Stunden den pro Woche ist das Einkaufs-Team unterwegs.

Neun Stunden pro Woche sind die Ehrenamtlichen unterwegs, nehmen Bestellungen auf, kaufen ein und liefern die Lebensmittel aus. „40 Einkäufe habe ich schon erledigt“, sagt Rausch. „Aber es lohnt sich immer, wenn sich dadurch ein Mensch nicht ansteckt.“

Das Coronavirus versetzt den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Mittlerweile sind mehrere Menschen gestorben, viele sind infiziert.Alle Infos hier im Ticker.

Helfer gehen in Vorkasse

300 Euro hat der heutige Einkauf für fünf Haushalte gekostet. Das Team geht immer in Vorkasse. Auch, um den Senioren eine gewisse Sicherheit zu geben und die Angst vor Betrügern zu nehmen. „Das klappt bis jetzt immer sehr gut“, sagt Geigenberger. „Die meisten bezahlen bar, man kann das Geld aber auch an uns überweisen.“ An die 25 Unterhachinger beliefern die Ehrenamtlichen bis zu zwei Mal die Woche. „Meistens liegt schon ein Umschlag mit dem Betrag vor der Türe, wir stellen dann die Einkäufe daneben“, erklärt Rausch. Es kommt auch vor, dass die Hilfebedürftigen etwas Taschengeld geben. „Damit bezahlen wir dann das Benzin“, erklärt der 27-Jährige, während er mit dem Auto zur ersten Auslieferung fährt.

Erika Zöllinger (78) wartet schon hinter der Haustür auf ihren Einkauf. „Ich kann den Service nur loben“, sagt sie. Über die Zeitung ist sie auf die Einkaufshilfe aufmerksam geworden. „Die beiden sind sehr flexibel und fahren für meine Bestellung auch manchmal in drei Läden.“ Zu Ostern gibt es noch zwei kleine Schokohäschen von den fleißigen Helfern für die 78-Jährige und ihren Mann, die Zöllinger dankend und mit feuchten Augen annimmt.

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