Neue Verbindung: Julia Mittermeier (l.) und Johanna Wießner bilden die Fraktion der Freien Wähler. 
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Neue Verbindung: Julia Mittermeier (l.) und Johanna Wießner bilden die Fraktion der Freien Wähler. 

Fraktion verliert beide Gemeinderätinnen

Der Unterhachinger CSU laufen die Frauen davon

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Gleich zwei Frauen verlassen die CSU-Fraktion in Unterhachings Gemeinderat. Und es ist nicht der erste Weggang. Hinter den Kulissen rumort es offenkundig.

Unterhaching– Den offiziellen Teil hielt Julia Mittermeier ziemlich kurz. „Manchmal ist es besser, wenn Wege sich trennen“, sagte die 41-Jährige am Ende der Unterhachinger Gemeinderatssitzung und verkündete einen Doppel-Abschied: „Ich bin aus der CSU ausgetreten und verlasse ab sofort auch die Fraktion.“Sie tut sich fortan mit Johanna Wießner (Freie Wähler) zusammen.

Die abschließende Bemerkung von Julia Mittermeier ließ allerdings erahnen, wie sehr es hinter den Kulissen rumort: „Das war keine spontane Kurzschlussreaktion. Ich kann mich mit der CSU Unterhaching nicht mehr identifizieren.“

Die CSU bröckelt. Anders als bei Ex-Bürgermeisterkandidat Florian Riegel, der 2018 auf Bundes- und Landesebene eine für ihn unerträgliche „Politik der Scharfmacherei“ ausgemacht hatte und zur FDP gewechselt war, liegen bei Julia Mittermeier die Gründe für den Parteiaustritt im CSU-Ortsverband. Ein „schleichender Prozess“ habe zu diesem Schritt geführt, in Unterhaching sei es „nicht mehr die CSU, in die ich vor vielen Jahren eingetreten bin“.

Mittermeier eckte öfter an in der Fraktion

Was ist passiert? Geschmerzt hat vor allem die öffentliche Debatte um nicht vergebene Kindergartenplätze, als Julia Mittermeier 2018 als Sprachrohr für verzweifelte Eltern fungierte und damit immer wieder bei Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) aneckte. „Von meinen eigenen Leuten habe ich keinen Rückhalt bekommen. Das war schon eine sehr herbe Enttäuschung“, verrät Julia Mittermeier im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Als das Gerücht aufkam, sie wolle als potenzielle Bürgermeisterkandidatin Stimmung gegen Panzer machen, trat Julia Mittermeier im November auf die Bremse und verkündete per Facebook: „Ich werde NICHT Bürgermeisterkandidatin der CSU Unterhaching.“ Sie wolle aber bei sozialen Themen „weiterhin für die Sache kämpfen“.

Dies klappte intern anscheinend nicht reibungslos. „Mehrmals ist mein Abstimmungsverhalten gerügt worden, und zweimal hat man mir nahegelegt, die Partei zu wechseln“, berichtet die 41-Jährige. „Da fängt man an zu überlegen: Passe ich vielleicht nicht mehr zur CSU?“

Der Abstieg auf Listenplatz 19 war zu viel

Spätestens im Juli, bei der Aufstellung der Gemeinderatsliste für die Kommunalwahl 2020, deutete sich das Ende der politischen Liaison an. Weit nach hinten, auf den unattraktiven Listenplatz 19, sollte Julia Mittermeier abgeschoben werden. „Das sprach für sich“, sagt sie. „Ich habe es abgelehnt.“

Einen Versuch, Julia Mittermeier zum Bleiben zu bewegen, gab es übrigens nicht. „Wir bedauern das. Aber Reisende soll man nicht aufhalten“, lautet der knappe Kommentar des CSU-Fraktionsvorsitzenden Richard Raiser.

Für Julia Mittermeier ist das Kapitel CSU damit erledigt, nachkarten will sie nicht: „Ich bin nicht auf Krawall gebürstet.“ Mit Johanna Wießner von den Freien Wählern, die bislang als Einzelkämpferin der CSU-Fraktion angehörte, bildet sie nun eine neue Fraktion im Gemeinderat. „Schön, dass das Leben als Single vorbei ist und ich Julia Mittermeier für die Freien Wähler gewinnen konnte“, sagt Johanna Wießner. Als Frauenpower-Duo wollen die beiden Kommunalpolitik mitgestalten. Mindestens bis März 2020, vielleicht auch darüber hinaus: Am 10. Oktober zurren die Freien Wähler ihre Gemeinderatsliste fest. Für Julia Mittermeier sollte mehr als Listenplatz 19 möglich sein.

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