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Wenn im Spätsommer das neue Kindergartenjahr startet, bekommen nicht alle Kinder einen Platz, befürchten einige Eltern. Die Gemeinde Unterhaching glaubt, den Engpass bis nach den Sommerferien beseitigen zu können.

Kindergartenplätze

"Die Situation ist skandalös"

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Unterhaching - In Unterhaching sind jetzt etwa 80 Absagen für Kindergartenplätze verschickt worden, und einige Familien sind in großer Sorge.

Die positive Nachricht vorneweg: Die Gemeinde Unterhaching glaubt, den Engpass bis zum Start des neuen Kindergartenjahrs nach den Sommerferien beseitigen zu können. „Wir sind guter Dinge, dies – wie in den Jahren zuvor auch – zu schaffen“, sagt Rathaus-Sprecher Simon Hötzl. Nichtsdestotrotz ist der Unmut groß. „Im Namen vieler Unterhachinger Eltern“, schreibt eine Mutter per E-Mail an den Münchner Merkur, wende sie sich in ihrer Verzweiflung jetzt an die Presse. Denn man müsse „diesen Missstand öffentlich machen“ und „Transparenz in die Planung der Gemeindeverwaltung“ bringen. Im konkreten Fall geht es darum, dass die Beamtin im Oktober, wenn ihr Sohn drei Jahre alt wird, wieder ihren Dienst antreten soll. „Wie das ohne Kindergartenplatz gehen soll, weiß ich nicht“, klagt sie. Im Bekanntenkreis hätten alle Eltern mit gleichaltrigen Kindern ebenfalls eine Absage erhalten. Ihrer Einschätzung nach sei „die Situation in den Unterhachinger Kindergärten seit vielen Jahren skandalös“. Die Mutter moniert eine „Praxis der jahrelangen Fehlplanung und absoluten Unwillen der Gemeindeverwaltung“. Sie rätselt, auf welcher Grundlage die Gemeinde überhaupt plane, da ihr doch die Geburtenzahlen vorlägen.

Personalmangel ist Grund für Engpass

Im Rathaus, wo Eltern ihrem Ärger bisweilen persönlich Luft machen, äußert Sprecher Simon Hötzl „Verständnis für die Emotionen“ – und versucht zu beschwichtigen: „Es handelt sich nur um eine Momentaufnahme.“ Das Problem: Bei freien und nichtkirchlichen Kindergärten können aktuell etwa 30 Plätze wegen Personalmangels nicht belegt werden. Sollten die Personalprobleme behoben werden, könnten schon mal alle Kinder, die bis zum 30. September drei Jahre alt werden, ihren Kindergartenplatz erhalten. Das allein allerdings genügt nicht, denn gemäß § 24 Sozialgesetzbuch VIII haben Kinder mit dem dritten Geburtstag automatisch einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz – in Unterhaching sind das für die Zeit ab dem 1. Oktober weitere rund 50 Kinder. Hat sich die Gemeinde also verkalkuliert? Nein, entgegnet Hauptamtsleiter Thomas Portenlänger: „Wir planen sehr nah am tatsächlichen Bedarf. Natürlich wäre es uns lieber, wir hätten Kindergartenplätze im Überfluss – aber im Hinblick auf die Bedarfsanerkennung und staatliche Zuschüsse ist das nicht möglich.“

Gemeinde verspricht Übersicht bis 8. Juni

Immerhin geht die Gemeinde davon aus, „dass wir jedes Kind unterbringen“, sagt Portenlänger. Das funktioniere aber erst, wenn die nichtkommunalen Kindergärten genug Personal gefunden hätten. „Diese Plätze sind in unsere Bedarfsplanung mit eingerechnet, können aber erst verteilt werden, wenn die Personalprobleme behoben sind.“ Hötzl ergänzt, dass die Gemeinde „alle Hebel in Bewegung setzt, um den Trägern bei der Personalgewinnung zu helfen“. Zudem versuche man, zusätzliche Kapazitäten in den kommunalen Kindergärten zu schaffen. In der öffentlichen Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses am 8. Juni will die Gemeinde über den Status quo berichten. „Wir werden das hinbekommen“, äußert sich Hötzl zuversichtlich. Bis dahin wirbt er bei allen Familien am Ort, die eine Absage erhalten haben, um Geduld und Vertrauen. „Leider ist es bei uns genauso wie in vielen anderen Kommunen“, bedauert der Rathaussprecher, der selbst Vater von Zwillingen ist. „Die Eltern haben vor allem eins: große Ungewissheit.“

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