Stinkendes Problem  

Ekel-Alarm: Hundehaufen im Park

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Unterhaching hat ein Problem. Mit Hunden. Und mit deren Haltern. Ganz genau gesagt geht es um ein ekliges Thema: die Hundehaufen.

Unterhaching Als das allgemeine Händeheben als Signal der Zustimmung vorüber war und die bis dahin relativ einmütige Unterhachinger Gemeinderatssitzung sich einem beschaulichen Ende zuzuneigen schien, weckte plötzlich die finale Anfrage von Julia Mittermeier (CSU) allerlei Emotionen. Und löste eine lebhafte Debatte darüber aus: Wie soll man umgehen mit notorisch-sturen Umweltverdreckern?

„Unsere Parks und Grünanlagen“, sagte Julia Mittermeier, „können von Erholungssuchenden oder Kindergartengruppen nicht mehr benutzt werden. Weil überall Hundekot im Gras liegt.“ Die Ekel-Pakete, sie lauern überall dort, wo Hundehalter sich unbeobachtet glauben. Und ihre Vierbeiner ein natürliches Geschäft verrichten lassen, leider ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit. Dass dieses unappetitliche Verunreinigen der Grünanlagen eigentlich streng verboten ist, darauf weisen in Unterhaching diverse Schilder hin.

Allerdings, und darauf wies Julia Mittermeier hin: Sie sind reichlich veraltet. So wird im Ortspark ein Bußgeld angedroht. Die Höhe? 1000. Aber nicht Euro, sondern D-Mark. Die ist seit fünfzehneinhalb Jahren nicht mehr die übliche Währung. „Solch veraltete Schilder“, sagt Mittermeier, „nimmt doch keiner ernst.“ Okay, dieses Problem wird sich rasch lösen lassen. „Neue Schilder sind beauftragt. Wir stellen sie noch heuer auf“, versichert Christian Franke vom Bauamt.

Neue Schilder, kein Kot-Problem mehr? Hmm, daran mochte im Unterhachinger Gemeinderat niemand so recht glauben. Weshalb sich die Anschlussfrage stellte: Wie bringt die Gemeinde unseriöse Hundehalter auf einen sozialverträglichen Weg? Aus der Praxis berichtete Stefan Lauszat, Leiter des örtlichen Bauamts. Es existierte mal die Idee, Rathaus-Bedienstete wie er könnten im Außendienst auch einen kritischen Blick auf Hundekot-Grünanlagenverdrecker werfen. „Das erhöhte Unverständnis darüber, dass die Gemeinde trotz Hundesteuer den Hundekot nicht automatisch entfernt, ist nichts gegen die Drohungen mit körperlicher Gewalt.“ Rabiate, ja militante Hundehalter dürfen also ungestraft Belange der Allgemeinheit versauen? Nein.

Wolfgang Ziolkowski, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung im Rathaus, nennt konkrete Zahlen. Allein im Landschaftspark koste die Beseitigung ekelhafter Hinterlassenschaften 30 000 Euro pro Jahr. Um die Uneinsichtigen stärker in die Pflicht zu nehmen, habe man über den Wachdienst Ehrl die Kontrollen verstärkt – 35 Euro sind pro Verwarnung fällig. „Der Hundehalter kapiert es offenbar erst, wenn er es im Geldbeutel spürt“, sagt Ziolkowski.

Ehrenamtlicher Hundetüten-Tester

Die inzwischen 65 Hundekottüten-Stationen in Unterhaching seien „ein echtes Erfolgsrezept“, sagt Christian Franke vom Bauamt. Mit 500 Tüten pro Jahr habe man einst angefangen, vergangenes Jahr schaffte die Gemeinde 350 000 Tüten an und beschäftigt für Details sogar einen ehrenamtlichen Tester.

Bis zu 15 Kubikmeter Hundekot, rechnet Franke vor, landen auf diese Weise pro Woche im Wertstoffhof. Und nicht im Gebüsch. Die unerträgliche Ignoranz mancher Hundehalter belastet auch in anderer Hinsicht die Allgemeinheit. Dieser Tage sind im Landschaftspark Hachinger Tal die Wiesen gemäht worden. Das übernehmen Landwirte, die das Heu an ihr Vieh verfüttern. Der Deal: Die Bauern mähen, erhalten das Futter gratis. Das Problem: Sind die Wiesen von Hunden zugekotet, ist das Heu unbrauchbar. Müsste die Gemeinde sich alternativ selbst um Mähen der Flächen im Landschaftspark kümmern, würde dies die Steuerzahler mit 300 000 Euro pro Jahr belasten. Woraufhin Florian Riegel (CSU) anregte: „Warum machen wir keinen Elektrozaun um gemähte Wiesen?“ Weil das „zu teuer“ sei in diesem riesigen Areal, erklärte Rathaus-Sprecher Simon Hötzl. Was also bleibt: die Kontrolle und soziale Ächtung von nicht regelkonformen Hundebesitzern.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Ralf Hirschbe

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