Statt Hochrechungen

Unterhaching gibt 40.000 Euro für Feinstaub-Messungen aus

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Wirklich messen oder nur berechnen? Um diese Grundsatzfrage drehte sich eine Diskussion im Unterhachinger Bauausschuss.

Unterhaching– Seit Jahresbeginn lässt die Gemeinde Unterhaching von einem Ingenieurbüro über den ganzen Ort verteilt Immissionsmessungen vornehmen. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor, und Ende März wäre das Projekt normalerweise abgeschlossen – für den Rest des Jahres würden die Werte hochgerechnet. Die Alternative: für zusätzliche 40.000 Euro bis Dezember zu messen.

Auf diese Lösung verständigten sich die Kommunalpolitiker im Bauausschuss, allerdings erst nach längerer Debatte und mit 8:4 Stimmen – die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat in der Sitzung am 20. März.

Hohe Messwerte an mehreren Standorten

Das Zwischenergebnis zeigt: Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (40 Milligramm pro Kubikmeter) werden an zwei Standorten, in der Ottobrunner und in der Leipziger Straße, nur leicht unterschritten. „Da sind wir im gelben Bereich“, sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). An weiteren Punkten im Gemeindegebiet sei die Situation ähnlich. Zudem habe die Partikelmessung ergeben, dass von 18 erlaubten Überschreitung pro Jahr der Grenzwert schon zweimal überschritten wurde.

Der Vorschlag der Verwaltung: messen statt berechnen. „Bei der akuten Hysterie um Feinstaub und Dieselfahrzeuge hätten wir durch eine genaue Ganzjahres-Messung eine belastbare Datengrundlage, eine Standortbestimmung: Wo liegen wir eigentlich?“, sagte der Chef der Bauverwaltung, Stefan Lauszat. Für etwaige Maßnahmen an Staatsstraßen brauche man solche Messergebnisse – bloße Berechnungen würden dazu nicht ausreichen.

Angesichts von 40.000 Euro Zusatzkosten wollte der CSU-Fraktionsvorsitzende Richard Raiser aber erst wissen, „was konkret als Vorteil für uns und die Bürger herauskommt“. Denn es gab auch Stimmen, sich das Geld lieber zu sparen. Besser könne man jetzt schon etwas tun, argumentierten Hans Potschacher (Grüne) und Harald Nottmeyer (SPD). Beispielsweise mit flüssigeren Ampelschaltungen, „damit man nicht dauernd wieder ins Rotlicht reinfährt“. Franz Felzmann (CSU) regte an, die 40.000 Euro zu investieren, „um das ein oder andere Gemeindefahrzeug zu elektrifizieren“.

Andererseits: Was, wenn die Luft in Wirklichkeit besser wäre als gedacht? „Vielleicht gibt’s gar kein großes Problem“, sagte Lauszat. Panzer spekulierte gar, zu relevanten Grenzwertverletzungen käme es womöglich nur „an ein oder zwei schwül-heißen Sommertagen“. Andererseits sagte Panzer auch: „Wenn wir jetzt aufhören zu messen, brauchen wir uns über Maßnahmen keine Gedanken zu machen.“ Weil eben eine klare Datenbasis fehle.

Tempolimits und Hürden für den Individualverkehr?

Diesen Gedanken griff Monika Kormann-Lassas (SPD) auf. „Bei einer solch emotionalen Diskussion bin ich eine starke Verfechterin einer statistischen Grundlage.“ Nur so könne man gezielt reagieren – oder, sollte das gar nicht nötig sein, es bleiben lassen. Denkbare Konsequenzen wären Tempolimits an besonders belasteten Straßen. Städtebaulich bestünde die Möglichkeit, Unterhaching „gezielt unattraktiv für den Individualverkehr zu machen“, ergänzte Lauszat.

Was also in sinnvoll, was nicht? Weil Kaffeesatzleserei nichts bringt und reine Berechnungen zu ungenau seien, plädierte eine 8:4-Mehrheit letztlich für die 40.000 Euro teure Ganzjahresmessung. 

Rubriklistenbild: © dpa / Franziska Kraufmann

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