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Gratis das E-Auto betanken während des Einkaufs ist in Unterhaching bei Aldi möglich, hier am Grünwalder Weg.

E-Mobilität

Hoffnung auf Domino-Effekt

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Unterhaching - Aldi macht mobil in Unterhaching. Und zwar die Elektroauto-Nutzer. Für Gratis-Stromtankstellen werden Nachahmer gesucht.

Einkaufen und währenddessen kostenlos Strom tanken: Diese Möglichkeit wird es in Unterhaching demnächst an drei Stellen geben. Die Infrastruktur passt – jedenfalls, was die Dichte der Supermärkte angeht. In puncto E-Mobilität dagegen darf das Netz durchaus noch enger werden.

Auto fahren mit Benzin oder Diesel, das ist (noch) die Regel, vor allem für lange Strecken. Auf kurzen Distanzen indes kann sich die Nutzung eines umweltfreundlichen Elektro-Autos durchaus lohnen, was Geldbeutel und Klima schont. Der Landkreis München sieht die E-Mobilität sogar als „Schlüsselfaktor für die nachhaltige Entwicklung unserer Region“. Deshalb unterstützt die Gemeinde Unterhaching auch alle Bemühungen, Ladestationen für E-Autos und E-Bikes errichten zu lassen.

Vorreiter in dieser Hinsicht ist der Discounter Aldi, der in Unterhaching drei Filialen betreibt. Und alle drei mit einer kostenlosen Ladestation bestücken möchte. Eine gibt es schon, seit Juni 2015 am Grünwalder Weg; erzeugt wird der Strom über die Photovoltaikanlage auf dem Dach, das „Sonne tanken“ während des Einkaufs ist kostenlos. Jetzt lässt Aldi weitere Ladestationen folgen. Eine geht in Kürze auf dem Kundenparkplatz an der Biberger Straße in Betrieb, eine weitere Gratis-Tankstelle ist für die Filiale nahe der Autobahn-Anschlussstelle Unterhaching-Ost geplant.

„Das ist eine unterstützenswerte Aktion, auf diese Weise die Lade-Infrastruktur zu verbessern, denn die Stationen gehören dorthin, wohin die Leute sowieso mit dem Auto fahren“, sagt Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Einkaufen, Strom tanken, weiterfahren: Um bis zu 80 Kilometer verlängert ein halbstündiger Ladevorgang die Reichweite eines E-Autos.

Die drei Aldi-Märkte liegen strategisch günstig an den Ortseinfallstraßen – aber sie werden niemals ausreichen, um der steigenden Nachfrage nach Stromtankstellen gerecht zu werden. „E-Mobilität ist ein Riesenthema“, sagt Rathaussprecher Simon Hötzl. Er hofft auf Nachahmer, die – wie Aldi – „Kundenbindung und Nachhaltigkeit miteinander kombinieren; wir animieren jeden, ebenfalls Ladestationen zu errichten“. Hötzl glaubt an die „Domino-Theorie: Fällt der erste Stein, folgen die anderen“. Und falls nicht? Parallel dazu arbeitet die Gemeinde an einem eigenen Ladestationen-System, das allerdings, anders als bei Aldi, nicht gratis sein wird.

Dass der Discounter in E-Mobilität investiert, finden die Kommunalpolitiker gut; nicht aber, dass Aldi jetzt auch seine östliche Filiale am Kirchlandweg durch interne Umbauten von 900 auf 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitert. „Das erhöht den Druck auf kleinere Lebensmittelläden“, glaubt Florian Riegel (CSU), sein Parteikollege Franz Felzmann ergänzt: „Wir haben keine gesunde Einkaufs-Infrastruktur in Unterhaching.“

Wirklich nicht? Simon Hötzl widerspricht. Ein Einzelshandelsgutachten aus dem Jahr 2008, damals im Rahmen der Entwicklung der Stumpfwiese erstellt, habe für Unterhaching eine Abdeckung von immerhin 120 Prozent ergeben. Das Gutachten deckte auch eine Lücke auf, nämlich in der Münchner Straße bei St. Alto; diese Lücke wurde daraufhin mit einem Norma-Markt geschlossen.

Laut Hötzl beträgt die maximale Distanz (Luftlinie), die ein Unterhachinger fürs Einkaufen zurücklegen muss, 700 Meter. „Wir haben also eine vergleichsweise gute Infrastruktur“, entgegnet der Rathaussprecher der CSU-Kritik. Und: „Ich teile nicht die Befürchtung, dass Discounter am Ortsrand die Vollsortimenter in der Ortsmitte ausbluten.“

Das Problem in Unterhaching, erläutert Hötzl, sei, dass es „kein richtiges Zentrum“ gebe, sondern „mehrere Siedlungskerne“. Hinzu komme, „dass die Leute nicht gern in eine Tiefgarage fahren“, wie das Beispiel mit den Parkmöglichkeiten unterm Rathausplatz zeige. Oberirdische Kundenstellplätze seien im Ortszentrum aber in großer Menge nicht realisierbar. Die Folge: Geschäfte wandern an die Peripherie – dort ist genug Fläche, um auf Tiefgaragen zu verzichten. „Die Märkte reagieren nur auf das Verbraucherverhalten.“

Ein Weg, die Kunden wieder mehr in die Ortsmitte zu locken, könnten Stromtankstellen sein. Aldi hat’s vorgemacht, Nachahmer sind erwünscht.

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