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Die A995 bei Unterhahcing plagt Anwohner mit ihrer Geräuschkulisse.

Zu schön, um wahr zu sein?

Jetzt doch die Wand: Unterhaching schwenkt bei Lärmschutz an A995 wieder um

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Ein verlockend billiges neues Angebot bringt neue Bewegung in die Debatte um Lärmschutz an der A995 bei Unterhaching: Die Räte schwenken noch mal um. Einige mit Bauchschmerzen.

Unterhaching – Die Unterhachinger Fraktionen schwenken um: Lärmschutz an der A 995 soll womöglich doch mit Hilfe einer Lärmschutzwand gewährleistet werden. Keine sechs Wochen nach dem Beschluss, den Forst an der A 995 „ökologisch“ umzubauen, um vielleicht in 25 bis 30 Jahren lärmmindernde Effekte zu erzielen, setzt man in Unterhaching anscheinend wieder auf eine Wand, die wesentlich schneller in die Höhe wächst.

Ein in Sachen Lärmschutz erfahrenes Unternehmen aus Kaufbeuren will der Gemeinde für 2,9 Millionen Euro eine fünf Meter hohe Lärmschutzwand hinstellen. Bislang hatte man im Rathaus mit bis zu 15 Millionen Euro kalkuliert. Geschlossen folgten die Fraktionen am Donnerstag im Hauptausschuss dem Vorschlag aus der Verwaltung, das Angebot zu prüfen. Die Entscheidung fällt kommenden Mittwoch der Gemeinderat. Das Gerücht von einem unschlagbar günstigen Angebot macht bereits seit Wochen in Unterhaching die Runde. Die CSU beansprucht für sich, den Kontakt nach Kaufbeuren geknüpft zu haben. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) beruft sich darauf, das ausformulierte Angebot erst nach der Gemeinderatssitzung vom 4. Juni und dem Beschluss zum, wie es heißt, „ökologischen Waldumbau“ in den Händen gehalten zu haben.

Alles inklusive

Das Kaufbeurer Angebot schließt anfallende Kosten für Planung, verkehrliche Maßnahmen, Baustelleneinrichtung und -unterhalt ein. Das konkurrenzlos günstig erscheinende Angebot über 2,9 Millionen Euro veranlasst die CSU, sich zum Wortführer in Sachen Lärmschutzwand aufzuschwingen. Noch im November stimmte die Fraktion gegen die Einleitung eines Bauleitverfahrens für einen Lärmschutzwall. Und ohne Bauleitverfahren keine bauliche Lärmschutzmaßnahme, zitiert das Rathaus die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landratsamt. Ganz gleich, ob Wand oder Wall.

Geht das überhaupt?

Für 60 000 Euro will das Rathaus einen Gutachter beauftragen, das Angebot zu prüfen. Wobei die genannte Summe einen Höchstbetrag darstellen soll. Bürgermeister Panzer vermag nicht nachzuvollziehen, wie es einem noch so bewanderten Unternehmen gelingen soll, die bisher errechneten Kosten einer Lärmschutzwand auf 20 Prozent zu drücken: So wären die in dem Angebot aufgeführten Kosten für verkehrsregelnde Maßnahmen nicht mit Aussagen der Fachbehörden vereinbar.

Wie schwer es dem Rathaus fiel, dem CSU-Antrag zu folgen und das Angebot zu prüfen, ist aus jeder Zeile der Beschlussvorlage herauszulesen: Gutachterlich sei bisher gedeckt gewesen, dass eine Wand direkt an der A 995 den effektivsten Lärmschutz biete. Das Kaufbeurer Unternehmen aber will die Wand nun auf den bereits bestehenden A 995-Wall setzen. „Wir wissen nicht mal, ob die da hinpasst“, reklamierte Panzer. Hätte der Gemeinderat am 14. November 2018 nicht gegen das Bauleitverfahren entschieden – wer kann sagen, wo man in Unterhaching heute stünde. Dieses Dilemma im Hinterkopf, erinnerte Wirtschaftsreferent, Simon Hötzl, an beschränkte Ressourcen der Gemeinde: „Es gibt genügend Projekte.“ In der Sitzung vom 4. Juni hatten Unterhachinger lautstark gegen den „ökologischen Waldumbau“ protestiert. Panzer zog sich am Donnerstag darauf zurück, man habe ja nicht beschlossen, Bäume umzuhauen. Was mag sonst damit gemeint sein, wenn Laubbäume durch Nadelhölzer ersetzt werden sollen?

Nächste Woche geht es weiter

Nächste Woche entscheidet der Gemeinderat nicht nur, wie mit dem Angebot zu verfahren ist. Gefällt den Räten, was Gutachter über das Angebot zu sagen haben, könnte eine „erneute Beratung über ein Bauleitverfahren“ und damit über eine Lärmschutzwand „angezeigt sein“. So heißt es in der Beschlussvorlage.

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