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Daraus wird nichts: Diese Skizze zeigt, w ie ein Badesee neben der Landebahn (re.) hätte aussehen können.

Es gab erneut eine launige Debatte

Kein Badesee im Landschaftspark: Selbst die Initiatoren der CSU stimmten dagegen

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Der Badesee im Landschaftspark ist vom Tisch. Das Projekt fand keine Mehrheit im Gemeinderat. Kurios: Selbst die CSU, die ursprünglichen Initiatoren der Idee, stimmten dagegen. 

Unterhaching – Verwirrung, Empörung, Heiterkeit. Die emotionale Bandbreite war groß im Unterhaching Gemeinderat, als es um ein Reizthema ging: den von der CSU vorgeschlagenen Badesee im Landschaftspark. Dieses Projekt, so das Fazit nach launiger Debatte, lässt sich nicht realisieren.

In gewohnter Präzision hat der Chef der Bauverwaltung, Stefan Lauszat, diverse Details zum Für und Wider abgewogen. „Wenn man solch einen Antrag stellt“, sagte Lauszat an die Adresse der CSU, „sollte man wissen, woher man kommt.“

CSU: Viele Fragen mit vielen unliebsamen Antworten

Er bezog sich auf den Bebauungsplan von 1992 und das 2001 beschlossene Konzept des inzwischen verstorbenen Berliner Landschaftsarchitekten Hans J. Loidl. Dessen Vision war es, die Landebahn mit ihrer „unendlichen Weite“ und Sichtbezug zu den Alpen zu erhalten, Magerrasen mit und ohne Ausgleichsfunktion zu sähen, zugleich die Militärrelikte als Spuren der Zeitgeschichte zu bewahren. Kurzum, ein historisch bedeutsames Natur-Kleinod zu schaffen mit einer Artenvielfalt, wie sie in Deutschland, so geballt, mittlerweile einzigartig ist. Hinzu kommt: Zum 1. Oktober 2019 ist auf Landesebene das Bayerische Naturschutzgesetz geändert worden – die Biotope östlich der Autobahn stehen seitdem unter besonderem Schutz. Genau dort aber sollte, so der CSU-Wunsch, ein Badesee entstehen.

Neben einer möglichen „Abkehr vom bisherigen Planungskonzept“ ging Lauszat auf eine Reihe pragmatischer Fragen ein: Wie groß ist eigentlich ein See, wo kommt das Wasser her? Wie steht es um Altlasten wie Munitionsrückstände im Erdreich? Welche Auswirkungen hätte ein Badesee, der auch Publikum aus München anlocken werde, auf den Verkehr? Wie steht es um Rechtsfragen wie Betriebsaufsicht und Wasserfilterung? Was ist mit Sanitäranlagen?

Die meisten von Lauszats Antworten fielen negativ im Sinne des CSU-Antrags aus. Insofern war sein Fazit eher rhetorischer Natur: „Der Landschaftspark ist ein Herzstück, in dem viel Herzblut liegt – was sollen wir nun tun? Ihr Votum ist unser Arbeitsauftrag.“

Bereits Neubiberg hatte das Projekt abgelehnt

Die CSU echauffierte sich sehr und empfand die Darstellung als verzerrt; nämlich, weil schon die Nachbarkommune Neubiberg das Projekt abgelehnt hat: „Der Badesee steht doch gar nicht mehr zu Debatte“, sagte Korbinian Rausch – und erntete schallendes Gelächter. Trotzdem blieb der Vizechef der CSU-Fraktion ernst: Der Antrag sei viel breiter gefasst gewesen, es gehe um eine ökologische Aufwertung und Weiterentwicklung des Landschaftsparks. „Ist ,Nichts mehr tun‘ die präferierte Option, um den Status quo zu erhalten?“, fragte Rausch.

Parteikollege Franz Felzmann fand es ebenfalls „erstaunlich, wie unser Antrag gezielt missinterpretiert wird“. Der Badesee, einst das Kernthema, habe sich durch das Neubiberger Veto „längst erledigt“. Aber, wies Felzmann auf durchaus überlegenswerte Maßnahmen hin: „Warum gibt es keine Vogel-Beobachtungsplattform? Warum außer Dixie-Klos keine gescheiten Toiletten oder einen Kiosk? Warum keine Bäume, unter denen Familien im Sommer Schatten finden?“

„Ich bin froh, dass diese Schnapsidee zu Nüchternheit bei der CSU geführt hat.“

Die politische Konkurrenz gab der CSU keine Chance. Eine „Zerstörung des Landschaftsparks“ wähnte Claudia Köhler und sagte: „Es ist Zeit, Farbe zu bekennen.“ Für die SPD tat das Waltraud Rensch: „Mit seiner Biodiversität ist der Landschaftspark ein einzigartiges Schmuckstück. Es wäre eine Schande, dies zu zerstören.“ Gertraud Schubert (Freie Wähler) schwärmte von „wellenartig im Wind wogenden Wiesen“ und drehte die CSU-Kritik um: „Manchmal ist Nichtstun tatsächlich das Bessere.“ Zur unerwarteten CSU-Abkehr vom See sagte Hans Potschacher: „Ich bin froh, dass diese Schnapsidee zu Nüchternheit bei der CSU geführt hat.“

Den Badesee lehnte der Gemeinderat nach langer Debatte einstimmig ab, auch die CSU wollte ihn nicht mehr. Die Christsozialen beharrten aber auf eine Weiterentwicklung des Landschaftsparks und auf das Erarbeiten „neuer Nutzungsideen“ – dagegen stemmte sich die breite Mehrheit.

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