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Die Ausfahrt Unterhaching Nord der A995.

Kein Lärmschutz zum Schnäppchenpreis an der A995

  • vonAndreas Sachse
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Drei Millionen oder acht Millionen Euro? Der Gutachter-Streit über die Finanzierung der Lärmschutzwand an der A 995 bei Unterhaching artet zur Glaubenskrise aus. „Wem vertrauen?“, rätselte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD).

Unterhaching – Zu einem abschließenden Ergebnis fanden die Fraktionen im Bauausschuss nicht im Unterhachinger Lärmschutz-Dauerkonflikt. Das Schnäppchen-Angebot des Allgäuer Unternehmens „Rau Geosystem Süd“ hat sich in den Köpfen der preisbewussten Gemeinderäte zwar festgesetzt. Für 3,3 Millionen Euro, so die Einschätzung des Unternehmens, ließe sich an der A 995 auf gut eineinhalb Kilometern binnen drei Monaten für ausreichend Lärmschutz sorgen. Doch die Skepsis überwiegt.

Bisher nur Pilotprojekte

Eingangs der Sitzung hatte Rau-Geschäftsführer Erwin Königsberger auf Nachfrage von Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) einräumen müssen, dass die von Rau beworbene Lärmschutzwand von der Autobahndirektion Südbayern nie offiziell geprüft und genehmigt worden sei. Königsberger verweist aber auf „erfolgreich durchgeführte Pilotprojekte“.

Gemeinde fragt bei Autobahndirektion nach

Um nichts zu riskieren, wird sich die Gemeinde wohl zunächst mit der Autobahndirektion in Verbindung setzen. „Wir müssen wissen, was die für Erfahrungen mit Rau gemacht haben“, teilte Rathaus-Sprecher Simon Hötzl demMünchner Merkurgestern mit. Zu prüfen gilt, ob Unterhaching sich „in der Hoffnung auf fundierte Werte“ überhaupt auf eine Voruntersuchung einlässt. Ob es sich lohnt, dem Rau-Gutachten für 300 000 Euro auf den Grund zu gehen. Letztendlich müsste die Lärmschutzwand ohnehin europaweit ausgeschrieben werden. In den Sternen steht, welche Firma dann zum Zuge kommt. „Das muss ja nicht mal Rau sein“, konstatierte Hötzl.

Schätzungen zwischen 7,5 und 3,3 Millionen Euro 

Schon im Vorfeld der mit drei Gutachtern bestückten Sitzung hatte das Ingenieurbüro Mayr den Rau-Kalkulationen deutlich widersprochen. Der per Video zugeschaltete Ingenieur Robert Müller kalkuliert mit 7,5 Millionen Euro. Seinen Untersuchungen zufolge ließe sich der Rau-Plan handwerklich in Teilen gar nicht umsetzen. Auf einen bestehenden, etwa zwei Meter hohen Erdwall will Rau vier Meter Lärmschutzwand bauen. Dem mit Wurzeln durchsetzten Erdwall soll jedoch die nötige Festigkeit fehlen. Königsberger widersprach mit Verweis auf eigene Erhebungen.

Skepsis gegenüber günstiger Kalkulation

Der Gemeinde ist das Problem bekannt. Um die Lärmschutzwand zu tragen, müsste der Wall laut selbst veranlassten Bodengutachten zu zwei Dritteln neu aufgebaut werden. Panzer ließ daher erkennen, sich den Bewertungen des Ingenieurbüros Mayr weitgehend anzuschließen. Die nötigen Geldmittel, um den Wall zu verstärken, gar ein Fundament zu setzen, seien in den Rau-Kalkulationen nicht enthalten. Außerdem fehlten Investitionen für Unterhalt und Pflege, für Verkehrssicherung, den Anschluss der Wand an bestehende Verkehrssysteme, an Brücken und Rettungswege, für Entsorgung leicht belasteter Materialien.

5 bis 8 Millionen sind wohl realistisch

Die Fraktionen scheinen sich inzwischen einig, an der A 995 in Sachen Lärmschutz handeln zu müssen. Lärm-Gutachter Thorsten Otto von Mülle -BBM misst der von Rau konzipierten Grünen Schallschutzwand eine deutlich spürbare Schutzwirkung von bis zu 5 Dezibel zu. Was die kalkulierten Kosten der Firma Rau betrifft, überwiegt jedoch der Zweifel. Gertraud Schubert (FWU) zeichnete folgendes Stimmungsbild: „Ich gehe davon aus, dass die Wand unter 5 Millionen Euro nicht zu haben ist.“ Das stehe ihrer Meinung seit dieser Sitzung fest. Schubert rechnet mit 5 bis 8 Millionen Euro, nähert sich damit den Prognosen des Rathauses an. „Wir kalkulieren mit 7 bis 8 Millionen Euro“, bestätigt Hötzl.

Lesen Sie auch: Lärmschutzgruppen-Sprecherin sieht Mitstreiter zu Unrecht an den Pranger gestellt

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