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Dachausbau als Wohnraumgewinnung ist eine Option, aber an Regularien gebunden.

In Unterhaching wollen Hausbesitzer gerne ihren Wohnraum aufstocken – doch so einfach ist das nicht

Krach unterm Dach

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Einfach mal kurz das Dachgeschoss ausbauen, um den Wohnraum zu erweitern? So einfach ist das nicht. In Unterhaching wird das Thema heiß diskutiert.

Unterhaching – Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in und um München, auch in Unterhaching. Dort würden diverse Reihenhausbesitzer in der Grünau gern ihr Dachgeschoss ausbauen, um familienintern mehr Wohnraum zu schaffen, zum Beispiel für Kinder oder Großeltern. Doch so einfach ist das nicht, die „Wohnnutzung in den Dachgeschossen“, wie es im Amtsdeutsch heißt und die mittels Unterschriftensammlung unterlegt wurde, bedarf einer Änderung des Bebauungsplans.Na also, dann solle das halt geschehen – so hatten es die Freien Wähler im November 2020 beantragt. Im Gemeinderat hieß es jetzt: Nein, das geht nicht, jedenfalls nicht auf die Schnelle.

Applaus aus dem Publikum in Gemeinderatssitzung

„Ich bitte Sie, die Ruhe zu bewahren! Wir haben hier keine Gaudiveranstaltung“, sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD), als Zuhörer lautstark Applaus klatschten. Unmittelbar vorangegangen war eine Wortmeldung von Franz Felzmann (CSU): „Es geht hier um Dachgeschossausbau. Die Gemeinde ist ein Servicebetrieb und sollte so was über die Bühne bringen.“

Genau das gehe eben nicht, weil die Änderung eines Bebauungsplans „nicht banal“ sei und jahrelang dauern könne, so Panzer. Aktuell laufen in Unterhaching schon fünf Bebauungsplanverfahren. „Ein weiteres können wir nicht stemmen, wir sind an der Kapazitätsgrenze“, sagte der Bürgermeister und meinte doppeldeutig nicht nur die Arbeitsbelastung im Rathaus, sondern auch die Einwohnerzahl. Überdies erachtete er die Unterschriftenaktion mit rund 60 Unterzeichnern aus dem Bereich Von-Stauffenberg- und Leberstraße als nicht repräsentativ, denn betroffen sind 242 Reihenhäuser: „Das sind 242 Meinungen – er gibt auch Widerstand, dazu Fragen der Stellplätze und der Erschließung.“ Kurzum, wegen der Komplexität sei die nötige Änderung des Bebauungsplans „zeitnah nicht machbar“, resümierte Panzer.

Damit aber gaben mehrere Gemeinderatsmitglieder sich nicht zufrieden. Die Freien Wähler beklagten „ein Vertrösten auf unbestimmte Zeit“ (Julia Mittermeier) bis „hin zum Sankt-Nimmerleinstag“ (Alfons Hofstetter), Korbinian Rausch (CSU) forderte: „Wir müssen ein bisschen mehr Gas geben.“

Grüne fordern „Priorisierung“

Bloß, mit welchem Personal? Dazu regte Armin Konetschny (Grüne) an, „den Workflow zu priorisieren und zu parallelisieren“, vielleicht ließen sich „Teile der Arbeit ja extern vergeben?“ Abermals widersprach der Bürgermeister, ausgelagerte Arbeit müsse die Gemeinde „heftig mitbegleiten“.

Den Wunsch nach Priorisierung registrierte Panzer mit einem milden Lächeln, denn: Analog zum Grünbau-Antrag laufen momentan schon zwei Nachverdichtungsverfahren, nämlich in der Bayer-Siedlung und in der Robert-Koch-Straße. Also eins davon stoppen, um die Grünau vorzuziehen?

Anstoß für Platz auf der langen Liste

Nein, natürlich nicht, auch wenn Julia Mittermeier dies als „enttäuschende Gegen-und Abwehrhaltung“ interpretierte und Alfons Hofstetter den Mangel an Verwaltungskapazität als „kein Argument“ einstufte. Deshalb, so der einstimmige Beschluss im Gemeinderat: Die Änderung des Bebauungsplans wird zumindest angestoßen. Aber sie steht auf einer langen Warteliste ganz weit hinten.

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