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Der Lärmschutz an der A995 beschäftigt die Gemeinde Unterhaching seit Jahren.

Gutachten

Lärmschutz an der A995 kostet fünf Millionen Euro mehr als gedacht

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Was kostet Lärmschutz entlang der A 995 in Unterhaching? An dieser Frage reiben sich seit Jahren alle Beteiligten. Jetzt gibt es eine konkrete Zahl, aber noch keine Klarheit.

Unterhaching – Zwischen acht und zehn Millionen Euro, so lautete im November 2018 die rathausinterne Prognose, würde ein Mix aus Lärmschutzwall und -wand kosten. Zu teuer, befand damals der Gemeinderat (wir berichteten). Nun hat die Gemeinde den von Lärmschutz-Aktivistin Catia Hilgart über die CSU eingebrachten Antrag, für angeblich 2,7 Millionen Euro eine begrünte Lärmschutzwand auf den bestehenden Erdwall zu montieren, durch einen Gutachter prüfen lassen. Ergebnis: Auch diese Variante würde tatsächlich rund 7,5 Millionen Euro kosten.

Gutachter: „Es gibt viele Diskrepanzen“

Robert Müller vom Fachbüro Mayr Ingenieure stellte im Gemeinderat die reinen Bau- den realen Projektkosten gegenüber. Das über die CSU vorgelegte Angebot der Firma Rau sei „grundsätzlich seriös kalkuliert worden“, sagte der Sachverständige. Allerdings allein bezogen auf eine Lärmschutzwand aus einem Drahtgeflecht. Bei den Rahmen- und Folgekosten indes gebe es allerlei Diskrepanzen. „Man muss schon bei der Wahrheit bleiben“, leitete Rathaus-Sprecher Simon Hötzl die Präsentation ein.

Die Wahrheit sieht unter anderem so aus, dass derzeit ein drei Meter hoher Wall existiert, der Abstand zwischen Autobahn und Wohnbebauung 110 bis 410 Meter beträgt und dass die Kommune gegenüber der Autobahndirektion keinen Rechtsanspruch auf baulichen Lärmschutz hat. Zugleich haben die Bayerischen Staatsforsten grundsätzlich Kooperationsbereitschaft signalisiert für kommunale Projekte.

Zwei Posten treiben die Kosten in die Höhe

Insbesondere zwei im Angebot nicht berücksichtigte Posten, so der Gutachter, würden die Kosten aber in die Höhe treiben. Erstens die Baustellenzufahrt- und absicherung über die A 995, die um ein Vielfaches höher läge als die veranschlagten 50 000 Euro. Zweitens die Folgekosten für den Unterhalt, um Sicherheitsbelange zu garantieren – 2,3 Millionen Euro zusätzlich seien für 50 Jahre zu veranschlagen.

Erdwall keine Basis für eine Lärmschutzwand

Ein wichtiger Knackpunkt sei aber auch der vorhandene Erdwall als solcher: Er tauge nämlich nicht, so der Gutachter, als Grundlage für eine Lärmschutzwand. „Zwei Drittels des Walls sind nicht tragfähig und müssten neu gebaut werden“, sagte Robert Müller. Humus und Wurzeln hätten zu massiven Setzungen geführt. „Der Wall ist nicht homogen, ein Bagger könnte keinesfalls darauf fahren.“ Und die Kosten für eine zusätzliche Fundamentierung seien im vermeintlich günstigen Angebot der Lärmschutz-Aktivisten nicht enthalten. Ein weiterer „wesentlicher Kostenfaktor“ seien die speziell einzubindenden Autobahnbrücken.

Das Fazit das Ingenieurbüros: Die reinen Projektkosten lägen bei 5,2 Millionen Euro, hinzu kämen 2,3 Millionen Euro für den Unterhalt.

Lärmschutz-Aktivistin sieht Gutachten kritisch

Summa summarum sind das fast fünf Millionen Euro mehr als im ursprünglichen CSU-Antrag benannt. Dessen Initiatorin Catia Hilgart sagte dazu: „Wie nicht anders zu erwarten, hat das Gutachten letztlich das Ergebnis gebracht, das die Gemeinde haben wollte. So geht man eigentlich nur vor, wenn man ein Projekt ablehnen will.“ Die Lärmschutz-Aktivistin kündigte an: „Das werden wir nicht hinnehmen und das Gutachten in allen Details prüfen.“

Die Gemeinde indes rechnet mit diesen Zahlen. Ob 7,5 nach neuer oder acht bis zehn Millionen Euro nach alter Schätzung: „Wir müssen uns sehr gut überlegen, ob wir dieses Geld haben“, sagte Gertraud Schubert (Freie Wähler). Diesen Satz ließ Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) unkommentiert im Raum stehen: „Ein gutes Schlusswort.“ Bei den Haushaltsberatungen 2020 könnte das Thema somit nochmals aufflammen.

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