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Zuschüsse gibt es auch für E-Bikes

Förderprogramm

Weg vom Auto, hin zum Fahrrad: Mit diesem Plan will Unterhaching die Verkehrswende schaffen

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Knapp 14 000 Pkw sind aktuell Unterhaching zugelassen, was bei gut 25 000 Einwohnern rein statistisch bedeutet: Mehr als jeder zweite Bürger besitzt ein Auto. Im Zuge der internationalen Klimaschutz-Debatte will Unterhaching diesen Trend mit einem ambitionierten Förderprogramm umkehren – weg vom Auto, hin zum Fahrrad.

Unterhaching –Ein lokales Programm zur Förderung des Fahrradverkehrs soll ab 2020 den Radl-Kauf, egal ob neu oder gebraucht, mit 100. 000 Euro pro Jahr in Unterhaching subventionieren.

„Ein ganzheitlicher Ansatz ist nötig, um die Verkehrswende herbeizuführen“, sagte Anna Lamprecht, neue Rathaus-Mitarbeiterin im Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz, in der Sitzung des Energieausschusses. Die Statistik zeige, „dass der aktuelle Trend in Unterhaching zur Anschaffung eines Drittwagens geht“. Weil das nicht im Sinne von CO2-Vermeidung ist, steuert die Gemeinde jetzt mit einem Förderprogramm zugunsten nachhaltiger Mobilität.

Weniger Lärm und weniger Platzverbrauch

Weniger Platzverbrauch sowohl auf der Fahrbahn als auch beim Parken, geringere Lärmbelastung, Gesundheitsförderung durch Bewegung an der frischen Luft, auf Kurzstrecken oft ein schnelleres Ankommen am Ziel: All diese Vorteile von Fahrrädern gegenüber Autos sollen nun durch finanzielle Unterstützung noch attraktiver gemacht werden. Speziell Lasten-Pedelecs könnten, so die Hoffnung im Rathaus, eine echte Alternative zum Pkw werden.

Gefördert werden klassische und E-Räder

Konkret sieht das Förderprogramm so aus: Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Gewerbebetriebe, Selbstständige, Freiberufler oder gemeinnützige Organisationen und Vereine aus Unterhaching. Gefördert werden sowohl rein muskelbetriebene (also klassische) als auch elektrisch motorisierte Fahrräder. Im Sinne der Nachhaltigkeit gilt die Förderung nicht nur für Neuanschaffungen, sondern auch für Gebraucht-Käufe. Die Fördersummen sind gestaffelt, liegen bei 25 Prozent der Anschaffungskosten für Fahrräder und Pedelecs und bei 30 Prozent für Lasten-Pedelecs. Dabei gibt es Obergrenzen – von 200 Euro fürs gebrauchte Fahrrad bis zu 1000 Euro fürs Lasten-Pedelec. Das geförderte Rad muss mindestens 36 Monate lang genutzt werden. Auch Leasingmodelle und der Kauf von Radl-Anhängern werden unterstützt.

Kritische Stimmen

Bei den Kommunalpolitikern löste das Projekt ein sehr gemischtes Echo aus. Florian Riegel (FDP) fand, 100 000 Euro pro Jahr ließen unter dem Klimaschutzgesichtspunkt sich effizienter investieren, beispielsweise in MVV-Jahreskarten. Gertraud Schubert (Grüne) mutmaßte, viele würden sich mittels der Förderung „ein Wochenend-Radl gönnen, deshalb aber nicht aufs Auto verzichten“. Ähnlich sah Richard Raiser (CSU) einen „reinen Mitnahmeeffekt“. Die SPD wiederum mochte eine Missbrauchs-Mentalität nicht in den Vordergrund rücken: „Wir müssen mutig sein“, forderte Peter Wöstenbrink, und Waltraud Rensch ergänzte: „Wir setzen ein Zeichen an die Bürger, damit sie vom Auto aufs Fahrrad umsteigen.“

Kritisch bewertete Michael Durach (CSU), der sich als Chef der Senf-Firma Develey seit 2008 intensiv für Klimaschutz einsetzt, das Förderprogramm. „Ich glaube nicht, dass wir damit dem eigentlichen Ziel – der CO2-Reduktion – näherkommen.“ Durach lobte zwar den ganzheitlich-konzeptionellen Ansatz, vermisste aber konkrete Zahlen zum örtlichen CO2-Ausstoß und nannte seiner Ansicht nach relevantere Hebel wie die bessere Wärmedämmung kommunaler Gebäude oder die Umstellung von Gewerbebetrieben auf umweltfreundliche Produktion. Bei Regen und Winterwetter erhalte der Pkw wieder den Vorzug vor dem Lasten-Pedelec. „Das ist alles nett gedacht, aber letztlich nur ein Wahlgeschenk“, lautete Durachs Fazit. Was Unterhaching wirklich brauche, sei eine „Mobilitäts-App“ zur Verkehrswende.

Mitnahmeeffekt ein Totschlagargument?

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) konterte die Kritik. Das Gerede vom Mitnahmeeffekt sei „ein Totschlag-Argument“, überhaupt habe „die CSU Probleme mit dem Radfahren“. Die CO2-Reduktion sieht Panzer „als einen Mosaikstein“ – es gehe auch um die Menge an Fahrzeugen und die Lärmminderung. Das letzte Wort hat nächste Woche der Gemeinderat.

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