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Abschied von Unterhachings größtem Wohltäter

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Von: Martin Becker

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Dem Reitsport mit Pferdezucht und Trabrennen galt die große Leidenschaft von Otto Stumpf – hier ein Bild von 2009 auf der Trabrennbahn in Daglfing mit Pilotin Karin Port.
Dem Reitsport mit Pferdezucht und Trabrennen galt die große Leidenschaft von Otto Stumpf – hier ein Bild von 2009 auf der Trabrennbahn in Daglfing mit Pilotin Karin Port. © Hans Springer

Unterhaching trauert um Otto Stumpf als einen der größten Mäzene der Gemeinde. Ohne ihn hätte es das Lise-Meitner-Gymnasium nicht gegeben. Auch die SpVgg konnte immer auf ihn zählen. Jetzt ist Otto Stumpf mit 96 Jahren gestorben. 

Unterhaching – Etwa 4500 Unterhachinger leben im Wohngebiet Stumpfwiese zwischen Sportpark und Feuerwehr, der Stumpfwiesenweg erinnert an die Historie der einstigen Erdbeer- und Heidelbeerplantagen. Jetzt ist Otto Stumpf, der Namenspatron des Areals, im Alter von 96 Jahren gestorben.

Große Spuren hinterlassen

Ihn allein auf die Stumpfwiese zu reduzieren, wäre indes viel zu kurz gegriffen. „Otto Stumpf war ein großer Wohltäter und Mäzen der Gemeinde und hiesiger Vereine“, sagt der Dritte Bürgermeister Richard Raiser. „Er hat in Unterhaching große Spuren hinterlassen.“

Das Grundstück für das Lise-Meitner-Gymnasium hatte Otto Stumpf einst der Gemeinde kostenfrei überlassen, damit die Schule gebaut werden konnte.
Das Grundstück für das Lise-Meitner-Gymnasium hatte Otto Stumpf einst der Gemeinde kostenfrei überlassen, damit die Schule gebaut werden konnte. © Gymnasium

Die sind nicht nur auf der 28,5 Hektar großen Stumpfwiese zu finden, auf der 1997 die ersten Wohnhäuser entstanden. „Ohne ihn“, betont Altbürgermeister Engelbert Kupka (83), „gäbe es das heutige Lise-Meitner-Gymnasium nicht – dessen Gründung ist allein Otto Stumpf zu verdanken.“

Trotz Millionenvermögens ein bescheidener Mensch

Als Kupka 1972 für die CSU als Bürgermeister kandidierte und auch gewählt wurde, tobte schon vor der Kommunalwahl eine Diskussion um die Frage: Braucht Unterhaching ein eigenes Gymnasium? „Eher nicht, lautete der Tenor, es gab hitzige Debatten“, erinnerte sich Kupka. „Doch viele Eltern machten Druck, wünschten sich ein Gymnasium.“ Und Otto Stumpf, der einer Großbauernfamilie entstammte und über diverse Grundstücke verfügte, stellte der Gemeinde die Fläche fürs Gymnasium kostenlos zur Verfügung. „Er wollte etwas für die Jugend tun“, sagte Kupka und beschreibt den jetzt Verstorbenen so: „Er war trotz seines Millionenvermögens stets ein bescheiden lebender und beispielgebender Mensch, der um seine guten Taten keine großen Worte machte.“ Am 16. Januar 1974 erhielt er für seine Verdienste ums Gemeinwohl die Bürgermedaille mit Ehrennadel in Gold.

Aufgewachsen ist Otto Stumpf im Stumpfhof an der Hauptstraße 42, gegenüber vom Maibaum – der einstige Bauernhof wird heute multifunktional von Gewerbetreibenden genutzt. „Eine idyllsche Oase an dieser lauten Straßenkreuzung“, sagt Rathaussprecher Simon Hötzl. „Um die Vermietung der Räumlichkeiten in dem ehemaligen Bauernhof kümmerte er sich bis zuletzt persönlich, das war ihm wichtig.“

Die Stumpfwiese, die sich inzwischen zum großen Wohnviertel entwickelt hat, wurde nach Otto Stumpf benannt.
Die Stumpfwiese, die sich inzwischen zum großen Wohnviertel entwickelt hat, wurde nach Otto Stumpf benannt. © Martin Becker/Archivfoto

Der Heimat stets verbunden geblieben

Weggezogen aus Unterhaching sind Otto Stumpf und seine 2018 verstorbene Frau Therese schon vor 50 Jahren: Der Landwirt hatte damals schon ein großes Faible für die Pferdezucht und Trabrennen, ließ seine Rennpferde in Daglfing starten. Als es, im Zuge neuer Wohnbebauung, in Unterhaching für die Pferdezucht zu beengt wurde, kauften die Stumpfs 1972 das „Gut Linden“ in Eberfing (Landkreis Weilheim-Schongau). Dort ist Otto Stumpf jetzt auch gestorben: Nach einem Sturz auf dem Gut überstand er zunächst eine Oberschenkelfraktur recht gut, dann aber entwickelte sich eine Komplikation, die der 96-Jährige nicht überlebte.

Der Kontakt zur Heimat ist in all den Jahrzehnten nie abgerissen: Mit einer Stiftung förderten Otto und Therese Stumpf soziale und kulturelle Projekte in Unterhaching, waren stille Unterstützer von Vereinen wie der SpVgg und den Trachtlern. „Er war unglaublich großzügig, besonders die Jugend lag ihm am Herzen. Die SpVgg Unterhaching hätte sich ohne Otto Stumpf in schwierigen Situationen nicht behaupten können“, sagte Kupka, bis 2012 Präsident des Fußballvereins.

Heute Gedenkminute im Stadion

Vor dem Heimspiel der SpVgg Unterhaching am heutigen Samstag (14 Uhr) gegen den FC Augsburg II findet im Stadion eine Gedenkminute statt. Beigesetzt wird Otto Stumpf am 29. November im Familiengrab auf dem Unterhachinger Friedhof – nach einem Requiem in St. Korbinian (10 Uhr) ist für 11 Uhr die Beerdigung terminiert. Über die Stiftung, in die das ganze Vermögen des Multimillionärs fließt, wird Otto Stumpf auch posthum noch Akzente setzen – sowohl in Unterhaching als auch in der späteren Wahlheimat Eberfing.

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