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Damit Pflege auch in Zukunft funktioniert, muss sich in der Branche vieles ändern

Unterhachings KWA Vorstand zeichnet düstere Prognose

Pflege steht vor dem Kollaps

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In der Pflege fehlen Tausende Mitarbeiter. Dabei kann Langzeitpflege durchaus ein Arbeitsplatz der Zukunft sein, sagt Stefan Arend. Er ist Vorstandsmitglied beim Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) in Unterhaching. Ihm zufolge müssten die Weichen nur richtig gestellt werden – andernfalls drohe spätestens im Jahr 2044 der Kollaps der Pflegeversorgung. 

Mit diesem Thema beschäftigt sich Stefan Arend seit 25 Jahren. In seinem Buch „Arbeitsplatz Langzeitpflege“, das er mit dem Juristen und Gerontologen Thomas Klie herausgegeben hat, erläutern er und sieben weitere Experten die Ist-Situation der Pflege. Arend schreibt darüber, was passieren muss, um genug Fachkräfte für die steigende Zahl der Pflegebedürftigen gewinnen zu können.

Mitarbeiter aus dem Ausland

Eine Lösung sehen zahlreiche Heimleiter darin, Mitarbeiter aus dem Ausland anzuwerben. Das ist kein neues Phänomen, sagt Arend. In den 1960er und 70er Jahren habe man angesichts rund 300 000 offener Stellen Arbeiter aus Korea oder von den Philippinen rekrutiert. Ohne sie und die Pfleger, die seit einigen Jahren aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, Rumänien und Polen hierher kommen, wären die Zustände in der Pflege wohl noch dramatischer.

Stefan Arend

In privaten Seniorenhaushalten arbeiteten laut Schätzungen 100 000 bis 300 000 Personen – meist unangemeldet, also schwarz, sagt Arend. „Aber wir können unsere Probleme nicht auf den Ausländern abladen.“ Die Rechtlosigkeit von Hunderttausenden dürfe nicht die Basis für die Pflege-Versorgung bilden.

Spätestens 2044 eskaliert die Situation

Stefan Arend spricht von 2044 und zeichnet eine düstere Prognose. In diesem Jahr feiern die 1964 geborenen Babyboomer – sie sind der geburtenstärkste Jahrgang, den Deutschland je hatte – ihren 80. Geburtstag. Arend rechnet 2044 mit rund 1,3 Millionen Hochbetagten, um die sich ebenso viele Arbeitnehmer kümmern müssen. „Wir werden ein Verhältnis von 1:1 haben.“

Nachwuchsmangel durch Niedriglöhne

Damit die Versorgung gewährleistet bleibt, müsse die Politik den Pflegeberuf attraktiver machen – sowohl was gesellschaftliches Ansehen und die Bezahlung als auch Weiterbildungsmöglichkeiten und gesicherte Arbeitsplätze angeht. Zwar interessierten sich Jugendliche für Pflegeberufe und Gesundheitsminister Jens Spahn möchte 13 000 neue Stellen schaffen. Doch sofern Beschäftige bei hoher zeitlicher und psychischer Belastung Niedriglöhne bekämen, verschlimmere sich der Nachwuchsmangel, sagt Arend. Das könnten ausländische Fachkräfte nicht ausgleichen. Arend nennt sie einen „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Alternde Gesellschaft schafft Berufsfelder

Der weltweite Markt um Pfleger sei hart umkämpft. Neben Deutschland ringen fast alle europäischen Industrienationen mit den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Polen zum Beispiel müsse mittlerweile gegensteuern und seine Pfleger halten. Andernfalls, so Arend, sei die Versorgung dort gefährdet. Manche Ausländer würden sogar in ihre Heimat zurückkehren, obwohl sie dort arbeitslos sind. Ein Projekt, bei dem spanische Pfleger vor zwei Jahren nach Unterhaching ins KWA gekommen waren, sei aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede gescheitert.

Wenn es nach Stefan Arend geht, sollen Abiturienten verhindern, dass sich die Schere zwischen der Zahl der Pfleger und dem Bedarf nicht weiter öffnet. Eine alternde Gesellschaft eröffne neue Berufsfelder, sagt er. „Wir werden akademisch gebildete Fachkräfte brauchen, in der Pflegewissenschaft, -pädagogik und im -management.“ Außerdem müssten Aufstiegschancen verbessert und der Wechsel von Teil- auf Vollzeit erleichtert werden.

Das Modell „Wohnstift“

Sorgen darum, wer ihn einmal pflegt, macht sich Stefan Arend selbst nicht. Wenn der heute 55-Jährige im Alter auf Hilfe angewiesen ist, möchte er in einem Wohnstift leben, sagt er. Bei diesem Modell wohnen ältere Menschen gemeinsam in einem Haus, innerhalb dessen kann sich aber jeder in seine Wohnung zurückziehen. Es gibt Betreuer und die Bewohner unterstützen sich auch gegenseitig. Außerdem vertraut Arend auf Freunde und Bekannte aus Vereinen. Ein intaktes Geflecht sozialer Kontakte halte einerseits geistig und körperlich fit, andererseits fange es einen im Notfall auf.

Das Buch

„Arbeitsplatz Langzeitpflege“ von Thomas Klie und Stefan Arend ist erhältlich unter der ISBN-Nummer 3862164152, Preis: 39,99 Euro. Es ist erschienen im medhochzwei Verlag.

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