Viele Stufen sind es bis zum Rutschenglück im Freibad Unterhaching. Noch ein paar mehr – in digitaler Form – schaltet die Gemeinde nun vor, bis Besucher überhaupt ins Bad und auf die Liegewiese dürfen.
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Viele Stufen sind es bis zum Rutschenglück im Freibad Unterhaching. Noch ein paar mehr – in digitaler Form – schaltet die Gemeinde nun vor, bis Besucher überhaupt ins Bad und auf die Liegewiese dürfen.

Im Corona-Modus

Unterhaching plant das digitale Freibad - Hürden für Kinder und Senioren

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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E-Tickets, Zeitzonen, beschränkte Besucherzahl, Bezahlung nur per PayPal: Am Mittwoch, 1. Juli, öffnet mit zwei Monaten Verspätung das Unterhachinger Freibad.

Unterhaching – Der Gemeinderat hat jetzt die Rahmenbedingungen für den Corona-Modus im Freibad Unterhaching festgelegt. Michael Trautwein, bei der Gemeinde für die Sportanlagen wie das Freibad verantwortlich, stellte bei der Gemeinderatssitzung die Details vor.

. Zeitzonen: Es gibt drei Zeitzonen für Frühschwimmer (8 bis 9.30 Uhr), Tagesnutzung (10.30 bis 17.30 Uhr) und Abendschwimmen (18.30 bis 20 Uhr).

. Eintrittspreise: Der Eintritt kostet drei Euro für Erwachsene und ein Euro für Kinder. Dies gilt einheitlich für alle drei Zeitzonen; ein Antrag der Freien Wähler, die Preise fürs Früh- und Abendschwimmen zu ermäßigen, weil es ja nicht mehr die günstigeren Optionen für Saison- oder Zehnerkarten gebe, wurde abgelehnt.

. Ticketkauf: Die Eintrittskarten müssen vorab online gekauft werden über www.unterhaching.de, also die Webseite der Gemeinde. Eine Bezahlung ist ausschließlich über einen Zugang beim Online-Zahlungsdienstleiter PayPal möglich.

. Registrierung: Für den Kauf der E-Tickets ist eine Online-Registrierung erforderlich. Damit werden zugleich, wie während der Corona-Pandemie vorgeschrieben, die persönlichen Daten erfasst, um bei einem Infektionsfall Kontaktpersonen ermitteln zu können. Pro Account sind maximal sechs E-Tickets buchbar – als Orientierung dient eine Familie mit bis zu vier Kindern.

Das Ticket kommt aufs Smartphone

. Kontrolle: Nach der Online-Buchung wird das E-Ticket per E-Mail als PDF-Datei verschickt, auch der Download als Wallet-Datei auf ein Smartphone ist möglich. So oder so, dieses E-Ticket wird von Kassenpersonal per Computer geprüft.

. Buchungszeitraum: Um die Eintrittskarten möglichst gerecht zu verteilen und ein Blocken des Freibads durch Massenbuchungen zu verhindern, können die E-Tickets maximal einen Tag im Voraus gekauft werden. Es sind also immer nur Buchungen für den aktuellen Tag und für den Folgetag möglich.

. Maximal-Kapazität: Vorerst dürfen während der Tagesnutzung nur 630 Personen ins Freibad; nach der 6. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wären inzwischen auch 1260 Besucher (zehn Quadratmeter Platz pro Person) möglich. „Wir fangen mit 630 Besuchern an und beobachten, wie diese sich verhalten. Schrittweise wäre es dann möglich, das Kartenkontingent auf 1260 Badegäste zu erhöhen“, sagt Michael Trautwein. „Das hängt letztlich vom Verhalten der Besucher ab unseres Freibads ab: Halten sie sich an die Mindestabstände? Oder müssen wir im negativen Fall einen Sicherheitsdienst engagieren?“

. Mund-Nasen-Schutz: Eine Maske muss nur „in geschlossenen Räumen“ getragen werden, also auf der Toilette. Umkleidekabinen und Duschen sind nicht in Betrieb. Auch die Schließfächer sollen wegen Engräumigkeit und Begegnungsverkehr nicht angeboten werden.

. Nachrücker: Die Einlasskontrolle erfolgt digital, die Auslasskontrolle analog. Wird untertags die Maximalkapazität unterschritten, kann das Kassenpersonal neue E-Tickets zur Buchung freigeben.

PayPal-Zahlung nur ab 18

. Spontanbesuche: Um nachzuvollziehen, wie viele und welche Personen im Freibad sind, ist offiziell nur der Eintritt per E-Ticket vorgesehen. Kritiker sagen, mit der Fokussierung auf E-Ticket und ausschließlich PayPal-Bezahlung würden speziell Kinder und Senioren benachteiligt. Inoffiziell heißt es, bei nicht ausgelasteter Maximalkapazität werde das Kassenpersonal in begründeten Ausnahmefällen „flexible Lösungen“ anbieten, falls jemand partout keinen Internetzugang oder ein PayPal-Konto habe. „Wir werden keine Senioren aussperren“, verspricht Rathaus-Sprecher Simon Hötzl.

So läuft es anderswo

Im Freibad im Haar werden maximal 650 Besucher zugelassen. Tickets gibt es vor Ort – je nach Auslastung werden neue Besucher eingelassen. Der Eintritt kostet vier Euro (ermäßigt drei Euro). Nur per Online-Ticket kommt man ins Michaelibad in München-Perlach (fünf Euro). Anders als in Unterhaching gibt es in diesen Bädern keine Zeitzonen. In der Therme Erding wird laut Webseite nach Zeitzonen differenziert – es kann bar bezahlt werden: 19 Euro für zwei Stunden, 35 Euro für den Tag; es gibt eine Hotline (0 81 22 / 55 00), die bei unserer Recherche allerdings mehrfach nicht erreichbar war.

Corona-Regelung ist nur der Auftakt zur Digital-Offensive

Wie viele Leute sind schon drin, wie viele passen noch rein – rote und grüne Ampelzeichen wie im Parkhaus: Eine Volldigitalisierung fürs Freibad Unterhaching ab der Saison 2021 fordern Grüne und CSU unisono in einem Antrag an den Gemeinderat. Das Interims-Modell für die aktuelle, von der Corona-Pandemie geprägten Saison zeige den Handlungsbedarf auf, sagte Armin Konetschny (Grüne). 

Er persönlich als IT-Spezialist bot an, die Gemeinde zusammen mit den Computer-Experten anderer Fraktionen „mit Rat und Tat zu unterstützen“. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) reagierte erfreut: „Externe IT-Dienstleister sind sehr teuer. Wenn wir das ehrenamtlich über entsprechend kundige Gemeinderäte abfedern können, entlastet uns das enorm.“ 

Konkret fordert Konetschny, die aktuelle Interimslösung zu optimieren. Sowohl Zu- als auch Abgang zum Freibad müssten digital kontrolliert werden, es müsse einen „transparenten Belegungsplan“ und eine „Fieberkurve für die Bevölkerung“ geben – das alles natürlich in Echtzeit. Vor Ort sollen aber auch Kartenbestellungen an einem Kassenautomaten ermöglicht werden. 

Für all das fordern Grüne und CSU einen straffen Zeitplan, von der Marktanalyse im Oktober über die Installation von Hard- und Software im März 2021 bis zum anschließenden Testbetrieb und schließlich der Freibadöffnung.

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