Es fehlen Plätze und Personal

Probleme bei der Mittagsbetreuung

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Was tun, wenn ein Kind in die Schule kommt und die Eltern berufstätig sind? Dafür gibt es in Unterhaching die Mittagsbetreuung. Doch die Plätze reichen nicht aus– eine Mutter schildert ihre Nöte: „Ich müsste aufhören zu arbeiten.“

Unterhaching– Noch ist alles in Ordnung. Die Tochter geht in den Kindergarten, wird dort bis 16 Uhr prima betreut. Nach den Sommerferien, ab dem 12. September, wird sich diese Situation schlagartig ändern: Dann beginnt für die Tochter der Schulalltag, und der endet für Erstklässler in der Regel um 11.15 Uhr.

Ingeborg H. (Name von der Redaktion geändert)klingt verzweifelt. „Ich kann eine Sechsjährige doch nicht allein zu Hause lassen“, sagt die Unterhachingerin. Nach der Elternzeit ist die vor drei Jahren in ihren Beruf als Gymnasiallehrerin zurückgekehrt, „da kann ich nicht einfach um 11.15 Uhr nach Hause gehen“. Also versuchte sie, ihre Tochter in der Mittagsbetreuung der Gemeinde unterzubringen. Ohne Erfolg. Allein an der Grund- und Mittelschule am Sportpark fehlen rund 40 Plätze, nicht viel besser sieht es an der Jahnschule aus.

Die Mutter ärgert sich – über die Gemeinde. „Ich kann doch nicht den ganzen Ort mit neuen Wohnungen zubauen, ohne gleichzeitig eine adäquate Infrastruktur zu schaffen. So etwas ist nicht nachhaltig und langfristig gedacht.“ Auch habe sie den Eindruck, „dass sich das Bemühen der Gemeinde, die Situation zu ändern, in Grenzen hält“. Und: Die Vergabe-Kriterien seien nicht transparent, die Gemeinde fordere keine Arbeitsbescheinigung ein und gewähre Betreuungsplätze an Leute, die diese inzwischen gar nicht mehr brauchten.

Zumindest letzteren Vorwurf bestreitet Rathaus-Sprecher Simon Hötzl aufNachfrage des Münchner Merkur. „Wir verlangen für jedes Hortjahr und jedes Kind eine Arbeitgeberbescheinigung“, beteuert er. Allerdings sei es teils auch Aufgabe von Trägern wie der AWO, diese Kontrollvorgaben der Gemeinde umzusetzen. Generell sagt Hötzl: „Wir wissen, dass es bei den Hortplätzen eng ist.“ Und die Nöte der Eltern kennt er. „Mit dem Schulstart gehen für viele Familien die Probleme erst richtig los.“

Die Wurzel der Schwierigkeiten sieht Hötzl freilich woanders, nämlich bei der Schulpolitik, deren Ansatz vor allem auf Ganztagsklassen ziele. „Wir sehen in der Praxis, dass die Ganztagsklassen nicht so gut angenommen werden. Das ist offenbar nicht der Weg, den Eltern sich wünschen – der Trend geht wieder mehr in Richtung Hortbetreuung.“ Die Schulpolitik gebe indes der Freistaat vor und nicht die Gemeinde Unterhaching. „Wir können lediglich die baulichen Voraussetzungen für zusätzliche Hortplätze schaffen“, sagt Hötzl. Der Kultur- und Sozialausschuss werde sich damit im Juni befassen.

Kindergarten: Fast 60 Pkä

In Unterhaching gibt es zu wenig Kindergartenplätze für Kinder, die heuer bis zum 30. September das dritte Lebensjahr vollenden. Schon in der Bürgerfrage-Viertelstunde des Gemeinderats flammte das Thema auf, als ein junger Vater monierte: „Es ist seit Jahren das gleiche Spiel, in Unterhaching gibt es zu wenige Plätze.“ 

Thomas Portenlänger, Leiter des Hauptamts, bestätigte dies teilweise: „Eigentlich haben wir 760 Kindergartenplätze, was den Bedarf in der Regel zu 100 Prozent abdeckt.“ Das aktuelle Problem: Aufgrund von Personalmangel können die kirchlichen Träger derzeit nicht alle vorgesehenen Kindergartenplätze besetzen. 56 Kinder stehen momentan auf der Warteliste, die untergebracht werden müssen. „Die Nachfrage ist sehr hoch“, weiß Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Er hofft, dass sich bis nach den Sommerferien genug Erzieherinnen finden, für die Unterhaching ohnehin schon eine Arbeitsmartktzulage von 200 Euro pro Monat zahlt. Erfahrungsgemäß beruhigt sich die Situation bis zum Spätsommer. 

Schon innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet Panzer eine gewisse Entspannung aufgrund von Eltern, die gegenseitig Plätze tauschen möchten. Bei den Hortkindern füs Sechs- bis Zehnjährige bietet Unterhaching 665 Betreuungsplätze an, auch hier fehlen noch 59. Panzer sieht die Gründe für den enormen Bedarf im starken Zuzug der vergangenen Jahre. „Eine der dringlichsten Aufgaben ist es, bei der Infrastruktur weiter nachzuziehen.“ Dazu soll auch der soziale Wohnungsbau mit günstigen Mieten für Erzieherinnen beitragen.

Rubriklistenbild: © DPA

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