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Rund 150 Interessierte sind zur Unterhachinger Bürgerversammlung ins Kubiz gekommen.

Viele Emotionen nicht nur zum Lärmschutz

Rathauschef düpiert CSU bei turbulenter Bürgerversammlung 

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Eine seltsame Kinder-Demo und ein kurioser Antrag: Bei der Bürgerversammlung in Unterhaching gab es für die einen Grund zum Schmunzeln, während andere schimpften.

Unterhaching – Ein bisschen konträr gelaufen ist das schon: Bei der Eröffnung der Unterhachinger Bürgerversammlung verwies Rathauschef Wolfgang Panzer (SPD) auf das kleine Häuflein Kinder, die sich mit Schilderbotschaften zum Thema Lärmschutz am Saaleingang des Kubiz postiert hatten. „Zusätzlich begrüßen“, sagte Panzer freundlich, „darf ich die Kinder-Demo der CSU.“ Aus deren Reihen ertönte prompt empörtes Raunen. Weil es sich doch, wie Lärmschutz-Aktivistin und CSU-Mitglied Catia Hilgart gut zwei Stunden später im Rahmen der Bürgeranfragen aufzuklären versuchte, um eine „parteiunabhängige Kinder-Demo“ gehandelt habe und nicht um eine CSU-Veranstaltung. Woraufhin Panzer die Einladung zur Demo für alle sichtbar in die Luft hielt – auf dem Zettel prangte entlarvend dick das CSU-Logo.

Kinder-Demo auf Einladung der CSU

Es war eins der vielen Scharmützel zwischen einer geballten Informationsflut seitens der Gemeinde und allerlei Emotionen im Auditorium. Die Kinder übrigens, die ziemlich verloren am Rand standen, waren nach nur 20 Minuten schon wieder weg. Mit auf den Weg gegeben hatte Panzer ihnen ein Tipp in puncto Demokratie: „Ich hätte mich wesentlich mehr gefreut, wärt ihr auch zur Jugendbürgerversammlung gekommen. Das ist die Plattform, auf der ihr euch engagieren könnt.“

Roland Roßmüller outete sich als „der Vater vom Rädelsführer der Kinder-Demo“.

Später outete sich Roland Roßmüller „als Vater vom Rädelsführer der Demonstration“. Sein Sohn war da längst daheim, also ließ Roßmüller senior seinen Demo-Dampf ab. „Der Lärm ist unerträglich“, schimpfte er. In teilweise etwas aggressiver Wortwahl wollte er letztlich wissen, wie die Gemeinde denn zehn Millionen Euro als Kosten für Lärmschutzwand oder -wall rechtfertigen wolle, obwohl Catia Hilgart doch ein Angebot über drei Millionen Euro aufgetan habe.

Panzer lässt Hilgart abblitzen

Es folgte die hinlänglich bekannte Unterscheidung zwischen Projektkosten (Sicht der Gemeinde) und Baukosten (Sicht von Catia Hilgart). Die hielt ihre Zettelsammlung in die Luft, Panzer zweifelte an der „Belastbarkeit dieser Informationen“ und bezeichnete eine Lärmschutzwand als „schönes Placebo“. Denn, so der Bürgermeister: „Himmlische Ruhe würde deshalb trotzdem nicht einkehren.“

Viele der Bürgerfragen drehten sich um Lärmschutz – für den machte sich Catia Hilgart stark.

Natürlich hatte Catia Hilgart, die selbst mehrfach zum Saalmikrofon griff („Einmal pro Jahr bekomme ich die Chance, die nutze ich jetzt“) Unterstützer mitgebracht. Zum Beispiel Oliver Wäldle, der betonte, „dass wir solche Mahner wie Frau Hilgart brauchen“, weil die Gemeinde auf „Nichtstun als Lösung“ setze und es beim Lärmschutz an Transparenz mangeln lasse. Seine etwas eigenartig klingende Warnung an Panzer: „Wir sehen uns wieder!“

Tausendfreund regt Tempo 80 an

Doch jenseits aller Gefühlsäußerungen: Welche Optionen gibt es denn beim Lärmschutz? Vize-Landrätin Susanna Tausendfreund (Grüne) aus Pullach verwies auf die Zuständigkeit, die seit dem 1.  Januar 2018 bei der Autobahndirektion Südbayern und damit bei den Ministerien der bayerischen Staatsregierung liege. Tausendfreund regte an, dass sich die beiden Unterhachinger Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer (CSU) und Claudia Köhler (Grüne) im Schulterschluss bei den CSU-geführten Ministerien für Verkehr und Inneres für Tempo 80 auf der A 995 einsetzen sollten, „dann wäre von heute auf morgen wirksamer Lärmschutz möglich“. Auch Panzer favorisiert – über Baumanpflanzungen als Geräuschpuffer hinaus – ein Tempolimit und forciert eine entsprechende Petition der Gemeinde. Sein Credo: „Der Lärm geht nicht von Unterhaching aus, sondern von der Autobahn – man muss bei der Ursache ansetzen.“

Hoffnung bei Kita-Plätzen, Ärger über Busfahrer

Aber nicht nur um Lärmschutz drehte sich der lange Abend. Beim Thema Kindergartenplätze hatte Panzer diesmal gute Nachrichten: Auch wenn bis dato rund 60 Absagen verschickt worden sind, sei er „sehr guten Mutes“, dass diesmal alle Kinder von der Warteliste bis September einen Platz bekommen. Grund dafür sind unter anderem eine verbesserte Personalsituation sowie 50 zusätzliche Plätze, die Unterhaching durch Umstrukturierungen treffen will.

Auf ein Dilemma machte Anja Vatterodt aus der Von-Stauffenberg-Straße aufmerksam. Dort sind die Bushaltestellen extra um 20 Zentimeter erhöht worden, um Senioren ein ebenerdiges Einsteigen zu ermöglichen. Genau das sei ihrer 80 Jahre alten Mutter aber nicht möglich, monierte die Bürgerin – weil die Busse zu weit von der neuen Bordsteinerhöhung entfernt halten würden: „Mit Rollator haben Sie keine Chance.“ Vize-Landrätin Tausendfreund sah darin ein „vertragswidriges Verhalten“ der Busfahrer und versprach umgehende Prüfung.

Unwissenheit beim Friedensplatz

Das Schlusswort übernahm Catia Hilgart. Nicht zum Lärmschutz, sondern zum Friedensplatz, dessen Neugestaltung sie zu stoppen versucht. Ihr finaler Zusatzantrag an den Bürgermeister: „Machen Sie daraus eine verkehrsberuhigte Zone.“ Eine sachlich wirre Forderung, die Panzer fast die Sprache verschlug – denn just dieser Bereich wurde 1978 zur bundesweit ersten verkehrsberuhigten Zone deklariert. Was Panzer zuvor übrigens ausführlich erläutert hatte. Sein Fazit: „Jetzt bin ich schon etwas geplättet.“

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