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Mehrere nicht genehmigte Gartenhäuser sind jetzt in Unterhaching aufgeflogen. 

Schwarzbauten am Oberweg

Im Garten wuchern die Bausünden

  • vonAndreas Sachse
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Ein Wust von Bausünden ist in einer Wohnsiedlung anscheinend Jahre lang unentdeckt geblieben. Ein unzufriedener Nachbar durchbrach die Mauer des Schweigens.

Unterhaching – Als einziger Bewohner der Siedlung am Oberweg hatte der Nachbar die Gemeinde um ihren Segen gebeten, die Vorgaben des Bebauungsplans für sein Gartenhäuschen ein wenig großzügiger auszugestalten. Das Bauamt spielte nicht mit.

Der Anlieger reagierte verschnupft, verwies auf eine Reihe von Verstößen gegen den Bebauungsplan. Die Recherche von Mitarbeitern des Bauamts bestätigten die Informationen. In dem Gebiet zwischen Glonner Weg, Hans-Durach-Straße und Pfarrer-Schmid-Weg scheinen sich über die Jahre „verschiedene Größen und Ausführungen“ der in ihren Ausmaßen eigentlich genormten Gartenhäuschen manifestiert zu haben.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) ist verärgert: Gartengerätehäuser in der Siedlung sollten in einheitlicher Form gestaltet sein, sagte er. Das heißt: die Häuschen aus Holz, maximal fünf Quadratmeter Grundfläche, ein Flachdach und höchstens 2,20 Meter bis zum Dach.

Welchen Wert die von den Baureferenten der Fraktionen mit dem Bauamt vereinbarte Regelung in der Realität genießt, belegt der jüngste Antrag eines Anwohners. Das Häuschen im Pfarrer-Schmid-Weg soll aus Metall sein und ein geneigtes Flachdach bekommen. „Metall, alle möglichen Größen, mit überdachter Terrasse und ohne – da draußen sind all Spielarten zu finden.“

Das Rathaus listet neun Verstöße auf. Einige Gartenhäuschen sind fast doppelt so groß, wie vorgesehen. In zwei Fällen sind die Ausmaße nicht eindeutig zu erkennen. Auf den vorliegenden Luftbildern lässt sich die Grundfläche der Häuser nicht zweifelsfrei ermitteln.

Eine Zeit lang war ungewiss, wie darauf zu reagieren war, dass eine komplette Siedlung nahezu geschlossen Bauvorgaben ignoriert. „Die Leute kommen zu uns“, mühte sich Geschäftsbereichsleiter Stefan Lauszat um Verständnis: „Sie hätten Geld für ihre Häuschen ausgegeben.“ Die überwiegende Mehrheit des Bauausschusses aber war sich einig: Warum reden? Die Vorgaben sind eindeutig!

SPD-Baureferent Dieter Senninger warnte davor, Präzedenzfälle zu schaffen. Andererseits: Beschweren sich die Nachbarn nicht – warum einen Keil reintreiben? „Es ist ja schon gebaut...“

Wie sein Vorredner schien CSU-Baureferent Franz Felzmann in seiner Ansicht ebenso gespalten. Einerseits plädierte er dafür, „dem Bürger etwas mehr Spielraum zu lassen, flexibler umzugehen mit dem Bebauungsplan.“ Auf der anderen Seite fürchtet Felzmann um die Folgen. „Heute acht Quadratmeter. Der nächste kommt mit zwölf Quadratmetern mehr.“

Gertraud Schubert (Grüne) sind die Verstöße zu umfassend, die Häuschen zu groß geraten. Schubert sprach von Schwarzbauten: „Wir haben so was schon mal abreißen lassen!“

Die Gemeinde jedenfalls habe ihrer Pflicht genüge getan. Da lässt Bürgermeister Panzer keinen Zweifel aufkommen. „Reichen wir es also weiter.“ Das Landratsamt möge sich mit den vom Rathaus geschaffenen Tatsachen in Form eines Bebauungsplans und den Verstößen durch die Gartenhausbesitzer befassen.

Durchaus bemerkenswert findet Panzer, wie sich die Sache entwickelte: Nimmt sich ein Anwohner ein paar Extras heraus, laufen Nachbarn gewöhnlich Sturm. „Das haben wir hier gerade nicht.“ Stattdessen bog sich der nächste den Bebauungsplan zurecht. Der nächste und wieder der nächste... Bürgermeister Panzer weiß um den Nutzen einer Lektion in Sachen nachbarschaftlichen Gebens und Nehmens für die Zukunft.

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