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Die Entdeckerin von Marcel Nguyen

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Von: Martin Becker

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Der TSV Unterhaching wäre ohne sie wohl nicht der Sportverein, der er heute ist: Seit einem halben Jahrhundert engagiert sich Ursula Staudter als Übungsleiterin für den Verein. Von ihrem Einsatz profitierten schon unzählige Sportgruppen - und ein erfolgreicher Olympiateilnehmer.

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1 / 750 Jahre TSV Unterhaching hat Ursula Staudter dokumentiert. © Foto: Martin Becker
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2 / 71973 mit ihrer Gymnastikgruppe. © Foto: privat
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3 / 7Ursula Staudter wie man sie kennt - immer in Bewegung. © Foto: privat
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4 / 7Die Formationen für Gruppentänze  plante sie oft mit Hilfe von Spielfiguren. © Foto: privat
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5 / 7Viele kleine Sportler hatte Ursula Staudter unter ihren Fittichen. © Foto: privat
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6 / 7In Reih und Glied: Ursula Staudter prägte die Damengymnastikgruppen. © Foto: privat
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7 / 7TSV-Präsident Wolfgang Krühler ehrte Ursula Staudter für ihr langjähriges Engagement. © Foto: privat

Unterhaching – Wer weiß, ob Marcel Nguyen jemals seine zwei Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewonnen hätte? Ohne Ursula Staudter möglicherweise nicht: „Der Bub muss unbedingt zum Leistungsturnen!“ Das sagte, am Rande einer Kinder-Turnstunde, die erfahrene Übungsleiterin einst zur Mutter des späteren Kunstturn-Stars. Ursula Staudter hat das Talent des damals Sechsjährigen sofort erkannt, sie ist gewissermaßen die Entdeckerin von Marcel Nguyen.

iese Episode, vom dreimaligen Olympia-Teilnehmer später in einem Radio-Interview genauso erzählt, hat sich vor 25 Jahren zugetragen. Verdoppelt man diese Zahl, ergibt sich die Zeitspanne, seit sehr Ursula Staudter ununterbrochen als Übungsleiterin für den TSV Unterhaching im Einsatz ist: Seit einem halben Jahrhundert gibt die inzwischen 74-Jährige Sport- und Gymnastikkurse – dafür ist sie jetzt von TSV-Präsident Wolfgang Krühler geehrt worden.

„Meinen Stil habe ich immer beibehalten. Ich lasse nichts einfach durchlaufen – jede Übungsstunde ist genau durchdacht“, erklärt Ursula Staudter, als wir sie zu Hause besuchen, wo sie Foto-Alben aus 50 Jahren ausgebreitet hat – wofür zwei Tische nicht ausreichen. Zwischen den unzähligen Bildern sind auch Notizblätter abgeheftet, auf denen die 74-Jährige penibel genau ihre Kurse dokumentiert hat. Mit Strichen und Bögen, kleinen Skizzen, Worten und Zahlen. „Schulter, Beine, Rumpf und Hirn – man muss sich einen Tanz merken – kommen zum Aufwärmen dran. Und zum Schluss ein folkloristischer Tanz. Oder Dehnübungen.“ Die macht sie spontan vor, animiert zum Mitmachen: „Los, Schultern hoch – ab, hoch – ab.“ Auch welche Musik zu welcher Übung passt: Jedes Detail steht auf Ursula Staudters geheimen Listen. „Typisch Lehrerin halt“, schmunzelt sie.

Ein Vollprofi für die Vereinsreihen

Als Lehrerin kam die gebürtige Freisingerin 1967 nach Unterhaching, wohin sie versetzt wurde, an die Jahnschule. Zwei Jahre später gewann der TSV Unterhaching die junge Sport- und Werklehrerin für den damals stark expandierenden Verein. Und hatte somit einen Vollprofi in seinen Reihen: eine staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin.

1970 wechselte die junge Trainerin den Nachnamen, aus Mühlbauer wurde Staudter – sie heiratete den heutigen Heimatpfleger. Ihr Mann Günter Staudter schwärmt heute noch davon, wie seine Frau den Verein mitgeprägt hat: „Von ihrem Einfallsreichtum profitiert nicht nur die Damengymnastik, sondern auch das Eltern-und-Kind-Turnen. Sogar der Bayerische Landessportverband holte Ursel in sein Lehrteam, so konnte sie ihr Wissen und Können an viele Übungsleiter in Oberbayern weitergeben.“

Ins Rampenlicht gerückt war Ursula Staudter mit ihren vereinten Gymnastikgruppen erstmals 1973: zur Eröffnung der Hachinga-Halle. 70 Damen in lindgrünen und rosafarbenen Trikots tanzten damals zum krönenden Abschluss moderne Formationen. Es war die Geburtsstunde der Show-Tanzgruppe des TSV, die später bei Sportlerehrungen und Jubiläen immer wieder große Auftritte hatte und auch den Fasching bereicherte. Die Formationen tüftelte sie übrigens mit Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfiguren aus, testete auf diese Weise die Tänze in spe vorab daheim.

Ihr umfangreiches Repertoire erarbeitete sich Ursula Staudter aus intensiver Weiterbildung durch Lehrgänge und Selbststudium, machte auch Angebote an den Volkshochschulen in Unterhaching und Ottobrunn. Viele, die als Kleinkinder bei ihr turnten, kamen als Erwachsene wieder zu den Gymnastikkursen. Unzählige Bewegungsfreudige hat Ursula Staudter in all den Jahren angespornt. Und so manches Talent aufgespürt. Wie Marcel Nguyen.

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