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Rückwärtssalto vom Zehn-Meter-Turm: Lukas Lenz stürzt sich in die Tiefe. 

Die spektakulären Kunststücke der „Splashdiver“

Sie sind die Stars am Freibad-Sprungturm

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Wenn Maxi Forster, Timo Fechner und ihre Freunde auf den Sprungturm im Unterhachinger Freibad klettern, ist was geboten. Denn die sogenannten „Splashdiver“ versuchen, nicht nur beim Springen eine möglichst gute Figur zu machen, sondern auch so im Wasser zu landen, dass es ordentlich spritzt.

Unterhaching– Auf dem Online-Video-Portal „Youtube“ gibt es mehrere kurze Filmchen der selbst ernannten „Splashdiving Unterhaching Elite, in denen die Spaßsportler ihr Können zeigen. Die Figuren, die sie versuchen, möglichst fehlerfrei ins Wasser zu bringen, heißen Rodeo, Salto, Backflip oder Auerbach – und viele von ihnen stammen von der Sportart Wasserspringen, für die es seit 1904 auch Medaillen bei den Olympischen Spielen zu gewinnen gibt. Zur olympischen Disziplin hat es das Splashdiving, auch X-Diving genannt, noch nicht gebracht, aber erst Ende Juli fand die Splashdiving-Weltmeisterschaft in Sindelfingen statt, bei der sich die Sportler mit spektakulären Sprüngen zu übertreffen versuchten.

So eine Bühne brauchen die Hobby-Springer vom Unterhachinger Freibad nicht. „Uns geht es in erster Linie darum, Spaß zu haben“, sagt Maxi Forster. Der 23-jährige Unterhachinger ist seit der Kindheit Stammgast im Schwimmbad. Doch dass er regelmäßig auf den Sprungturm klettert, ist alles andere als selbstverständlich. Forster hat nämlich Höhenangst. „Ich war früher der größte Hosenscheißer“, gibt er unumwunden zu.

Um seine Angst in den Griff zu bekommen, hat er vor Jahren beim TSV Unterhaching mit dem Klettern begonnen. Und mit Lukas Lenz, dem Sohn eines Kletter-Spezls, und weiteren Freibad-Bekanntschaften sorgt er nun schon seit rund drei Jahren regelmäßig für Unterhaltung am Sprungturm.

Der erste Sprung tat richtig weh

Dabei war die Sprungpremiere aus zehn Metern Höhe für ihn kein großartiges Erlebnis. „Der erste Sprung vom 10er war nicht cool. Ich habe die Arme beim Flug weggestreckt, sie sind mit der vollen Breitseite auf dem Wasser aufgeschlagen und waren danach dunkellila.“ Doch trotz blauer Flecken und Höhenangst ist Forster wieder und wieder nach oben geklettert. „Wenn man erst einmal checkt, wie man im Wasser landen muss, ist es leicht.“ Nach und nach haben der 23-Jährige und seine Freunde die verschiedensten Sprünge und Techniken ausprobiert. Für die Spektakulärsten zeichnet Lukas Lenz verantwortlich. Der 18-Jährige trainierte früher als Kunstturner. Sein Körper ist entsprechend beweglich, sodass er beim freien Fall am wenigsten Probleme mit der Ausrichtung hat. „Er schafft auch einen dreifachen Rückwärtssalto vom 10er“, erzählt Forster anerkennend.

Sie haben den Sprung raus: (v.l.) Lukas Lenz, Alexander Löffler, Timo Fechner, Tobi und Maxi Forster.

Dass man den Körper während des freien Falls perfekt ausrichtet, ist beim Splashdiving aus zweierlei Gründen wichtig. „Wenn du aus diesen Höhen springst, ist das Wasser beim Aufkommen echt hart“, erklärt der Spaßsportler. Um möglichst starke Prellungen und blaue Flecken zu vermeiden, müsse man mit der richtigen Haltung eintauchen. „Und natürlich geht es auch darum, dass man so aufkommt, dass die Leute richtig nass werden.“

Nicht selten werden oben auf dem Turm sogar interne Wettkämpfe ausgetragen. „Wir schauen dann, wer am weitesten in die Liegewiese reinspritzt oder es schafft, einen Sonnenschirm beim nahe gelegenen Kiosk zu treffen.“ Nicht immer finden es die Leute lustig, wenn es nach einer Arschbombe so spritzt, dass sie am Ende wie eben geduscht neben dem Becken stehen. „Aber wer ins Schwimmbad geht, der sollte damit rechnen, dass er nass wird“, sagt Forster nur.

Bademeister drücken ein Auge zu

Die meisten Badegäste fänden es lustig, beteuert er. Und die Bademeister würden in der Regel bei den Eskapaden der Unterhachinger „Splashdiving Elite“ein Auge oder sogar zwei zudrücken. „Man kriegt aber ein Gefühl für die Sprünge und kann einschätzen, wie weit man gehen darf“, sagt Forster. Ernsthafte Verletzungen habe jedenfalls noch keiner aus seiner rund 15-köpfigen Springer-Gemeinschaft erlitten.

Damit’s nicht zu weh tut, wenn man falsch aufkommt, schlüpfen einige der Unterhachinger Splashdiver mittlerweile in Neopren-Anzüge. Timo Fechner schwört auf den Anzug. „Er ist ein guter Schutz gerade für die Oberschenkel und den Rücken“, sagt der 23-jährige Unterbiberger, ebenfalls ein Sprung-Veteran. Er ist der Filmemacher in der Truppe, setzt seine Kumpels auf „Youtube“ in Szene. Die Filme würden aber mittlerweile nicht nur zum Spaß gedreht, sondern dienten auch dazu, im Nachhinein Sprünge zu analysieren und die Sprungtechnik zu verbessern, betont Fechner: „Schließlich wollen wir den Familien am Beckenrand ja eine große Show bieten.“

Video bei Youtube

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