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Zwei Schläge hat Markus Probst gebraucht, um das Fass anzuzapfen. Dann spritzte das Starkbier, sodass CSU-Ortsvorsitzender Michael Stiller (r.) Sorge um seinen feinen Janker hatte. Fraktionsvorsitzender Richard Raiser und die neue Sozialministerin Kerstin Schreyer sind wohlweislich in Deckung gegangen. 

CSU Unterhaching

„Auch kleine Zwerge werfen große Schatten“: Abrechnung mit Seehofer bei CSU-Starkbierfest

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Beim Starkbierfest der CSU in Unterhaching präsentierte sich Krüglredner Alfons Hofstetter in Bestform. Zu Gast war auch Kerstin Schreyer, die an diesem Abend ihren ersten offiziellen Auftritt als neue bayerische Sozialministerin hatte. 

Unterhaching – Als die Kapelle plötzlich den bayerischen Defiliermarsch intonierte, ahnten die rund 300 Gäste in der festlich dekorierten Hachinga-Halle, dass beim Starkbieranstich der Unterhachinger CSU etwas Besonderes bevorstand. Zum ersten Mal in der jahrzehntelangen Tradition der Veranstaltung stand heuer eine Ministerin auf der Bühne: Für Kerstin Schreyer war der spritzige Anstich – Markus Probst als Fass-Anzapfer benötigte zwei Schläge – der erste öffentliche Auftritt seit ihrer Ernennung zur bayerischen Sozialministerin.

Das „Heimspiel“ der Unterhachingerin ging einher mit einer weiteren Premiere, denn neben Kerstin Schreyer stand bei der Anmoderation des Abends erstmals Michael Stiller hinterm Mikrofon. „Es gibt etwas Neues: in diesem Jahr – mich“, stellte er sich selbst vor für den Fall, dass jemand nicht mitbekommen haben sollte, dass Stiller zwischen den Starkbieranstichen 2017 und 2018 von Stefan Zöllinger den Vorsitz im CSU-Ortsverein übernommen hatte (wir berichteten).

Launig eröffnete der neue Unterhachinger CSU-Chef in dezentem Dialekt den Abend, musste nur einmal kurz verschwinden, um den Blumenstrauß für die neue Sozialministerin zu suchen. „Ich habe die Kerstin politisch vom ersten Tag an begleitet“, blickte Stiller auf viele gemeinsame Jahre zurück. Fürs gemeinsame Foto ermunterte Kerstin Schreyer ihren Wegbegleiter: „Los Michi, wir sollen lächeln – ja, lächeln können wir!“

Zu lachen gab’s auch danach allerhand, wenngleich dem ein oder anderen – je nach politischer Couleur – die Mundwinkel vor Schreck erstarrten. Denn der langjährige Krüglredner, Professor Alfons Hofstetter, muss mangels Parteizugehörigkeit ja keine Rücksicht nehmen. Und heuer feuerte der 79-Jährige verbal so intensiv wie lange nicht mehr seine Spitzen ab. Auf 24 DIN A4-Seiten brachte es diesmal Hofstetters Redemanuskript, inklusive diverser Zwischendurch-Schlucke aus dem Starkbierkrug vergingen eine Stunde und 17 Minuten, ehe ihn das Publikum mit stehenden Ovationen von der Bühne verabschiedete.

Hofstetter unternahm einen humorigen Streifzug durch die große und kleine Politik. Er echauffierte sich über den „wild gewordenen Großpascha mit Außenstelle Deutschland“ (Erdogan), den „kleinen Dicken aus Nordkorea“ (Kim Jong-un), das „französische Mutter-Buberl“ (Macron), die „gefräßige schwarze Witwe“ (Merkel), den mehrfach zitierten „Mann aus Würselen“ (Schulz) und natürlich seinen ganz speziellen Freund, den „Drehhofer“ (Seehofer). Aber auch Lokalpolitiker bekamen ihr Fett weg, wie „der Moses der CSU“ (Richard Raiser) und der „Geist, der stets verneint“ (Franz Felzmann).

Als besonderen Gag präsentierte Hofstetter, als er Altbürgermeister Erwin Knapek veralberte, „die Gelddruckmaschine, die ich in einem Grünwalder Müllhäusl gefunden habe“. In Anspielung auf Knapeks einstige Geothermie-Prophezeihungen steckte er unter brüllendem Gelächter im Saal erst Zehn-Euro-Scheine hinein – und Fünfer kamen heraus. „Weil das zu aufwendig ist, probieren wir es jetzt mit Lokuspapier!“ Und siehe da, auch Toilettenpapier wurde in Hofstetters Händen zu Geld. „Es gibt sie also, die Gelddruckmaschine, die Herr Knapek erfunden hat – in Grünwald.“

Am Ende sagte Hofstetter einen Satz, der aufhorchen ließ: „I woaß ned, ob i mir nächstes Jahr den Stress mit oana Krüglrede nochmals antue.“ Der Abschied von der großen Bühne? Auf die Frage sagte Hofstetter, einen Krug Starkbier später, gegenüber dem Münchner Merkur: „Wer soll’s denn sonst machen?“ Es scheint so, als wolle Hofstetter auch mit 80 nochmal eine Kostprobe seines Pointen-Feuerwerks heben.

Die besten Sprüche aus der Starkbierrede

„Was sind das für Volksvertreter in Berlin, die andere ,auf die Fresse hauen‘, ehemalige Parteigenossen ,Idioten‘ nennen und unbequeme Bürger als ,Pack‘ bezeichnen? Cicero würde sagen: Oh tepora, oh mores!“ (über Andrea Nahles, neue Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion)

„In Bayern jagten sich monatelang Seehofer und Söder wie Tom und Jerry. Nachdem der Tom während seiner Berliner Jamaika-Verhandlungen in München die Übersicht verloren hatte, saß plötzlich der Jerry über dem Ministerpräsidentensessel und war da nicht mehr wegzubringen.“ (über Horst Seehofer und Markus Söder)

„Die Lachnummer aus Brüssel, wo sollte sie auch sonst herkommen: Die Hachinger Wirte dürfen keine Steinkrüge mehr verwenden, da man nur in Glaskrügen die Bierschaumhöhe feststellen kann. Die Expertenkommission tagte drei Jahre, um dieses Ergebnis zu erarbeiten – jetzt erkennt Ihr, warum dieses Europa nicht funktionieren kann.“ (zur EU)

„Primär ist die Unterhachinger Luft frei von Schadstoffen. Wenn man was findet, so kann das nur der Mief aus München sein.“ (zur Diesel- und Feinstaubdebatte)

„Seit über 40 Jahren wird in jeden Wahlprogramm ein Verkehrskonzept für Unterhaching angekündigt – passiert ist bis heute nix. Ich wette mich Euch, im Wahlprogramm 2020 steht das Gleiche die 1972.“ (zum Verkehr)

Auf 24 Seiten brachte es diesmal Alfons Hofstetters Redemanuskript. Am Ende applaudierte das Publikum mit stehenden Ovationen.

„Am Tag der ,offenen Gartentür‘ hielt der Grünen-Guru, der Hofreiter, in Unterhaching eine Kapuzinerpredigt gegen die Fleischfabrik Deutschland. Wenn‘s nach dem ginge, gäb‘s keinen Schweinsbraten mehr, keinen Biflamott und keinen Rostbraten, sondern nur Kraut und Rüben, garniert mit Heuschrecken.“ (zu Kulinarik)

„Vielleicht wäre es gut, wenn wir wieder Hunde-Klos einführen wie in den 70er Jahren und nur der Hund Gassi gehen darf, der vom Bauamt eine Bescheinigung hat, dass er in der Lage und Willens ist, diese Klos zu benutzen.“ (zur Hundeschmutz)

„Beim Bürgerfest ließ Bürgermeister die Burschen anzapfen – angeblich wegen deren Jubiläum. In Wirklichkeit wollte er vermeiden, dass er wieder 13 Schläge fürs Anzapfen braucht und dann alle in nassen Unterhosen herumstehen.“ (zur Kunst des Anzapfens)

„Ende Februar kündigte Horst Seehofer an, durch seinen und den Wechsel von Frau Kramp-Karrenbauer sowie des Herrn Scholz nach Berlin werde das Politik-Niveau deutlich gehoben. Ich habe da meine Zweifel: Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge große Schatten.“ (zur neuen Bundesregierung).

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