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Statt Kuscheltiere für die Kleinen: Stiftung ermöglicht Kinderheim-Mitarbeitern Schulungen

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Von: Martin Becker

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„Schulungen statt Spielzeug“: So heißt ein Projekt der Archimedes-Stiftung aus Unterhaching, das Geschäftsführer Klaus Weidlich und seiner Tochter Mirjana am Herzen liegt. Differenziertes Wissen nötig Ein Stofftier allein nützt nicht
„Schulungen statt Spielzeug“: So heißt ein Projekt der Archimedes-Stiftung aus Unterhaching, das Geschäftsführer Klaus Weidlich und seiner Tochter Mirjana am Herzen liegt. Differenziertes Wissen nötig Ein Stofftier allein nützt nicht © mbe

Weil es an Sachspenden nicht mangelt, hat sich die Archimedes-Stiftung ein etwas andere Weihnachtsgeschenk für Kinderheime überlegt. Sie ermöglicht hochwertige Schulungen für Mitarbeiter.

Unterhaching/Putzbrunn – Natürlich gehört ein Schmusestofftier dazu. Ein Teddybär, ein Kuschelhase. Doch daran mangelt es gar nicht, und darin liegt das Problem: dass viele Menschen eine antiquierte Vorstellung von Kinderheimen haben wie dem Salberghaus in Putzbrunn. Dort türmen sich, besonders in der Vorweihnachtszeit, eine Vielzahl von Geschenkspenden. Eine Inflation gut gemeinter Zuneigung – dabei könnte etwas anderes viel dringender gebraucht werden: nämlich hochwertige Schulungen, die nicht mehr ins Budget der staatlichen Förderung passen.

„Schulungen statt Spielzeug“ lautet eine Initiative der Archimedes-Stiftung aus Unterhaching. Auf die Idee kam deren Geschäftsführer Klaus Weidlich über seine Tochter Mirjana (25), die im fünften Semester Sozialarbeit studiert und zuvor ein Praxissemester im Salberghaus absolviert hat. Ihr Eindruck: „Ob Kleidung, Spielzeug oder Freizeitaktivitäten – die Kinder dort haben alles.“ Das Bild von einem Kind, das in verschlissener Kleidung auf seinem Bett in einem Massenschlafsaal sitzt, sei „ein seit Jahrzehnten überholtes Klischee“. Bei aller Liebe, die manch einer in Geschenke stecke, statt zu vieler Sachspenden seien in der Praxis gezielte Investitionen in Schulungen sinnvoller.

„Wir begrüßen die Initiative sehr“

„Wir begrüßen die Initiative sehr, da kompetente und engagierte Mitarbeiter mit Herz für unsere Kinder sehr wichtig sind“, sagt Agnes, die Leiterin des Salberghauses. „Für kleine Kinder, und vor allem kleine Kinder in Not, sind verlässliche und kompetente Bezugspersonen lebenswichtig.“ Oft gebe es eine „schwierige Vorgeschichte“, und die führe dazu, dass diese teils traumatisierten Kinder kaum in der Lage sind, mit Erwachsenen zu kommunizieren. „Mitarbeiter benötigen differenziertes Wissen und Austausch, damit sie möglichst gut die Bedürfnisse des Kindes verstehen und entsprechend reagieren können“, berichtet Agnes Gschwendtner. „Wir organisieren daher schon seit sieben Jahren Weiterbildungen in Traumapädagogik und haben ein hauseigenes Fortbildungsprogramm.“

Genau hier, wenn die finanziellen Mittel nicht mehr ausreichen, setzt die Initiative der Archimedes-Stiftung an. „Uns geht es um qualitativ hochwertige Schulungen, die nicht mehr vom Budget der staatlichen Förderungen gedeckt sind“, sagt Stiftungs-Geschäftsführer Klaus Weidlich. „Wer in einen dieser rund 1500 Euro teuren Fortbildungskurse investiert statt in Weihnachtsgeschenke, tut letztlich den Kindern Gutes. Und das auf Dauer.“

„Es gibt zweimal die ,Mama‘“

Ein typischer Fall aus der Praxis, erzählt Mirjana Weidlich, sei die sogenannte Bereitschaftspflege. Weil die leiblichen Eltern, beispielsweise wegen Drogenabhängigkeit, sich nicht um ihr Kleinstkind (meist null bis drei Jahre) kümmern können, komme dieses in eine Pflegefamilie, in der Regel für zunächst ein Jahr. „Wie erkläre ich solch einem Kind später, warum es nicht bei seinen eigentlichen Eltern lebt? Und was ist, wenn die leiblichen und die Pflegeeltern sich mit dem Kind auf dem Spielplatz begegnen – wie geht man um mit dieser Situation?“

Speziell der Prozess der Bindungen und wenn diese sich ändern, das sei „extrem schwierig“, für Kinder wie Pflegeeltern gleichermaßen, hat Mirjana Weidlich in ihrem Praktikum im Salberghaus beobachtet. „Es gibt zweimal die ,Mama‘ – damit emotional im Sinne des Kindeswohls umzugehen, das ist nicht einfach.“

Ein Stofftier allein nützt nicht

Ein Stofftier allein nützt nicht, eine Schulung der Beteiligten schon. „Wir freuen uns sehr über die finanzielle Unterstützung von Spendern, um externe Referenten buchen zu können“, sagt Agnes Gschwendtner. Relevante Themenfelder seien unter anderem Bindung und Versorgung kleiner Kinder „sowie die Unterstützung der Psychohygiene von Mitarbeiter“.

Zum Thema Sachspenden ans Salberghaus, gerade vor Weihnachten, sagt die Leiterin: „Gute Zusammenarbeit und rechtzeitige Planung sind wichtig. Es gibt im Großraum München viele Firmen, die sogenannte Geschenkbäume aufstellen möchten. Es kommt vor, dass sich neue Firmen melden, die gerne beschenken wollen und denen wir dann absagen müssen. Das finde ich schade, weil mit einer Geldspende wichtige größere Anschaffungen getätigt werden könnten.“ Unter anderem, über die Archimedes-Stiftung, in gezielte Schulungen.

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