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Eins der Neubaugebiete in Unterhaching, hier an der Biberger Straße. 

Einwohnerprognose

Unterhaching stellt die Weichen für 2030

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Wie sieht Unterhaching in elf Jahren aus? Um kommunalpolitisch nicht ins Blaue zu planen, hat die Gemeinde eine Studie in Auftrag gegeben zur Einwohnerprognose bis 2030. Das ist das Ergebnis: 

Unterhaching– Heike Pethe vom Büro für räumliche Entwicklung stellte im Gemeinderat jetzt die Ergebnisse vor. Ziel der Untersuchung war es, die Veränderungen bei der demografischen Entwicklung herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie sich der Wandel auf die Bedarfe in den einzelnen sozialen Infrastruktureinrichtungen auswirkt.

Um statistisch gesicherte Werte zu erhalten, hat Heike Pethe sowohl die Geburten- und Sterberate berücksichtigt als auch die Siedlungsentwicklung, also den Zuzug durch Neubau oder Nachverdichtung. Dank der sehr präzisen Daten der Bauverwaltung konnte sogar ein „Einwohnerpotenzial pro Flurstück“ ermittelt werden.

Theoretisch könnte Unterhaching bis 2030 durch Nachverdichtung um 5050 Einwohner wachsen, doch die reelle Analyse von Bauanträgen ergibt ein moderateres Bild: Von 27 354 Einwohnern im Referenzjahr 2017 wird die Zahl bis 2030 ansteigen auf 28 986, was einem Plus von 5,5 Prozent entspricht.

Spannender ist aber die Frage, wie sich dieser Zuwachs altersmäßig verteilt. Laut Gutachten steigt die Zahl der Kinder um etwa 800 (plus 18,9 Prozent), am stärksten bei den Zehn- bis 14-Jährigen, gefolgt von den Sechs- bis Neunjährigen. Das heißt, es ziehen vor allem Familien mit schon schulpflichtigen Kindern hinzu. „Eine enorme Steigerung“, sagte die Gutachterin, die Unterhaching in die beiden Schulsprengel aufgeteilt hatten. Vor allem für die Grund- und Mittelschule am Sportpark würden sich ab 2022 Kapazitätsengpässe abzeichnen. Auch der Bedarf nach Mittagsbetreuung und Ganztagsschule steige, 2027 werde das Spitzenjahr sein. Nur gemächlich verläuft dagegen der Anstieg bei Krippen- und Kindergartenkindern – und flacht Mitte der 2020er Jahre wieder ab.

Interessant ist auch die Entwicklung am anderen Ende der Alterspyramide. Während der Einwohneranteil der 65-Jährigen relativ konstant bleiben soll (plus 2,9 Prozent), rechnet Heike Pethe in der pflegerelevanten Gruppe hochbetagter Senioren bis einem Plus von 12,6 Prozent bei den über 80-Jährigen, wobei der Frauenanteil gegenüber den Männern deutlich höher liegt.

Das Resümee der Gutachterin: hohes Wachstum bei schulpflichtigen Kindern und älteren Senioren, gute Betreuungsinfrastruktur für unter Sechsjährige, wachsender Pflegebedarf sowohl ambulant als auch stationär.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) kündigte an, die Gemeinde werde natürlich „nicht bis 2030 warten, sondern in den nächsten zwei Jahren die Weichen für die Zukunft stellen“. Grundsätzlich sieht er Unterhaching „auf dem richtigen Weg, wir haben unsere Hausausgaben gemacht“. Nun gebe es „eine kurze Verschnaufpause“, bevor die Einwohnerzahl für einige Jahre steige. Insbesondere auf den von Heike Pethe empfohlenen Zehn-Prozent-Puffer bei der Mittagsbetreuung für Schüler werde man zeitnah reagieren müssen.

Florian Riegel (FDP) freute sich über „belastbares und solides Zahlenmaterial“, das den Kommunalpolitikern helfe, „besser und informierter zu entscheiden“. Allerdings erlebte Riegel auch einen Aha-Effekt: Nämlich, dass das Büro von Heike Pethe 2008 schon mal eine Prognose erstellt hatte, diese aber den Gemeinderäten nie zur Verfügung gestellt, sondern nur intern von der Verwaltung genutzt wurde. „Warum, Herr Bürgermeister“, attackierte Riegel den Rathauschef frontal, „lief so viel planlos statt planvoll?“ Dies sei „in keiner Weise geschehen“, wies Panzer den Vorwurf energisch zurück: „Uns hat immer ausgezeichnet, dass wir schnell reagieren.“

Georg Thurnes (parteiloses Mitglied der CSU-Fraktion), als promovierter Mathematiker erfahren im Umgang mit Statistiken, wirkte nicht ganz zufrieden. Er sprach von einem „Stich in den Nebel“ und fand das Gutachten „hinten heraus etwas schwach“: Man müsse über 2030 hinaus, wenn die Generation der Baby-Boomer in den Ruhestand gehe, denken – insofern sei manches zu knapp kalkuliert und nur „das absolute Minimum“. Monika Kormann-Lassas (SPD) versprühte derweil „die Zuversicht, dass wir immer Lösungen gefunden haben“.

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