Wegen Personalmangel können Kindergartenplätze nicht belegt werden

Unterhachinger Eltern am Rande der Verzweiflung

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Rund 100 Kindergartenplätze können in Unterhaching nicht belegt werden. Der Grund: Es fehlen Erzieher. Im Gemeinderat waren 30 verzweifelte Eltern anwesend. Eine Mutter war sogar den Tränen nahe. 

Unterhaching – Eine Mutter war den Tränen nahe. „Sie zwingen mich in die Knie“, sagte sie. „Ich muss also kündigen und mich arbeitslos melden?“

Die Not von knapp 30 Eltern: spürbar groß bei der öffentlichen Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses im Unterhachinger Rathaus. Zuvor hatte Thomas Portenlänger, Leiter des Geschäftsbereichs „Soziales, Bildung und Kultur“, einen Bericht zur Kinderbetreuung vorgetragen. Seine Ausführungen machten wenig Mut, und Portenlänger räumte ein: „Für viele Eltern ist das eine ganz üble Situation.“

Die sieht konkret so aus, dass von den 697 Kindergartenplätzen nach derzeitigem Stand 100 nicht belegt werden können. Und zwar mangels Personal. „Uns fehlen zwei Leitungen, sechs Erzieherinnen und fünf Kinderpflegerinnen“, rechnete Portenlänger vor. „Wären diese Stellen schon besetzt, müssten Sie alle nicht hier sitzen.“

So aber mussten die Eltern zuhören und erfahren, dass ihnen eine Zitterpartie bis zum ersten Kindergartentag nach den Schulferien droht. Denn offenbar ist die Gemeinde mit ihrem Latein am Ende, was die Bemühungen um Fachkräfte angeht. „Wir schreiben permanent Stellen aus, schalten außerdem seit Monaten Radio-Spots, inserieren außerdem bei Facebook, zahlen eine Arbeitsmarktzulage und bieten Mitarbeiter-Wohnungen an“, sagte Portenlänger und fügte mit einem Seufzer hinzu: „Das alles leider ohne großen Erfolg.“

Was nun also? „Der Markt für Kindergartenpersonal ist grundsätzlich leergefegt“, sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Allerdings habe die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt, dass all jene, die sich beruflich verändern wollen, dies meist nach Ablauf des Kindergartenjahrs tun und insofern in den Sommerferien Bewegung in die Personalfragen kommen könne. „Aber versprechen kann ich natürlich nichts“, betonte Panzer. Man habe zuletzt sowieso absolut jeden Bewerber eingestellt, was nicht immer problemfrei sei: „Es geht nur noch um Quantität, nicht mehr um Qualität.“

Aus den Reihen der Kommunalpolitiker kamen noch zwei interessante Anregungen, die von der Gemeinde laut Rathaus-Sprecher Simon Hötzl jetzt aufgegriffen und geprüft werden. Monika Kormann-Lassas (SPD) schlug vor, die Kinderbetreuungsberufe durch Höhergruppierungen in puncto Gehalt attraktiver zu machen. Evi Karbaumer (Grüne) plädierte dafür, die freiwillige Arbeitsmarktzulage der Kommune (momentan 200 Euro pro Monat) nochmals aufzustocken und überdies Vermittlungsprämien für Fachpersonal zu zahlen.

„Diese Vorschläge nehmen wir auf“, sagte Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. Bei einer gehaltstechnischen Höhergruppierung seien freilich tarifrechtliche Aspekte zu beachten: „Aber wenn wir die Eingruppierungsmerkmale kreativ ausdehnen, könnte das klappen.“ Für Kinderpflegerinnen ergäbe sich dann ein Plus von rund 250 Euro pro Monat, dazu die 200-Euro-Zulage, eine günstige Mitarbeiterwohnung. „Viel mehr“, glaubt Portenlänger, „können wir nicht tun.“

Mit ein wenig Entspannung rechnet die Gemeinde zum Jahreswechsel, wenn in der Hauptstraße 13 die private Kindertagesstätte „Infanterix“ ihren Betrieb aufnimmt; der Bauantrag wurde am Dienstag genehmigt. 36 Krippen- und 50 Kindergartenplätze entstehen dort. Wegen des bilingualen Konzepts tue der Betreiber sich bei der Personalsuche leichter, könne etwa auch Studenten aus Frankreich einstellen, so Hötzl. Sein Resümee: „Wir geben uns Mühe und verstehen die Sorgen der Eltern.“

Rubriklistenbild: © dpa / Monika Skolimowska

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