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Verstärkung gesucht: Ralf Ziegler mit der stellvertretenden Leiterin Elke Pawlitschko und einigen Kindern. 

Hort-Mitarbeiter startet Aufruf im Radio

Verzweifelte Suche nach Kita-Kollegen

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Weil in seiner Einrichtung derzeit drei Kollegen fehlen, startet ein Hort-Mitarbeiter in Unterhaching einen Aufruf im Radio. Und auch die Gemeinden im Landkreis lassen sich so einiges einfallen, um Fachkräfte für ihre Kitas zu bekommen.

Unterhaching/Landkreis - Ralf Ziegler kann es einfach nicht fassen. „Es ist so toll hier bei uns, warum finden wir keine neuen Kollegen?“ Man merkt schnell: Für den Kinderpfleger ist die Arbeit im Hort der Arbeiterwohlfahrt an der Fasanenstraße viel mehr als ein Job. Die Kinder liegen ihm wirklich am Herzen. „Und es tut mir in der Seele weh, dass wir im Moment viele Geschwisterkinder ablehnen müssen.“

Platz genug wäre in dem großzügigen Haus für 125 Kinder. Vier helle Gruppenräume, Hausaufgabenzimmer, Werkstatt, Entspannungs- und Spieleräume, einen großer Garten und sogar eine eigene Turnhalle gibt es. Dazu den Landschaftspark, den Hachinger Bach und viele weitere Ausflugsziele in der Nähe.

„Wir haben hier so viele Möglichkeiten“, schwärmt Ziegler. Trotzdem können nur noch 90 Kinder hier toben. Der Grund: Es fehlt das Personal. Eine Kollegin ist in Ruhestand gegangen, eine andere schwanger. Drei pädagogische Fachkräfte fehlen.

„Es darf doch nicht sein, dass sich für die sozialen Berufe niemand mehr findet.“

Ralf Ziegler wollte nicht einfach nur abwarten, sondern selbst was tun. „Da kam mir die Idee mit dem Radio.“ Er meldete sich bei Radio Gong, erzählte von der Suche nach Personal - und fand Gehör: In einem kurzen Interview durfte er von seiner Einrichtung erzählen, dem tollen Team und der dringenden Suche nach neuen Kollegen. „Es darf doch nicht sein, dass sich für die sozialen Berufe niemand mehr findet.“ Man nimmt Ziegler jedes Wort ab, das er erzählt und dennoch - bisher hat sich noch niemand gemeldet.

Viele weitere Kitas im Landkreis sind in einer ähnlichen Situation. Fachkräfte zu bekommen, ist überall schwierig geworden. 180 Erzieher fehlten den Gemeinden und Städten im Landkreis München im vergangenen Jahr, Tendenz: steigend. Schaut man auf die Jobseiten im Internet, wird schnell klar: Wer Personal für seine Kita sucht, muss sich etwas einfallen lassen - und etwas bieten.

Wie die Gemeinde Haar: Im vergangenen Jahr fehlten kurzzeitig sieben Fachkräfte in den gemeindlichen Kitas. Daraufhin weitete sie den Suchradius aus: Mit Plakaten in der S-Bahn warb sie vier Wochen lang für die Jobs in ihren Kindertageseinrichtungen. Immerhin - eine Fachkraft meldete sich. „Man muss sich als Gemeinde einfach überall tummeln“, erklärt Ute Dechent, Referentin der Bürgermeisterin. In Fachpublikationen, im Internet, bei der Arbeitsagentur, in den sozialen Medien, in kostenlosen Anzeigenblättern - „Die Suche nach Fachkräfte muss über möglichst viele Kanäle laufen.“ Die Strategie geht auf: In diesem Jahr hat sich die Situation entspannt, die Gemeine muss in ihren Einrichtungen kein Kind abweisen.

Tolle Ausstattung in den Kitas und Wohnungen für Fachkräfte

In Feldkirchen setzt man vor allem „auf den guten Ruf“ wie Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) erklärt. Die Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen sei eng und gut. „Wir sind immer großzügig, wenn es um Ausstattung und Neuanschaffungen geht“, erklärt van der Weck. Das Arbeitsumfeld für das Personal soll stimmen. Zudem versucht die Gemeinde, Wohnraum anzubieten. „Wird eines unserer Appartements frei, bieten wir es erst einmal unseren Kitas an“, erklärt van der Weck. Neuer Wohnraum ist in Planung.

So auch in Oberhaching, wo die Gemeinde an der Münchner Straße 15 Wohnungen für Mitarbeiter gebaut hat. Wessen Arbeitsweg weiter als fünf Kilometer ist, bekommt die Fahrtkosten von der Gemeinde bezahlt. Als Anreiz sieht man zudem die „räumlich netten Kindertageseinrichtungen“ und „eine deutlich entspanntere Personalsituation“, wie Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) erklärt. So liegt der Betreuungsschlüssel in der Gemeinde deutlich unter dem angeforderten. Bedeutet: weniger Kinder pro Mitarbeiter. Das bringe auch einen Puffer, wenn jemand krank oder eine Kollegin schwanger wird.

Auch die freien Träger machen sich so ihre Gedanken. Die Innere Mission München, die unter anderem in Feldkirchen und Kirchheim Kitas betreibt, setzt vor allem auf den Nachwuchs aus ihrer eigenen Fachakademie für Sozialpädagogik. Gerade investiert sie 6,5 Millionen Euro in einen Neubau der Akademie. 

Zudem gibt es eine „Bewerbungs-Lotsin“, die sich schnell um jeden Bewerber kümmert. Mit guten Sozialleistungen, einer Jahressonderzahlung Treueleistungen, Arbeitsmarkt- und Ballungsraumzulage, einem Zuschuss zum Jobticket und weiteren Vergünstigungen will man Kräfte locken - und halten.

Auch Ralf Ziegler hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Irgendwas fällt ihm schon noch ein.

Auch interessant: Was der Landkreis gegen den Erziehernotstand unternimmt und Neubiberg kann vorerst alle Kinder unterbringen.

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