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Blättern in Erinnerungen ihrer Reisen mit dem Wohnmobil: Klaus und Irene Laubmeier.

Wohnmobil-Liebhaber aus Unterhaching erzählen

Das größte Abenteuer direkt vor der Haustür

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Das größte Abenteuer mit dem Wohnmobil haben Irene und Klaus Laubmeier weder in Spanien noch im wilden Kurdistan erlebt, sondern an der Von-Stauffenberg-Straße in Unterhaching.

Unterhaching Zum Glück saßen sie nicht im Wagen, als vor etwa einem Jahr während eines Unwetters ein Baum auf das Dach krachte (wir berichteten). Ein Tornado hatte den Baum entwurzelt, der den Alkoven durchschlug. „Wenn wir darin geschlafen hätten, wären wir tot gewesen“, sagt Irene Laubmeier. Es war das dritte Wohnmobil des Ehepaars. Seit 1991 touren sie auf die Art durch Europa.

Seit 27 Jahren also sind die Laubmeiers mit dem Wohnmobil unterwegs, seit Kurzem sehr häufig. Beide arbeiteten in der IT bei der Allianz, gingen in Frührente und haben viel Zeit außerhalb der Saison, landschaftlich reizvolle Ziele anzusteuern und sich dabei die größtmögliche Freiheit zu bewahren. Freunde brachten sie auf die Idee. Damals, 1991, ging es regelmäßig zu Pfingsten in großer Runde zum Kajakfahren, zunächst an die Donau, auf der man kaum paddeln muss. Alle hatten ein Wohnmobil, die Laubmeiers einen Combi. Darin zu übernachten, war ziemlich unbequem. Der Funke sprang über. Das Kajakfahren haben die beiden längst aufgegeben, das Campen dagegen ist aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken.

Vor etwa einem Jahr wurde das Wohnmobil bei einem Unwetter in Unterhaching von einem herabstürzenden Baum beschädigt. 

Ein angenehmes Nomadentum auf Rädern. Auf die kleinen Eigenheiten muss nicht verzichtet werden, der Filterkaffee schmeckt wie Zuhause, und der Espresso kommt aus der Nespresso-Maschine. Er behält seinen Geschmack in Portugals Algarve und in den Niederungen der Mecklenburgischen Seenplatte, die noch auf der Wunschliste der Laubmeiers steht. Sie müssen nicht buchen und im Falle eines Wetterwechsels werden die Sachen gepackt, und weiter geht’s. Sie lieben das gepflegte Herumzigeunern. Im Gegensatz zu einer Hotelbuchung hängen sie nicht im Bungalow fest.

Große Risiken gehen sie nicht ein. Zweimal gab es einen Hagelschlag, eine Markise wurde im Sturm weggerissen. Irene Laubmeier: „Was uns jetzt noch fehlt, ist Hochwasser.“ Sie haben sich vor Kurzem wieder ein bewährtes Euromobil mit Alkoven auf Fiat-Basis ausgesucht, schön wendig. Das gleiche Modell einfach noch einmal bestellt. Die weiteste Reise führte sie nach Andalusien. Auf der einen Seite die Wüste und die Berge, die Sierra Nevada auf 3300 Metern Höhe auf der anderen das Meer.

Im französischen Burgund und in Südfrankreich ließen sie den Wohnwagen für kurze Zeit stehen, um auf ein Hausboot umzusteigen und Kanäle hinabzufahren, die für die kommerzielle Schifffahrt nicht genutzt werden. In Frankreich ist das Fahren führerscheinfrei. Ein Tipp: Sie benutzen nur noch Schiffe mit Bugstrahlruder, um gewappnet zu sein, wenn es in der Schleuse wackelig wird. Es kam vor, dass das Hausboot über die Kiesbank rumpelte. Da ist das Wohnmobil deutlich angenehmer zu steuern.

Über alle Reisen wird detailliert Buch geführt. Alle Preise, Adressen, Visitenkarten und die Eindrücke der Reiseziele finden Eingang ins Tagebuch, sie sind säuberlich im Ordner mit Klarsichthüllen vermerkt. Auch das Datum, als die Fahrräder geklaut wurden am legendären Mont Ventoux in Frankreich, dem Teufelsberg, an dem Radprofi Tom Simpsons vor über 50 Jahren starb. Das Unterhachinger Ehepaar, beide begeisterte Radfahrer, wollten sich vor Augen führen, was die Profis bei der Tour de France leisten, die hier hochradeln. Sie folgten einem Zeitschriftentipp und radelten abends zu einem feinen Restaurant. Das Restaurant hatte zugemacht, aber der Wirt wohnte noch dort und fragte: „Wieso kommt ihr ausgerechnet auf mich?“ Er machte in diesem Fall eine Ausnahme und bekochte seien Gäste an diesem lauen Abend ganz exquisit. Danach waren die Räder weg. Der erboste Wirt war fassungslos, stellte sich hin und brüllte in die Nacht hinaus: „Nicht mit meinen Gästen.“ Im Anschluss brachte er die beiden zurück zum Camping-Platz.

Die Serie

Wohnmobile liegen im Trend. Im Kreis München stieg die Zahl von 2010 auf 2018 gleich um 30,5 Prozent oder 680 Fahrzeuge an – von 2228 auf 2908 Wohnmobile. Wir haben Menschen befragt, die die Freiheit auf vier Rädern suchen und leidenschaftlich gerne fernab ausgetretener Pfade unterwegs sind.

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