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Bald alles anders: Die direkte Zufahrt zum Utzweg (wo gerade der rote Mini-Schulbus fährt) wird es nach einem 800 000 Euro teuren Umbau nicht mehr geben – die Gemeinde will es motorisierten Eltern unbequem machen.

800.000 Euro Kosten

Elterntaxis: Zur Abschreckung wird in dieser Gemeinde jetzt eine ganze Straße umgebaut

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Weil alle Appelle wirkungslos sind, greift eine Gemeinde jetzt durch. Der Umbau einer Straße soll das Verkehrschaos beenden, das tagtäglich von Eltern verursacht wird, die ihre Kinder bis vor die Schultür kutschieren.

Unterhaching – Im Prinzip wäre alles so einfach. 150 Meter Fußweg zur Schule: Ja, das können Kinder schaffen. Aber unzählige Eltern in Unterhaching schaffen es nicht, diese „Belastung“ ihren Kindern zuzumuten – lieber kutschieren sie ihre Sprösslinge mit dem Auto bis zum letztmöglichen Meter von Jahnschule oder Lise-Meitner-Gymnasium. Ein irrsinniger Bring- und Holverkehr, der ausschließlich über den Utzweg abgewickelt wird, jene klitzekleine Einbahnstraße an der Sportarena. Mit diesem Wahnsinn soll nun Schluss sein.

Die Liste der Versuche, all die Helikopter-Eltern zur Räson zu bringen, ist lang. Vor Ort initiierten die Schulen Demonstrationen durch Kinder und Jugendliche gegen das Verkehrschaos; mehrere Jahrgänge von Studenten der Bundeswehr-Universität Neubiberg schrieben Bachelor-Arbeiten über das Unterhachinger Phänomen, die eigenen Kinder keinen Meter früher aus dem Auto rauszulassen als an der Schultür. Im Gemeinderat kam das Thema mehrfach auf, weil es durchaus auch anders denkende Eltern gibt (wir berichteten).

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Das Ergebnis all dieser Bemühungen: keins. Nullkommanull Verbesserung. Weiterhin Verkehrschaos, Tag für Tag. Aus diesem Grund, der notorischen Unverbesserlichkeit also, erfolgt nun der 800 000 Euro teure „Aus- und Umbau Utzweg“, vom kommunalen Bauausschuss einstimmig beschlossen. Das Ziel formuliert Wolfgang Ziolkowski, bei der Gemeinde verantwortlich für den Bereich Sicherheit und Ordnung, so: „Wir wollen den Eltern die Zufahrt zum Utzweg so unbequem wie möglich machen. Unsere Botschaft ist: Nehmt die Parkplätze weiter vorn oder setzt da eure Kinder ab!“

Verkehrsführung wird geändert

Die Probleme, führt Ziolkowski aus, seien ab November 2005 entstanden. Damals ging die neue Sportarena in Betrieb, es gab eine neue Verkehrsführung. Und die, das wissen inzwischen alle, funktioniert nicht. Insbesondere führe der „unglücklich angelegte Zufahrtskreisel zum Parkplatz der Sportarena oftmals zu Verwirrung und Fehlverhalten“, sagt Ziolkowski.

Die Lösung soll nun „in einer klaren Verkehrsführung“ liegen. Was schwierig ist, weil viele Schüler mit dem Fahrrad kommen. Die neue Grundidee: Radelnde Schüler werden in einem Bogen – statt geradeaus wie bisher – in den Utzweg geleitet. Die Stelle, wo der Radweg die Straße quert, wird deutlich markiert – ab hier beginnt das Sportgelände. Die Autofahrer wiederum sollen ebenfalls nicht mehr schnurstracks in den Utzweg fahren können, sondern mit einer umgestalteten Grünfläche schon vor der Einfahrt Richtung Gymnasium und Jahnschule zum Anhalten, Aussteigenlassen und Wenden animiert werden. Als zusätzliche Abschreckung plant die Gemeinde einen Mini-Kreisverkehr am Knotenpunkt Utzweg/Jahnstraße, also vor der Tiefgaragenzufahrt des Gymnasiums.

„Wir werden eine Veränderung der Verkehrslage erreichen“, glaubt Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). „Ob es eine Verbesserung wird, muss man sehen.“

„Wir haben alles probiert“

Natürlich kam in der kommunalpolitischen Debatte, zum wiederholten Mal, die Frage aus: Kann man die Eltern nicht anders einbremsen? Mit Schranken, Anlieger-Verbotsschildern, einer Schranke oder der Vergabe von Zufahrtserlaubnisscheinen? „Wir haben alles durchprobiert, stoßen aber immer wieder an rechtliche Grenzen“, sagt Panzer. „Von einer öffentlichen Straße kann ich den öffentlichen Verkehr nun mal nicht aussperren.“

Die Hoffnung ruht nun also darauf, dass eine unbequeme Anfahrt die Eltern buchstäblich einlenken lässt. Und eine zusätzliche „Schüler-Abladestelle“ als Entlastung sei ebenfalls geplant, deutete Panzer an: am Kubiz. Die kostspieligen Umbauarbeiten sollen 2019 umgesetzt werden.

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