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Und Action heißt es beim Dreh. 

Unterhachinger Schüler zeigen Film im Mathäser

Sprung auf die große Leinwand

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Taufkirchen/Unterhaching - Großer Erfolg für eine Gruppe junger Filmer: Schüler aus Unterhaching zeigen ihren selbstgedrehten Streifen im Mathäser. Thema: das Attentat von Olympia 1972.

Ein Sportler aus der DDR sitzt auf seinem Bett. Er schreibt einen Brief an seine Frau daheim. Plötzlich knallt’s. Schüsse fallen. Soeben haben palästinensische Terroristen den israelischen Ringer-Trainer Mosche Weinberg erschossen – und zehn weitere Olympia-Teilnehmer aus Israel als Geiseln genommen. Die Nacht des 5. September 1972 wird als Olympia-Attentat von München in die Geschichte eingehen. 

Alex Spöri, Luca Zug und weitere Schüler der 9c vom Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching rufen diese Bilder wieder ins Gedächtnis. Mit einem Film. Die Reportage feiert am 24. Oktober vor rund 120 geladenen Gästen im Mathäser-Filmpalast Premiere. 

Mit einem klassischen Schülerprojekt hat das Ergebnis aber nicht viel zu tun. Die beiden 14-Jährigen aus Taufkirchen sind fast schon echte Filmprofis. Sponsorensuche, Castings, Drehgenehmigungen, Drehbuch und technische Ausrüstung: Alles organisierten die Schüler selbst. Sie lernten das Filmen bei Praktika, mit Internet-Videos und Bücher-Recherche. Ihr Hobbyraum im Keller der Familie Spöri gleicht einem echten Filmstudio.

Als die beiden einen Auszug ihres Projekts auf ihrer Facebook-Seite „München Olympia 72“ hochluden, wo sie über ihre Arbeit in Bildern, Texten und natürlich Videos berichten, und dort zum Casting aufriefen, war die Resonanz groß. 17 Leute meldeten sich. Darunter einige Studios und Agenturen, die Interesse hatten, das Projekt zu übernehmen. „Aber wir wollten uns das nicht aus der Hand nehmen lassen“, betont Alex. Es sollte ihr Film bleiben. 

Dennoch bekamen sie große Unterstützung und „haben echt viele spannende Leute kennengelernt“, erzählt der 14-Jährige, der für den Dreh zuständig war. So spielt Martin Roskowetz („Destruction of Silence“, „Großstadtrevier“, „Notruf Hafenkante“) den DDR-Sportler Peter Frenkel. Auch Rouven Blessing („Fack Ju Göhte 2“, der am Luise-Meitner-Gymnasium gedreht wurde) und zwei Cutter des National History Channels, Rodney Sewell und Sebastian Wild, waren dabei. Das Medienzentrum München unterstützte das Team ebenfalls. Ein hilfreiches Engagement, denn „vieles können wir gar nicht zahlen“, sagt Alex. 

Zudem erklärten sich Zeitzeugen wie Sportjournalist Volker Kluge bereit, über das Attentat zu erzählen. Besonders in Erinnerung bleiben Luca, der das Drehbuch schrieb, die Aufnahmen am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. „Das war alles sehr emotional“, sagt der Gymnasiast. Denn er traf dort Zeitzeugen, die die die misslungene Befreiung der neun Geiseln miterlebten, bei der 14 Menschen starben. 

Es gibt Szenen aus dem Haus an der Connollystraße, wo die israelischen Sportler wohnten, vom Fliegerhorst und aus dem Olympiapark. Mittlerweile ist der Film fertig – nach 700 bis 800 Arbeitsstunden. „Irgendwie komisch“, meint Alex. „Aber auch eine große Last, die abfällt“, fügt Luca hinzu. Natürlich sind die beiden nun schon „sehr nervös und gespannt“ auf die anstehende Premiere am 24. Oktober. 

Janine Tokarski

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