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Martha Kürzl-Harrison hat ihre Tickets zur Premiere von „Sister Act“ jetzt doch noch bekommen. 

Unterhachingerin zofft sich mit Ticket-Anbieter

Ärger auf Bestellung

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Unterhaching - Mit Musicaltickets unterm Christbaum will Martha Kürzl-Harrison aus Unterhaching ihrer Tochter eine Freude bereiten. Ihr selbst hat das Geschenk jedoch schon jede Menge Ärger bereitet – oder genauer gesagt: der Ticket-Anbieter.

Ende November bestellt Martha Kürzl-Harrison Tickets für das Musical „Sister Act“ direkt über die Homepage des Deutschen Theaters. Die 55-Jährige will sie ihrer Tochter zu Weihnachten schenken. Verschickt werden die Karten über den Anbieter München Ticket GmbH, an dem die Stadt München beteiligt ist.

Über eine Woche wartet Kürzl-Harrison vergeblich darauf, dass ihr die Eintrittskarten im Wert von über 160 Euro zugeschickt werden. Dann greift sie zum Telefon. „Ich habe bei München Ticket nachgefragt, was mit meinen Karten passiert ist“, erzählt sie. Dass sie per Kreditkarte bezahlt hat, kann sie belegen. Beim Ticket-Anbieter habe sie nur die Auskunft erhalten, man habe das Kuvert dem Postboten übergeben. „Aber München Ticket hat keinen Beleg, dass die Karten tatsächlich per Post verschickt worden sind.“

Die Bitte Kürzl-Harrisons, Ersatzkarten auszustellen, weil es sich um ein Weihnachtsgeschenk handelt, wird ausgeschlagen. Stattdessen habe man ihr vorgeschlagen, sich wieder an München Ticket zu wenden, sollten die Karten bis fünf Tage vor der Veranstaltung nicht eingetroffen sein. Dann würde man an der Abendkasse Ersatztickets für sie bereit stellen.

Doch darauf will sich Kürzl-Harrison nicht einlassen. „Da hätte ich ein ungutes Gefühl.“ Denn was wäre, wenn die Original-Tickets gestohlen oder auf irgendwelchen Wegen in die Hände eines anderen gelangt wären und am Abend der Aufführung plötzlich zwei Personen mit Karten für die selben Plätze auftauchen, erklärt sie ihre Sorge: „Wie sollte man dann auf die Schnelle herausfinden, wer der rechtmäßige Besitzer der Tickets ist?“

Auch der weitere E-Mail-Verkehr und Telefonate mit dem Ticket-Anbieter bleiben erfolglos. Schließlich schreibt Kürzl-Harrison an Münchens Zweiten Bürgermeister Josef Schmid und beschwert sich über das ihrer Ansicht nach kundenunfreundliche Vorgehen“. Denn der sitzt im Aufsichtsrat von München Ticket. „Aber eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten.“

Bekommen hat die 55-Jährige mittlerweile immerhin die Karten. „Ich hatte die Adresse der Firma, in der ich arbeite, angegeben und die Post hat aus unerfindlichen Gründen die Karten als unzustellbar an München Ticket zurückgeschickt.“ Nachdem sie dann ihre Privatadresse als Lieferort angegeben hätte, seien die Karten in kürzester Zeit zugesandt worden.

Christian Büsel, Bereichsleiter Verkauf bei München Ticket, bittet um Verständnis, das sein Unternehmen keine Ersatztickets mehr verschickt. Man müsse nämlich nicht nur die Interessen der Kunden, sondern auch die der Veranstalter im Auge behalten.

„In vielen Fällen tauchen die Originalkarten wieder auf“, sagt er. Dann sind zwei Tickets im Umlauf, die zu entsprechenden Komplikationen führen könnten. So habe es Fälle gegeben, bei denen die Ersatzkarten an die Verwandtschaft weitergegeben wurden und es plötzlich zu einer Doppelbelegung kam. Bei freier Platzwahl oder Stehplätzen bestehe auch die Gefahr, dass zum Schaden des Veranstalters die Ersatztickets verkauft werden. „Wir sind gegenüber dem Veranstalter verpflichtet, Missbrauch vorzubeugen“, betont Büsel

Die Praxis, die Ersatzkarten erst an der Abendkasse zu vergeben, hätte sich bewährt. Und wenn man die Ersatzkarten verschicke, bestehe die Gefahr, dass sie erneut verloren gehen. In Ausnahmefällen hätten Kunden aber die Ersatztickets auch schon direkt bei München Ticket abholen können. „Wir versuchen wirklich alles für unsere Kunden zu tun, was möglich ist und die meisten verstehen auch unsere Zwänge.“

Die Angst Kürzl-Harrisons, man könne im Zweifelsfall auf die Schnelle nicht entscheiden, wer das gültige Ticket hat, ist laut Büsel unbegründet. „Wird ein Ersatzticket ausgestellt, hat dieses Vorrecht.“ Eine zufriedenstellende Lösung für alle Seiten wird es seiner Ansicht nach erst geben, wenn alle über 700 Veranstalter in München Karten mit Barcode anbieten, die man scannen kann. Dann könnte man beliebig Ersatz-Tickets ausstellen und die Original-Karten einfach entwerten. „Aber das ist sehr kostspielig.“

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