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Architektin Meike Gerchow erläutert Besuchern die Dachkonstruktion aus rautenförmigen Holzlamellen. Die so genannte Zollinger-Bauweise ist nach ihrem Erfinder Friedrich Zollinger benannt.

Tag des offenen Denkmals

Unterm Dach der historischen Flugzeughallen

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Unterhaching/Neubiberg - Enormes Besucherinteresse beim „Tag des offenen Denkmals“: Rund 600 Bürger kamen zu Führungen zu den im Landschaftspark und auf dem Bundeswehr-Universitätsgelände liegenden Bauten des ehemaligen Fliegerhorstes.

Eine dichte Traube Wartender stand vor dem West-Tor des Uni-Geländes in Neubiberg. Das Betreten war erst nach Abgabe des Personalausweises möglich. Etwa hundert Interessierte nahmen das in Kauf, es war die erste von mehreren Touren. Ziel war eine von zwei denkmalgeschützten Flugzeughallen des ehemaligen Fliegerhorstes.

Die Münchner Architektin Meike Gerchow nahm die Gruppe in die Vergangenheit mit. Zunächst ging es einmal quer über den Campus. Von Heimatpfleger Günter Staudter stammte übrigens der Tipp. Gemeinsam mit Mitgliedern des Fördervereins Heimatmuseum organisierte er die Führungen. Der bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ werde bereits seit 1993 gefeiert, erläuterte dann Gerchow. Die 59-Jährige ist unter anderem Mitglied des Bayerischen Landesdenkmalrats, Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern und auch im Heimatmuseum involviert. 

„Gemeinsam Denkmale erhalten“ sei heuer das Motto, erläuterte sie der Gruppe. Da sei freilich auch die Bundeswehr als Eigner in der Pflicht. Schon von weitem zu sehen war dann eine der historischen Flugzeughallen. „Sie wurden 1934 gebaut“, so die Architektin. Ein geschichtsträchtiger Ort, die Gebäuden stumme Zeugen. Hier entstand 1933 ein Militärflugplatz, den nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikanische Armee nutzte und erweiterte. 1958 übernahm den Fliegerhorst die damals noch junge Bundeswehr. 1973 wird der Standort zu deren Hochschule, 1985 offiziell zur Universität.

Auf den ersten Blick sieht die Halle schon imposant aus, aber sonst? Die wahren Werte lägen im Innern, sagte Gerchow und verriet: „Das Dach ist eine Zollinger-Konstruktion“. Was die Fachfrau damit meint, wird der Gruppe beim Betreten schnell ersichtlich: Schlichtweg beeindruckend ist das freitragende Dachgewölbe aus rautenförmigen Holzlamellen. Die Bauweise ist in Deutschland mittlerweile selten. „Sie ist nach ihrem Erfinder Friedrich Zollinger benannt. Der Merseburger Stadtbaurat hat sich das Anfang des 20. Jahrhunderts patentieren lassen“, erläuterte die Architektin. Der Vorteil lag auf der Hand: Die einzelnen Elemente hätten fabrikmäßig vorgefertigt und dann einfachst montiert werden können. Das sparte Zeit und Geld. „Diese Bauweise ermöglicht gerade in Hallen besonders große Spannweiten ohne Abstützungen“. In der Region gäbe es noch weitere Zollingerdächer zu sehen, etwa im Orgelmuseum in Valley, auf der Glentleiten (Museum) sowie im Kirchengebäude St. Anton in Augsburg. „Mit dem Ende des Jahres 1997 endet hier jeglicher Flugbetrieb“, schloss Meike Gerchow die Führung.

Heute seien als Zeitzeugen neben den denkmalgeschützten Hallen nur noch Gleisanlagen und Treibstoffbunker zu sehen, erläuterte die Architektin. Letztere in fußläufiger Nähe gleich im Landschaftspark – ein weiteres Angebot am „Tag des offenen Denkmals“. Einige der Besucher hatten später beide Führungen genossen. Am Nachmittag bot sich im Heimatmuseum Unterhaching noch die Möglichkeit, das Wissen vom Tag zu vertiefen. Mehr als 20 Interessierte machten davon Gebrauch. Gemeinsam mit Experten vom Förderkreis stand hier auch Meike Gerchow für weitere Gespräche bereit.(kko)

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