Warten auf Gäste: Restaurants, Biergärten und Hotels sind seit Monaten im Lockdown. Die Gewerkschaft NGG fordert von der Politik eine Öffnungsstrategie.
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Mehr Unterstützung für Gastronomie und Einzelhandel wünschen sich die Freien Wähler in Unterhaching. Sie kritisieren den Gewerbeverband. Der wehrt sich.

Vorsitzende wehrt sich

Unterhachinger Gewerbeverband in der Kritik: Einzelhandel und Gastronomie im Stich gelassen?

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Tun Gemeinde und Gewerbeverband in Unterhaching genug, um in der Coronakrise die Not örtlicher Betriebe zu lindern? Julia Mittermeier, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, hat im Gemeinderat scharfe Kritik am aktuellen Krisenmanagement geübt: Sie findet, die Unterhachinger Gastronomen und Einzelhändler würden im Stich gelassen.

Unterhaching - Rathaus-Sprecher Simon Hötzl und die Vorsitzende des Gewerbeverbands (GVU), Susanne Röder, weisen die Vorwürfe auf Nachfrage des Münchner Merkur zurück. Der Unmut bei Julia Mittermeier schwelt schon länger. In der Januar-Sitzung des Gemeinderats hatte sie eine Sonderausgabe des Gemeindejournals „Dahoam“ in Unterhaching angeregt, um das örtliche Angebot von „Click, Call & Collect“ plakativ zu bündeln. Statt eines Extrablatts gab es dann aber nur zwei Seiten im Februar-Heft des Gemeindejournals mit dem Hinweis auf die Einkaufsangebote von genau vier Unternehmen (Schuhhaus Felzmann, Blumenhaus Ertl, Sport Forster und Klawotte). „Was sollen zwei Seiten, auf denen nur ein Bruchteil der Unterhachinger Gastronomen und Einzelhändler aufgeführt werden?“, fragte die FWU-Fraktionschefin. Die Gemeinde habe die Idee „nicht zufriedenstellend umgesetzt“.

FWU-Fraktionschefin wünscht sich mehr Einsatz vor Ort

Bei dieser Gelegenheit schoss Mittermeier auch gegen den Gewerbeverband. Der hatte sich in Bad Tölz an der Resolution „Wir bluten aus!“ beteiligt und Soforthilfe von der Bayerischen Staatsregierung gefordert. Für die FWU-Gemeinderätin nicht nachvollziehbar: „Warum demonstrieren die in Bad Tölz, statt Aktionen hier in Unterhaching zu starten?“ Sie sei „richtig sauer und enttäuscht“.

Nur wenige Betriebe zeigen Interesse an Online-Plattform

Dass es statt Sonderausgabe nur zwei Sonderseiten gab, erklärt Simon Hötzl so: „Der Antrag von Frau Mittermeier erreichte uns zwei Tage vor Redaktionsschluss. Auf die Schnelle war nicht mehr möglich“, sagt der Rathaus-Sprecher. Parallel dazu habe die Gemeinde auf ihrer Homepage die Aktion „Lokal is(s)t genial“ gestartet: Dort können die Unterhachinger Gastronomie und der Einzelhandel kostenlos ihr Angebot für Liefer-/Abholservice präsentieren. „Wir hatten viele Anfragen von Betrieben aus dem Oberland, aber zunächst nur eine Rückmeldung aus Unterhaching“, berichtet Simon Hötzl. „Daraufhin haben wir noch einmal etwa 280 Betriebe, die fundamental von der Coronakrise getroffen sind, angeschrieben.“ Der Rücklauf hält sich in Grenzen, zehn Gastronomiebetriebe und sechs Einzelhändler präsentieren sich auf www.unterhaching.de. Zu wenig für ein Sonderheft.

GVU-Vorsitzende: „Die Sorgen erdrücken die Geschäftsleute“

Ähnliche Erfahrungen hat Susanne Röder gemacht, die zwei Tage zu Fuß durch Unterhaching tourte und Geschäfte abklapperte. Auf unterhaching.online bietet der Gewerbeverband ebenfalls eine Plattform, aber nur 31 Betriebe sind dort mit ihrem Corona-Angebot gelistet. „Interesse ist schon da, aber die Sorgen erdrücken die Geschäftsleute“, schildert die GVU-Vorsitzende die Lage. Und die sei, jenseits von Handwerk und Nahrungsmittelindustrie, desaströs: „Viele Geschäftsleute haben so die Hoffnung verloren, dass sie nicht mal mehr ihre Post öffnen. Ihnen fehlt die Perspektive.“ Bis zu 40 Prozent der im GVU organisierten Betriebe hätten „echte Probleme“.

Genau deshalb sei die Teilnahme an der Aktion in Bad Tölz so wichtig gewesen, kontert Susanne Röder die Kritik von Julia Mittermeier. „Auf kommunaler Ebene schaffen wir gar nichts, wir müssen Veränderungen auf Ebene der Landespolitik erwirken“, sagt Röder.

Susanne Röder Vorsitzende des Gewerbeverbands Unterhaching.

Darum geht es in der Resolution

Der GVU ist einer von insgesamt 28 Unterzeichner-Organisationen der Resolution, die über 2000 Einzelhandelsunternehmen aus ganz Bayern repräsentiert. „Diese Hilfen und Aktionen kommen dem Einzelhandel zugute – auch in Unterhaching“, sagt die GVU-Vorsitzende. Neben Forderungen nach Finanzhilfen geht es in der Resolution darum, Betriebe mit wirkungsvollem Hygienekonzept im Falle eine weiteren Lockdowns von der Schließung auszunehmen, sowie um acht verkaufsoffene Sonntage bis zum 30. November 2021. Auch eine vorübergehende Erweiterung der Ladenöffnungszeiten ist im Gespräch.

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