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Täuschend echt: Schülerin Lisa Kränzlein (16) mimt das schwer verletzte Opfer eines Verkehrsunfalls. Bei der Rettungsübung demonstrieren die Einsatzkräfte den Schülern, welche Folgen ein „Disco-Unfall“ haben kann.  

Verkehrs-Projekttag am Gymnasium Unterhaching

„Disco-Fieber“, das Leben kostet

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Der Tod fährt mit: Ziemlich drastisch haben Rettungskräfte den Gymnasiasten in Unterhaching vor Augen geführt, wozu Imponiergehabe, Alkohol und Müdigkeit am Steuer führen können.

Unterhaching – Mangelnde Fahrpraxis, Alkohol, Imponiergehabe – ein gefährlicher Cocktail. Gerade jungen Leuten wird das auf der Straße leicht zum Verhängnis, meist in den frühen Morgenstunden am Wochenende. Experten sprechen von „Disco-Unfällen“. Nicht wenige enden tragisch. Mit dem Projekttag „Disco-Fieber“ will das Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching die Jugendlichen sensibilisieren, die Rettungskräfte ziehen mit. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Kriseninterventionsteam (KIT) sitzen beim Thema Verkehrssicherheit mit im Boot.

Nicht der erhobene Zeigefinger, sondern ein Plädoyer an die Eigenverantwortlichkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. „Im Zentrum steht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die Jugendlichen sollen sensibilisiert und zum Nachdenken angeregt werden“, erläutert Studiendirektor Christopher Hübner. Bereits zum dritten Mal holte der Mittelstufenkoordinator das Verkehrssicherheits-Projekt ans Gymnasium. Zielgruppe waren die sechs zehnten Klassen, etwa 130 Schüler im Alter von rund 16 Jahren.

Wummernde Techno-Beats und grelle Partylichter empfingen die Schüler morgens im abgedunkelten Saal. Dann sind aufheulende Motoren zu hören, ein Knall, das Martinshorn der Einsatzkräfte. Alles vom Band. Zum Auftakt des Workshops sehen die Schüler einen von sechs Kurzfilmen, die alle eines gemein haben: Sie zeigen den Tod.

Fingierte Unfälle, bei denen Freunde und Insassen sterben, weil der Fahrer abgelenkt oder betrunken war. Hohe Geschwindigkeiten, Selbstüberschätzung, Übermüdung, Gruppenzwang. Und immer wieder das Handy am Steuer. „Je später der Abend, desto höher die Gefahr“, sagt Christopher Hübner. Eine Sekunde entscheide über Schicksale.

Im Saal ist es die ganze Zeit still. Die Schüler hören gebannt zu, sind beeindruckt von den Szenen. Diese werden plötzlich real durch die Schilderungen der Referenten. Gekommen sind Polizeihauptmeisterin Anka Walde vom Unfallaufnahmekommando, Marco Scheimgraber, Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching, Christian Wolf, Vorstand des Arbeiter Samariter-Bundes und im Kriseninterventionsteam tätig sowie der Rettungssanitäter Michael Kemle-Lanz. Sie alle berichten vom Alltag als Helfer, haben Fotos und Fakten zu Unfällen dabei. „Den Rettern bot sich ein Bild des Grauens“, ist am Tag danach oft in der Zeitung zu lesen. „Jeder aus dem Blaulichtmilieu hat Fälle erlebt, die er nie wieder vergisst“, sagt Sanitäter Kemle-Lanz. Bei seinen Schilderungen erleben die jungen Leute, wie tief ihn manches heute noch bewegt.

Authentischer kann Schule nicht sein, das ist Lernen fürs Leben. Im zweiten Teil der Veranstaltung gaben die Rettungskräfte einen spektakulären Einblick in ihren – ehrenamtlichen – Dienstalltag: eine Rettungsübung aller Einsatzkräfte auf dem Parkplatz hinter der Bayernwerk-Arena. Es galt, zwei Verletzte aus einem demolierten Pkw zu bergen. Lisa Kränzlein (16) und Colin Maidment (18), beide engagiert im Schulsanitätsdienst, mimten die Opfer. Täuschend echt mit Kunstblut.

22 747 junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren waren 2016 in Bayern in Unfälle verwickelt, es gab dabei 12 007 Verletzte, 1876 von ihnen schwer verletzt. Und 106 junge Menschen starben.

Das Projekt „Disco-Fieber“ entstand vor 17 Jahren als Bürgerinitiative nach mehreren tragischen Unfällen in Schrobenhausen. Bis heute wurde daraus eine bayernweite Aktion unter Leitung des Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren sind die Zielgruppe. Risikokompetenz lautet das Stichwort.

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