Viel Zulauf bei der Unterhachinger LeseNacht

Große Reise durch die Bücherwelt

Unterhaching – In Karawanen zogen die Gäste durch den Ort. Bücherfreunde, die von Geschichte zu Geschichte eilten. Und dabei abtauchten in spannende Welten. 

In fremde, spannende Welten abtauchen, Menschen kennenlernen, ohne ihnen in die Augen zu sehen, sich Gruseln ohne in Gefahr zu sein, Verreisen ohne den Raum zu verlassen, lernen, ohne es zu merken. Bücher sind etwas Großartiges. 

Am Samstagabend konnte man die Unterhachinger dabei beobachten, wie sie diese literarischen Abenteuer jagten und von Geschichte zu Geschichte durch ihre Gemeinde zogen – bei der LeseNacht. 

Bereits zum zwölften Mal waren die Unterhachinger eingeladen, sich Geschichten vorlesen zu lassen – und zwar von den Autoren selbst. Und das ließen sich die Bücherfreunde nicht entgehen: Kleine „Karawanen“ zu Fuß und auf dem Fahrrad waren bei kaltem Nieselwetter auf den Straßen unterwegs, die von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort zogen. 

Fünf Stunden, acht Locations, zwölf Autoren und Vorleser. So weit die Fakten. Doch man muss in den Abend eintauchen, um das Flair zu verstehen. 

Gebannt lauschten die Unterhachinger im Kubiz einem Geigenbaumeister, Physikingenieur und Buchautor. Eine Kombination, die Spannendes verspricht. Martin Schleske, der Mann mit der Baskenmütze, nimmt die Menschen mit in seine hölzerne, hochphilosophische Welt, wandert mit ihnen zwischen Jahresringen auf der Suche nach der Schönheit des Lebens, erzählt über sich und das Geheimnis Gottes, liest aus seinem Werk , unterhält sich mit dem Publikum – und schwärmt auf eine unvergleichliche Weise über Holz. 

Zeitgleich berichtet nur wenige hundert Meter weiter die junge Nachwuchsautorin Mercedes Lauenstein im vollbesetzten Foyer des KWA über nächtliche Schlaflosigkeit. Die durch und durch neurotische Hauptperson der Geschichte fesselt die Zuhörer. Es gibt wohl niemanden im Raum, der nicht den einen oder anderen verqueren Gedanken der schlaflosen Protagonistin nachvollziehen kann. Zum Beispiel das Gefühl zu haben, immer um dieselbe Zeit auf die Uhr zu schauen. 

Nicht weniger fesselnd ist die Autorin selbst, die aus ihrem Erstlingswerk „Nachts“ vorträgt. Sie ist sympathisch, lacht, weil sie einen Begriff ihres Romans nicht aussprechen kann, verhaspelt sich hin und wieder und glänzt als wirklich beeindruckende Autorin. 

In der Buchhandlung „Helming & Heuser“ geht zeitgleich nichts mehr: Auch der letzte Platz ist voll, als Lilli Beck aus ihrem Roman „Glück und Glas“ vorliest. Ebenfalls voll besetzt waren die Stuhlreihen im Kubiz um 20 Uhr, als Quint Buchholz den Beamer anwarf – und die Zuhörer zu Zusehern machte. Es sind seine wirklich beeindruckenden Bilder, die den Münchner so bekannt machen. Dennoch passte er, mit seiner angenehm sonoren Stimme, hervorragend in die LeseNacht. 

Die Bilder, die nach eigener Aussage “sehr viel Zeit brauchen“, hat wohl jeder Bücherfan schon einmal gesehen, denn sie zieren hunderte von Buchumschläge, Plakate, CDs und veranschaulichen Kindergeschichten. Der renommierte Buchillustrator schreibt jedoch auch selbst Geschichten und Bücher. Sein neuestes, „Im Land der Bücher“ ist eine Liebeserklärung an die Literatur – und dominiert von hintersinnigen Zeichnungen, die fast zu schnell über die Leinwand dahinzogen. 

Ein bisschen bedauert man, dass man nicht überall gleichzeitig sein kann, den Geschichten lauscht, Krimis, Geschichtliches, Philosophisches hört, die Menschen hinter den Bücherdeckeln kennenlernt. Beendet wird die LeseNacht mit der Mitternachtslesung, bei der unheimliche Geschichten vorgetragen werden. Fridhelm Rensch liest sie im VHS-Atelier am Oberweg. Direkt neben dem Friedhof

Claudia Erl

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