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Viele Azubis brechen ihre Lehre ab,, vor allem im Handwerk.

 Handwerk besonders betroffen

Viele Azubis brechen Lehre ab

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Trauriger Top-Wert: Im Landkreis brechen  viele Azubis ihre Lehre vorzeitig ab, vor allem im Handwerk. Das hat mehrere Gründe.

Landkreis – Als Alent Fetaj vor gut zweieinhalb Jahren seine Koch-Ausbildung begonnen hat, saßen 24 Schüler mit ihm in der Berufsschulklasse. Mittlerweile sind es nur noch 14. „Manche wollten die Ausbildung gar nicht wirklich machen“, sagt der 20-Jährige.

Er schon. Ihm gefällt die Arbeit in einer der drei Küchen im Hotel „Holiday Inn Munich“ in Unterhaching. Dass er sonntags und an Feiertagen arbeiten muss – wenn andere frei haben – findet er nicht tragisch. „Man gewöhnt sich schnell daran.“ Dafür habe er mal unter der Woche frei. Auch die Hektik und der raue Ton in der Küche, wenn im Restaurant viel los ist: Kein Problem. „Da geht’s dann schon ab“, sagt der angehende Koch und lacht. Ihm mache es Spaß, im Team zu arbeiten.

Glücklich mit seiner Lehre: Alent Fetaj, der im Hotel Holiday Inn in Unterhaching Koch lernt.

Aber mehr als 25 Prozent der Azubis im Bundesdurchschnitt brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab, heißt es im Berichtsentwurf des Bundesbildungsministeriums. Im Landkreis München ist diese Zahl, was Handwerksberufe anbelangt, mit 36 Prozent noch weitaus höher. „Von 2055 neu abgeschlossenen Lehrverträgen wurden 745 vorzeitig gelöst“, berichtet Alexander Tauscher, Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Viele Betriebswechsel

Diese Zahlen bedeuteten jedoch nicht, „dass die jungen Leute damit das Handwerk hingeschmissen haben“, betont Tauscher. Viele Lehrlinge wechselten den Betrieb, manche auch die Branche innerhalb des Handwerks.

Unter dem Bundesdurchschnitt liegt mit 21 Prozent die Quote im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen. Auch bei der Industrie- und Handelskammer für Oberbayern und München setzt man die Vertragsauflösungen nicht mit endgültigen Abbrüchen gleich. „Auszubildende im ersten Jahr wechseln etwas häufiger den Betrieb oder den Beruf als früher, sie setzen dann aber die Ausbildung fort. Der Grund ist im Normalfall keineswegs Frust mit der Ausbildung, sondern die immer größere Auswahl an Lehrstellen und der zunehmende Wettbewerb um die Azubis“, betont Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landkreis München.

Nur wenige schmeißen ganz hin

Einen Ausbildungsabbruch, also das endgültige Ausscheiden aus der Berufsausbildung ohne Abschluss, verzeichnet der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) im Freistaat nur bei acht Prozent aller Azubis. „Dieser Wert kann auch für den Landkreis München angenommen werden.“ 2017 seien mehr als 200 Lehrstellen im Landkreis unbesetzt geblieben. Es sei für die Bewerber heute viel einfacher, zu wechseln. „Immer häufiger betrachten sie die Probezeit tatsächlich als Zeit des Ausprobierens“, erläutert Leicher. „Auch Defizite bei der Berufsorientierung spielen eine Rolle, wenn etwa die Vorstellungen aus Fernsehshows nicht mit der Realität übereinstimmen. Hier müssen wir ansetzen und Schülern die modernen Berufsbilder und Karrierewege schon in der Schule viel näher bringen.“

Es hapert an Qualität

Als „Warnzeichen“ bezeichnet Simone Burger, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands München, die Zahl der Abbrecher. Viele gebe es beispielsweise in Gastronomieberufen wegen der Arbeitsbedingungen, aber auch im Bereich der freien Berufe wie medizinische beziehungsweise zahnmedizinische Fachangestellte, wo manchmal die Qualität der Ausbildung nicht gut sei. Angehende Ärzte würden im Studium nicht auf die Aufgabe als Führungskraft vorbereitet. „Manche kriegen das auch so super hin, andere können es nicht.“ Sie fordert, dass nicht nur mehr Wert auf Ausbildung gelegt, sondern auch die Qualität der Ausbildung kontrolliert werde. Die Gewerkschafterin sieht auch einen Zusammenhang zwischen Vergütung und Abbruchquote. Die Bezahlung sei oft „frustrierend“. 450 Euro bekommt zum Beispiel ein Friseurlehrling im ersten Jahr. „Wird das dem Leben in unserer Region gerecht?“, fragt Burger. Der DGB fordert, wie im Koalitionsvertrag festgehalten, einen Mindestlohn für Azubis: 80 Prozent der durchschnittlichen Tarifvergütung, das sind derzeit 635 Euro.

Azubi-Gehalt „keine Leistungs-Entlohnung“

Doch da regt sich Widerspruch: „Ein Zusammenhang zwischen Höhe der Ausbildungsvergütung und der Abbrecherquote in den verschiedenen Branchen besteht aus unserer Sicht nicht“, betont Alexander Tauscher von der Handwerkskammer. Die Ausbildungsvergütung sei im Wesentlichen „keine Entlohnung für eine Leistung, sondern eine Unterstützung zum Lebensunterhalt. Denn Azubis haben keine Leistungspflichten wie Arbeitnehmer, sondern sollten die berufliche Handlungsfähigkeit erwerben.“ Ein einheitlich festgelegter Betrag berücksichtige keine Besonderheiten der Branchen und Regionen. „Dies kann fatale Folgen haben, da die Ausbildungsbereitschaft von Betrieben zurückgehen kann. Gefährdet sind dann insbesondere schwächere Jugendliche und Personen mit Vermittlungshemmnissen.“ Die Tarifautonomie dürfe nicht geschwächt werden.

Alent Fetaj jedenfalls will auch nach seiner Ausbildung weiter in dem Unterhachinger Hotel arbeiten. Er freut sich, dass er mittlerweile sogar seiner Mutter in der Küche etwas beibringen kann und findet: „Koch sein ist cool.“

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