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Vier Tote in Unterhachinger Seniorenheim

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Von: Martin Becker

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Das Coronavirus hat auch das Alten- und Pflegeheim St. Katharina Labouré in Unterhaching erreicht – bis Sonntag sind dort vier Bewohner im Alter zwischen 86 und 98 Jahren an den Folgen der Pandemie gestorben. © Martin Becker

Das Coronavirus grassiert inzwischen auch im Alten- und Pflegeheim St. Katharina Labouré in Unterhaching.

Unterhaching –Bei 23 Bewohnern und 25 Mitarbeitern wurde eine Infektion nachgewiesen. Bis Sonntag sind vier infizierte Bewohner gestorben; sie waren 98, 96, 95 und 86 Jahre alt. „Sie waren zuvor schon schwer krank gewesen beziehungsweise hatten sich teilweise in Palliativversorgung befunden“, sagt Claus Peter Scheucher, Generalökonom der Einrichtung.

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Am Freitag, 3. April, hatte das Heim die Bewohner und die Angehörigen über die Situation informiert. Diese sei „für Sie und uns sehr belastend“, heißt es darin. Wegen der Krankheits- und Todesfälle unter den Bewohnern, aber auch wegen der Ausfälle beim Personal.

„Alle positiv getesteten Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne“, sagt Claus Peter Scheucher. Die negativ getesteten Mitarbeiter indes würden inzwischen „regelmäßig zwei Mal pro Woche getestet“. Den Ausfall der 23 Mitarbeiter konnte das Alten- und Pflegeheim St. Katharina Labouré kompensieren: Es gab drei Neueinstellungen, fünf Mitarbeiter wurden über Zeitarbeitsfirmen gewonnen, und aus anderen Einrichtungen des Verbunds der „Barmherzigen Schwestern“ wechselten elf Pflegekräfte freiwillig nach Unterhaching. Für die „spontane und tatkräftige Hilfe“ sei man „sehr dankbar“, betonte der Generalökonom: „Eine adäquate Versorgung der Bewohner ist sichergestellt.“

Mitarbeiterausfall kompensiert

Ein Problem für den Alltag im Pflegeheim bleiben die Schutzmaterialien. Das Landratsamt und die Gemeinde Unterhaching hätten tolle Hilfe geleistet. Aber, so Claus Peter Scheucher: „Der Bestand ist knapp, große Unterstützung ist weiterhin nötig.“ Betroffene Angehörige indes sprechen gegenüber dem Münchner Merkur von einem „Debakel“ und berichten, erst nach dem Bekanntwerden erster Infektionsfälle am 1. April sei „Schutzkleidung eingeführt worden“.

Im Landratsamt, wo alle Daten zusammenlaufen, sagt Pressesprecherin Christine Spiegel: „Ja, uns sind im Landkreis mehrere Seniorenheime mit Corona-Infektionen bekannt, wir benennen diese aber nicht einzeln.“ Aus Sicht der Gesundheitsbehörde im Landratsamt werde „mit größtmöglicher Sorgfalt gehandelt“ und alle Betroffenen seien „vorbildlich informiert worden“.

Bewohner auf Isolierstation

Zum konkreten Management der Lage heißt es in St. Katharina Labouré: „Mit Hilfe des THW wurde ein Anbau erstellt, in dem alle infizierten Bewohner auf einer Isolierstation zusammengefasst wurden. Da deren Kapazität aber nicht mehr für alle ausreicht, werden Bewohner im Haus in eigene Bereiche zusammengelegt, wo das Pflegepersonal sie mit stark erhöhtem Schutzaufwand versorgt. Das Pflegepersonal erhält regelmäßige Hygieneschulungen.“

Seelsorgetelefon eingeführt

Überdies hat das Pflegeheim eine Mitarbeiterin ausschließlich mit der Aufgabe betraut, sich um die Anliegen der Angehörigen zu kümmern. Zudem wurde ein Seelsorgetelefon für die eigenen Mitarbeiter eingerichtet.

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